Mangelerscheinungen
Wird dem Körper zu wenig Vitamin C zugeführt, kommt es zu schweren Mangelerscheinungen mit spezifischen Symptomen. Man unterscheidet zwischen heutzutage kaum mehr auftretenden Mangelerkrankungen und latenten Mangelzuständen, deren Häufigkeit in der heutigen Zeit stark zunimmt. MangelkrankheitenErst
im 18. Jahrhundert brachte der englische Arzt James Lind das Auftreten
der Krankheit Skorbut mit einem Vitamin-C-Defizit in Verbindung. Er
fand heraus, daß sich die Krankheitssymptome nach Verzehr von
Zitrusfrüchten deutlich besserten. Skorbut trat insbesondere
bei Seeleuten nach langen Seefahrten auf. Symptome waren unter anderem
Blutungen (in Haut, Muskulatur, Gelenken), Störungen der Herztätigkeit,
Zahnausfall, Schädigungen der Gefäße, Blutarmut, eine
geschwächte Muskulatur sowie Apathie (214).
Latente MangelzuständeIn den westlichen Ländern tritt heute kaum mehr ein klinisch manifester Skorbut auf. Von größerer Bedeutung sind in den Industrienationen jedoch latente, chronische Mangelzustände bezüglich Vitamin C (173). Formen
Der amerikanische Arzt und Vitamin-C-Forscher R. F. Cathcart beschreibt Zustände von Vitamin-C-Mangel nach Beobachtung von mehr als 9000 Patienten so: "Bei erheblichem Ascorbinmangel ist in zunehmendem Maß mit den folgenden Problemen zu rechnen: Durch die Schwächung des Immunsystems verursachte Störungen wie Sekundärinfektionen, rheumatoide Arthritis und andere Kollagenosen, allergische Reaktionen auf Medikamente, bestimmte Lebensmittel und andere Substanzen, chronische Infektionen wie Herpes oder Folgekrankheiten akuter Infektionen und Scharlach; Störungen der Blutgerinnung wie unstillbare Blutungen, Herzanfälle, Schlaganfall, Hämorrhoiden und andere Gefäßthrombosen; die Unfähigkeit, angemessen auf Streß zu reagieren, weil die Nebennierenfunktion gestört ist, Venenentzündung, andere durch Entzündungsprozesse hervorgerufene Störungen, Asthma und andere Allergien; Störungen bei der Kollagenbildung, wie schlechte Wundheilung, überschießende Narbenbildung, Wundliegen, Krampfadern, Eingeweidebruch, Dehnungsschäden, Runzelbildung, vielleicht sogar Abnutzungserscheinungen am Knorpel oder Degeneration der Bandscheiben; herabgesetzte Funktion des Nervensystems wie Abgespanntheit, erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Neigung zu Muskelkrämpfen und sogar psychische Störungen und Senilität; Krebs als Folge eines gestörten Immunsystems und verursacht durch nicht entgiftete Karzinogene usw. Ich behaupte nicht, daß der Ascorbinmangel die einzige Ursache dieser Störungen ist, ich weise aber darauf hin, daß Störungen dieser Systeme den Körper mit Sicherheit für diese Krankheiten prädisponieren würden und daß diese Systeme, wie man weiß, zur Erhaltung ihrer Funktionsfähigkeit Ascorbin brauchen." Er stellt weiter fest: ³Es besteht nicht nur die theoretische Wahrscheinlichkeit, daß diese mit Infektionen oder Streß in Verbindung stehenden Komplikationen das Ergebnis eines Ascorbinmangels sein können, sondern bei den Tausenden von Patienten, die mit oralen Toleranzdosen oder intravenös verabreichten Dosen von Ascorbin behandelt sind, ein auffallendes Zurückgehen in der erwarteten Häufigkeit solcher Komplikationen festzustellen war." (39) UrsacheMangelzustände an Vitamin C treten in der westlichen Welt in einem immer größeren Umfang auf. Die Gründe hierfür sind zahlreich, wobei folgende Faktoren eine Rolle spielen:
Zur
Erläuterung: Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben
gezeigt, daß der Begriff oxidativer Streß nicht nur
ein abstraktes Schlagwort ist, sondern ein potentiell krankmachendes
Prinzip in allen lebenden Organismen. Oxidativer Streß entsteht,
wenn die oxidierende Radikalbildung stärker ist, als der Körper
sie durch reduzierende, also radikalabfangende Maßnahmen kompensieren
kann, d.h. wenn der Schadstoffan- fall größer ist, als er
mit Hilfe von Mikronährstoffen ö wie Vitamin C, Ubichinon
Q10, Selen u.a. ö neutralisiert werden kann. In jeder Zelle unseres
Körpers findet ständig ein Wechselspiel zwischen "Pro-Oxidantien"
und "Anti-Oxidantien" statt. Überwiegen in bestimmten
Situationen, wie beispielsweise physischem oder psychischem Streß,
Krankheiten, Umweltbelastungen u.a. die "Pro-Oxidantien",
so werden vermehrt Freie Radikale gebildet. Die Folge: Oxidativer Streß!Um den Vitamin-C-Mangel in der Bevölkerung näher erfassen zu können, wurde auf Veranlassung der "Health Resources Administration", einer Abteilung des amerikanischen Gesundheitsministeriums, mit insgesamt 10.126 Personen eine Studie durchgeführt. Die Teilnehmer waren im Alter von 1-74 Jahren und kamen aus zehn unterschiedlichen Gebieten der USA. In der Studie wurde festgestellt, daß die Hälfte der untersuchten Personen täglich weniger als 57,9 mg Vitamin C zu sich nahm, ein weit unterhalb der empfohlenen Mengen liegender Wert (164). Eine neuere deutsche Studie verdeutlicht die Gefahr eines Mangels an Vitamin C noch mehr: Danach nimmt der Anteil an Menschen mit niedrigen Vitamin-C-Plasmakonzentrationen vom 18.-44. Lebensjahr bei beiden Geschlechtern deutlich zu. In den neuen Bundesländern erreichen nur 11 % der Männer und 14 % der Frauen die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. In einer Überprüfung einer großen Studie der Regierung der Vereinigten Staaten wurde aufgedeckt, daß Männer, die täglich 300-400 mg Vitamin C aufnahmen, im Vergleich zu denen, die weniger als 50 mg zuführten, eine Verminderung der Gesamtmortalität von 42 % zeigten. Dies beruhte insbesondere auf einen Rückgang der Herz- und Krebserkrankungen. Daraus ergab sich eine Erhöhung der Lebenserwartung von annähernd 6 Jahren (62).
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