Wie wirkt Vitamin C ?
Vitamin C als Aktivator des Immunsystems

Das Immunsystem hat die Aufgabe, gegen Krankheitserreger wie Bakterien und Viren, Krebszellen und andere schädigende Stoffe im Körper vorzugehen. Als Reaktion auf diese sogenannten Antigene bilden spezifische Abwehrzellen (Lymphozyten) des Körpers jeweils spezielle Antikörper (Immunglobuline), die den Kampf gegen die Antigene aufnehmen.

Freßzellen (Makrophagen) gehören hingegen zur unspezifischen Abwehr und verdauen alles, was körperfremd und schädigend ist, unter anderem auch Antigen-Antikörper-Verbindungen.

Verschiedene Kriterien zeigen, daß Vitamin C in direktem Zusammenhang mit den Abwehrfunktionen des Körpers steht (214):
Der Gehalt an Vitamin C ist in den Leukozyten (im Normalzustand) 10 - 40 mal höher als im Blut (156).
Die Konzentration von Ascorbat in den Leukozyten und im Plasma ist bereits bei banalen Infektionen erniedrigt.
Vitamin C kann die Schwere und Dauer von banalen Erkältungen reduzieren.
Die Phagozytose verbraucht Vitamin C.
Vitamin C steigert die Beweglichkeit und Aktivität der Abwehrzellen (Makrophagen bzw. Leukozyten), so daß sie schneller für Abwehrfunktionen bereitstehen (4), (83), (156).
Bei aktiven Freßzellen (Makrophagen) wurde beobachtet, daß der Vitamin-C-Gehalt um 40 % abfällt, was darauf hinweist, daß Abwehrfunktionen mit einem Vitamin-C-Verbrauch einhergehen (156).
Unter Vitamin-C-Zufuhr (1 g / Tag) wurde eine deutliche Zunahme von spezifischen Abwehrstoffen (Immunglobulinen) festgestellt (167), (198).

 

Eine Vitamin-C-Supplementierung kann:
die Chemotaxis der Leukozyten, insbesondere der Neutrophilen und deren Beweglichkeit
stimulieren;
die Phagozytose der Neutrophilen vermehren;
die Konzentration von Immunglobulinen verbessern;
die Konzentration von Komplement erhöhen;
die Serumkonzentration von Interferon in Reaktion auf Virusinfekte vermehren;
die Menge der Rhinoviren , die sich in humanen Zellkulturen vermehren, auf 1:40 senken; dies bei Zugabe von einem Vitamin-C-Äquivalent von 6-10 g täglich über 2 Tage;
in stimulierten Leukozyten reaktive Oxidantien abfangen (133). (Solche Oxidantien sind zwar zur Bekämpfung von inkorporierten Erregern notwendig. Sie müssen aber recht bald wieder neutralisiert werden, um einen überschüssigen oxidativen Streß, der zellschädigend wirken kann, zu verhindern. Andere wasserlösliche Antioxidantien sind z.B. Zystein, Glutathion und Harnsäure.)

Zur Erläuterung:

Am Mechanismus des Immunsystems sind bestimmte Moleküle beteiligt, vor allem Proteinmoleküle, die in den Körperflüssigkeiten und in bestimmten Zellen zu finden sind. Vitamin C ist sowohl an der Synthese vieler dieser Moleküle als auch an der Herstellung und dem richtigen Funktionieren der Zellen beteiligt. Antikörper (Immunglobuline) sind verhältnismäßig große Proteinmoleküle, von denen jedes aus etwa 15.000 bis 25.000 Atomen besteht. Ein Mensch kann etwa eine Million verschiedener Arten von Antikörpermolekülen herstellen. Jede Art ist fähig, eine besondere Gruppe von Atomen zu erkennen. Diese Gruppe sind die Haptene. Sie sind Bestandteile von Antigenen, also körperfeindlichen Molekülen. Die meisten Menschen erzeugen keine Antikörper, die sich mit den körpereigenen Haptenen vereinigen können. Personen, die das dennoch tun, leiden an einer Autoimmunkrankheit.

Die Haptene in einem Antigen stimulieren die Körperzellen, die die entsprechenden spezifischen Antikörper herstellen, um sich zu teilen und einen Klon, eine große, genetisch einheitliche Nachkommengruppe von Zellen, zu bilden. Diese neuen Zellen führen dem Blut die spezifischen Antikörper zu, wo sie sich mit den antigenen Molekülen oder Zellen verbinden und zu ihrer Zerstörung beitragen.

Wissenschaftliche Forschungsergebnisse haben gezeigt, daß die Aufnahme höherer Dosen Vitamin C zur Erzeugung einer größeren Zahl von Antikörpermolekülen führt. Über eine Vermehrung von Antikörpern der Typen IgG und IgM berichtet Vallance. Er hat Personen untersucht, die fast ein Jahr auf einer britischen Forschungsstation in der Antarktis isoliert waren und keinen Kontakt mit irgendwelchen neuen Infektionsquellen hatten, die durch eine Stimulation der Immunglobulin-Produktion einen Störfaktor bedeutet hätten (198).

In einer weiteren Studie haben Prinz et al. 25 gesunden männlichen Studenten je 1 g Vitamin C und 20 ähnlichen Versuchspersonen ein Placebo verabreicht. Nach 75 Tagen stellten sie bei den Personen, die Vitamin C bekommen hatten, im Serumspiegel eine deutliche Zunahme der Immunglobuline IgA, IgG und IgM fest (167).

IgA ist zusammen mit einigen Klassen IgM der am häufigsten vorkommende Antikörper. Alle drei Formen wirken antiviral und sind im Blut und der interstitiellen Körperflüssigkeit enthalten.

Bakterienzellen und bösartige Zellen, die von spezifischen Antikörpern, die sich mit ihnen verbinden, als körperfremd identifiziert worden sind, müssen, um sie unschädlich zu machen, mit bestimmten anderen Proteinmolekülen verbunden werden, dem im Blut vorhandenen Komplement. Es gibt Erkenntnisse, die darauf hinweisen, daß Vitamin C an der Synthese der C1 -Esterase, einer Komponente des Komplementsystems, beteiligt ist und daß die Menge dieser wichtigen Substanz mit der Erhöhung der Dosis dieses Vitamins zunimmt. Ohne die C1 -Esterase kann die ganze Reaktionskette nicht in Gang kommen, und die "Nichtselbst-Zellen" können nicht zerstört werden. Es besteht kein Zweifel daran, daß der Mensch das Vitamin C auch für die Synthese der C1 -Esterase braucht, weil diese Komponente des Komplements Proteinmoleküle enthält, die den Molekülen des Kollagens ähnlich sind. Von ihnen weiß man, daß sie für ihre Synthese ebenfalls Vitamin C benötigen.

Nachdem die körperfremden oder bösartigen Zellen identifiziert und für die Zerstörung markiert worden sind, werden sie von den Phagozyten, den "Freßzellen", welche die Polizeifunktion im ganzen Körper übernehmen, angegriffen und zerstört. Die Phagozyten sind verschiedene weiße Blutkörperchen im Blut und anderen Körperflüssigkeiten.

Leukozyten sind in großer Zahl z.B. im Eiter nachzuweisen, der sich in Geschwüren oder Wunden sammelt. Hier haben sie die Aufgabe eine Infektion zu bekämpfen.

Leukozyten, die in den Lymphdrüsen entstehen, werden als Lymphozyten bezeichnet Sie werden in der Lymphe - einer Aufschwemmung der Zellen in einer klaren gelblichen Flüssigkeit, die ähnlich wie das Blutplasma aussieht - durch die Lymphgefäße in den Blutkreislauf befördert. Die Lymphozyten scheinen die wichtigsten Phagozyten im Kampf gegen den Krebs und andere Krankheiten zu sein. Beobachtungen zeigten, daß ein Tumor oft mit Lymphozyten infiltriert ist, und heute betrachtet man ein hohes Maß an Lymphozyteninfiltration als zuverlässiges Anzeichen für einen günstigen Krankheitsverlauf.

Die bekannte Tatsache, daß Leukozyten nur dann ihre Aufgabe als Phagozyten übernehmen können, wenn sie verhältnismäßig viel Ascorbin enthalten, führten Ewan Cameron und Linus Pauling 1974 zu der Vermutung, daß hohe Dosen Vitamin C die Wirksamkeit der Lympho-zyten im Abwehrmechanismus gegen Krebs erhöhen. Diese Voraussage hat sich dann auch bestätigt.

Yonemoto et al. haben fünf gesunde Männer und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren untersucht, die zunächst eine niedrige Dosis Vitamin C bekamen. Ihnen wurden Blutproben entnommen, bei denen die Lymphozyten gezählt wurden. Dann wurde die Blastogenese - die Erzeugung neuer Lymphozytenzellen durch Knospung - gemessen, nachdem sie durch eine antigene Substanz, das Phytohämaglutinin, stimuliert worden war. Anschließend gaben sie jeder Versuchsperson an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils 5 g Vitamin C. Als nun das gleiche Meßverfah-ren angewendet wurde, zeigte sich, daß sich die Bildung neuer Lymphozyten in wenigen Tagen fast verdoppelt hatte (eine Zunahme von 83%), und diese Beschleunigung der Neubildung hielt noch eine weitere Woche an. Eine tägliche Dosis von 10 g an drei aufeinanderfolgenden Tagen hatte eine Verdreifachung der Neubildung von Lympho-zyten zur Folge, und bei einer Dosis von 18 g war es das Vierfache des ursprünglichen Wertes (210).

Diese Studie läßt kaum einen Zweifel daran, daß hohe Dosen Vitamin C bei Krebspatienten die Effektivität des Abwehrmechanismus im Körper, an dem Lymphozyten beteiligt sind, erhöhen und zu einer günstigeren Prognose für den an Krebs oder einer Infektionskrankheit leidenden Patienten führen.

Viele Forscher haben berichtet, daß eine Erhöhung der Vitamin-C-Dosen bei gesunden Versuchspersonen oder Patienten mit bestimmten Krankheiten zu einer erhöhten Beweglichkeit der Leukozyten und weiter dazu führt, daß sie rascher an den Infektionsherd gelangen. Weiter zeigt sich, daß Vitamin C, wenn die Leukozyten dort ankommen, ihre Kapazität als Phagozyten erhöhen (3).

Die Phagozytose ist der Vorgang, bei dem die Leukozyten bakterielle oder bösartige Zellen umschließen und zerstören, nachdem sie diese als körperfremd identifiziert und für die Zerstörung markiert haben. Der einzelne Leukozyt legt sich dabei um die körperfremde Zelle und "überwältigt" sie. Dazu braucht er Vitamin C.

Wissenschaftliche Forschungen haben schon vor längerer Zeit ergeben, daß Leukozyten nicht phagozytisch wirksam sind, wenn sie nicht genügend Ascorbin enthalten. Eine in neuerer Zeit in Schottland durchgeführte Studie hat gezeigt, daß Personen mit einer normalen schottischen Ernährung, die sich in einem guten Gesundheitszustand befanden, in ihren Leukozyten mehr Ascorbin hatten als für die phagozytische Aktivität notwendig war, daß jedoch der Vitamin-C-Gehalt schon am ersten Tag, nachdem sie sich mit einer Erkältungskrankheit infiziert hatten, auf die Hälfte dieses Wertes zurückging und die Werte mehrere Tage so niedrig blieben. Damit erhöhte sich ihre Anfällig-keit gegenüber sekundären bakteriellen Infektionen. Eine tägliche Dosis von 250 mg Ascorbinsäure genügte nicht, den Spiegel in den Leukozyten so hoch zu halten, wie dies für eine wirksame Phagozytose notwendig ist. Aber 1 g täglich plus 6 g täglich zu Beginn einer Erkältung genügten, um diesen wichtigen Schutzmechanismus funktionsfähig zu erhalten (105).