Aktuelles Thema BSE und Arzneimittel......
Die
Rinderkrankheit BSE, die auch das menschliche Gehirn angreift, hat
viele Unbehagen auslösende Aspekte. Der unklare Übertragungsweg
und die lange Zeit, die wahrscheinlich beim Menschen zwischen Infektion
und Ausbruch der Erkrankung verstreicht, macht die Suche nach den
Ansteckungswegen und Infektionsauslösern extrem schwierig. Zudem
ist der vermutete Erreger selbst nicht mit Keimen vergleichbar, die
sonst beim Menschen Infektionen hervorrufen. "Proteinaceous infectious
particles", kurz Prione, nannte der amerikanische Wissenschaftler
Stanley Prusiner die Eiweißteilchen, welche im Gehirn von Menschen
vorkommen, die an der bereits 1920 beschriebenen Creutzfeld-Jakob-Erkrankung
leiden. Prusiner erklärte die Proteine zum Erreger der Krankheit
und wurde dafür 1997 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.
Das
Unheimliche an den Prionen ist, daß sie sich von einem normalerweise
im Gehirn an der Oberfläche der Nervenzellen vorkommenden Einweiß
kaum unterscheiden. Die Zusammensetzung beider Proteine, also die
Abfolge der Aminosäuren, ist die gleiche. Der Unterschied besteht
lediglich in der verschieden ausgeformten räumlichen Gestalt.
Wie
kann sich ein Eiweiß,
das selbst kein lebendiger Erreger ist, vermehren? Auch dafür
gibt es eine Hypothese. Die Prione benötigen demnach dazu das
"normale" Protein. Trifft ein Prion auf das normale Protein, so verändert
dieses seine räumliche Anordnung in die krankmachende Form.
Der
Grat zwischen "gesund" und "krank" ist hier also sehr schmal, da es
nicht den aus der klassischen Infektiologie vertrauten äußeren
Feind in Gestalt eines fremden, lebendigen Erregers gibt.
Die
zahlreichen ungeklärten Fragen, die sich um BSE und ihren Erreger
ranken, führen zu einer Verunsicherung der Verbraucher bei allem,
was verzehrt wird. Davon sind Medikamente und Medizinprodukte nicht
ausgenommen. Etwas 70% aller in Deutschland erhältlichen Arzneimittel
enthalten Rinderbestandteile, teilte der Bundesverband der Pharmazeutischen
Industrie mit. Meistens beschränkt sich dies jedoch auf Hilfsstoffe
wie Gelatine, aus der viele Kapseln bestehen, Milchzucker oder fettartige
Substanzen. Für letztere dient häufig Rindertalg als Ausgangsmaterial.
Milchzucker stammt aus Kuhmilch, und Gelatine kann aus Rinderknochen
gewonnen werden.
Viele
dieser Rinderprodukte werden laut Bundesamt für Sera- und Impfstoffe
jedoch durch chemisch und biologisch aggressive Herstellungsverfahren
gewonnen. Dabei werden auch die BSE-Erreger abgebaut. Nach Angaben
des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie würden überdies
keine Rinder aus "Hochrisikoländern" verarbeitet.
Entnommen
der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 28. Januar 2001
