Blutdruck
Bei
"150 zu 110" zieht der Arzt die Augenbrauen hoch
Von Uwe Kreuzer
Aus der Taunus-Zeitung
Sprechstunde Gesundheit auf HR 4 "150 zu 110".
Da zieht der Arzt schon mal die
Augenbrauen hoch. Liegt so ein hoher Blutdruckwert nämlich ständig vor,
ist das für seinen Patienten gefährlich. Hypertoniker, so werden die
an Bluthochdruck Erkrankten genannt, neigen zu Schlaganfällen und zu
Infarkten. "Der zystoliche Druck ist bis zu einem Wert von 140, der
diastoliche bis 90 normal", erklärt Günther Linss. Der Kardiologe ist
Leitender Chefarzt des Krankenhauses Henningsdorf.
"Alles über diesen Werten gilt
nach internationalen Richtlinien als erhöht".
Die beiden Werte - systolischer und diastolischer
Druck - geben den Druck an, der beim Zusammenziehen und beim Erschlaffen
des Herzens in den Blutgefäßen herrscht. Der systolische Druck herrscht
während der Herzkontraktion, also wenn der Herzmuskel sich anspannt.
Während der Ruhepausse des Herzens kann dann der diastolische Druck
gemessen werden. Der ist immer niedriger als während der Kontraktion,
denn durch das Erschlaffen des Herzmuskels kommt es zu einem Druckabfall
in der Herzkammer und in den Blutgefäßen. In den Blutgefäßen ist der
Unterschied zwischen systolischem und diastolischem Wert allerdings
nicht so hoch wie in den Herzgefäßen. Die Adern sind nämlich in der
Lage, das Blut kurz zu speichern, zum Beispiel mittels der Venenklappen.
Sie verhindern einen plötzlichen Rücklauf des Blutes, wenn das Herz
gerade nicht "pumpt", und damit einen Druckabfall. Der systolische Druck
ist dagegen überall gleich hoch.
Nicht nur zu hoher Blutdruck, auch ein Blutunterdruck
kann zum Problem werden. Fällt der Blutdruck plötzlich ab, sei das ein
Zeichen dafür, "daß die Organe schlecht versorgt werden", sagt Günther
Linss. "Das ist ein klinisches Symptom, das bei vielen Krankheiten auftritt."
Durch Kreislaufstabilisierung und eventuelle Anwendung von Medikamenten
kann ein akuter Blutunterdruck gut behandelt werden.
Ein chronisch zu niedriger Blutdruck sei dagegen
für den Betroffenen meist nicht schädlich, beruhigt Linss alle Hypotoniker.
Dahinter steckt in fast allen Fällen "eine harmlose Regulationsstörung",
die mit Kreislauf und Stoffwechsel aber gut harmoniere. Eine Unterversorgung
der Organe mit Blut und Nährstoffen könne in der Regel ausgeschlossen
werden.
Um sich bei Betroffenen, vor allem Hypertoniker,
ein möglich objektives Bild von den Blutdruckwerten zu machen, muß mehrmals
am Tage gemessen werden. Denn zu verschiedenen Tageszeiten - abhängig
von körperlichen Anstrengungen, der Ernährung, der Schlafdosis und ähnlichen
Faktoren - sind die Werte total verschieden. Beim systolischen Wert
können Schwankungen von etwa 30, beim diastolischen zwischen 10 und
20 Einheiten verzeichnet werden. Der Blutdruck muß also über einen längeren
Zeitraum beobachtet werden, um den Wert am Ende erfolgreich und sicher
mitteln zu können. Mit einem speziellen tragbaren Gerät kann der Blutdruck
über 24 Stunden gemessen werden.
Das Ergebnis dient der Vorbereitung einer meist
medikamentösen Therapie. Wird die Arznei vom Patienten dann eingenommen,
kann er selbst den Erfolg der Anwendung kontrollieren: Zwei Mal am Tag
kann er mit einfach zu bedienenden Geräten seinen Blutdruck messen.
"Am besten sollte gemessen werden, wenn die Medikamente am stärksten
und wenn sie am schwächsten wirken", empfiehlt der Facharzt. Das bedeutet:
etwa vier Stunden nach der Einnahme, wenn die Arznei ihre volle Wirkung
entfaltet, und kurz vor der Einnahme, wenn der Wirkstoff abgebaut ist.
Für Blutdruckgesunde, so Linss, sei dieser Aufwand
nicht nötig. "Aber es ist durchaus sinnvoll, von Zeit zu Zeit den Blutdruck
messen zu lassen". Linss rät dazu, bei regelmäßigen Arztbesuchen, die
der Kontrolle dienen, auch immer den Blutdruck messen zu lassen."

|