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Antioxidantien bei ischämischen Herzerkrankungen
Die Rolle von Coenzym Q10, Vitamin C und Selen

IX

Studienergebnisse

Die Auswirkungen kurzer Ischämien auf das Herzmuskelgewebe mit anschließender Reperfusion sind eingehend untersucht worden. Folgen sind oft radikalische Schädigungen, die durch Antioxidantien wie Q10, Vit. C und Selen abgeschwächt bzw. verhindert werden können. Solche antioxidativen „Eingriffe" in Form einer Nahrungsergänzung sind sowohl in der Herzchirurgie (und auch in der allgemeinen Chirurgie) als auch bei ischämischen Herzerkrankungen angezeigt:

Verschiedene Studien zeigen, daß durch Vorbehandlung mit Antioxidantien

  • die Radikalenbildung reduziert werden kann.

Otani et al. (1984) wiesen an Mitochondrien von Kaninchenherzen nach, daß nach Ischämie und Reperfusion hohe Radikalspiegel in Verbindung mit reduziertem Q10-Gehalt vorlagen.

Rossi et al. (1991) (28) stellten in ihrer Studie an 20 Patienten mit ischämischen Herzerkrankungen fest, daß der Q10-Gehalt des Plasmas in direktem Zusammenhang mit der Bildung von Lipidperoxidationsprodukten (Verbindungen von Radikalen mit Fettbestandteilen der Zellmembran) steht. Nach Anhebung der Q10-Spiegel durch Gabe von 200 mg Q10 pro Tag als Nahrungsergänzung sank die Lipidperoxidation signifikant ab (Abb.8). Als Maß für die Bildung von Lipidperoxidationsprodukten wird der sogenannte MDH-Gehalt (Malondialdehydgehalt) im Blut bestimmt.

Plasma_Gehalt_von_Q10

Abb.8: Plasmagehalt von Q 10 und Malondialdehyd (nach Rossi et al. 1991) (28)
(MDH-Wert dient dem Nachweis von Lipidperoxidationsprodukten)

Ferrara et al. (1995) (12) untersuchten an insgesamt 12 Rattenherzen den Einfluß von Q10 auf die Auswirkungen eines oxidativen Stresses: 6 Tiere erhielten vier Wochen lang Q10 (5 mg/kg/Tag), während 6 Tiere der Kontrollgruppe nur Placebo bekamen. Im Anschluß wurde an den isolierten durchbluteten Ratten herzen durch H2O2-Injektionen oxidativer Stress induziert. Die Konzentrationvon oxidiertem Glutathion, ein Marker für oxidativen Stress, wurde daraufhin bestimmt. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war signifikant: In der Kontrollgruppe betrug die Glutathionkonzentration durchschnittlich 450,2 nmol/g Körpergewicht; in der mit Q10 behandelten Gruppe 89,6 nmol/g Körpergewicht.

  • A
    A) Die durch eine Reperfusion verursachten Kontraktilitätsstörungen am Herzen deutlich vermindert werden können.
  • B) In einem Tiermodell an Schweinen zeigten Atar et al. (1993) in einer Doppelblindstudie, daß Kontraktilitätsstörungen am Herzen nach Ischämie und Reperfusion durch vorherige 20tägige Q10 Einnahmen (2x200 mg/Tag) deutlich vermindert werden konnten (Abb.9). Die Wiedererholungszeit des Herzmuskels (Stunningtime) betrug im Mittel 33 Minuten ohne zusätzliche Gabe von Q10 und nur 20 Minuten mit Q10. Die Erholung setzte mit Q10 sogar schon nach 10 Minuten ein, während ohne Q10 annähernd 30 Minuten vergingen.

Die Ergebnisse von Atar et.al. (1). zeigen, daß Q10 die Wiedererholungszeit nach Ischämie und Reperfusion um ein Drittel verkürzen kann. Dieses Ergebnis ist in sofern bedeutend, als irreversible Schädigungen des Herzmuskelgewebes um so eher zu erwarten sind, je länger die Wiedererholungszeit nach ischämischer Re- perfusion andauert.

Wiedererholungszeit des Herzens während Repersusion

Abb.9: Herzmuskelkontraktilität (Best. anhand der Herzmuskelverdickung) während der Reperfusion von Tieren, die mit Q10 vorbehandelt wurden (N=6) im Vergleich zur Placebo-Kontrollgruppe (N= 6)
(nach Atar et al. 1993) (1)

Yokoyama, Whitman et al. (1996) untersuchten den Einfluß von Q10 an Rattenherzen nach ischämischer Reperfusion. Die Autoren stellten im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Q10 bei Rattenherzen mit Q10 eine deutlich verbesserte Muskelaktivität fest. Ferrara et al. 1995 (12) konnten in ihrer Untersuchung an Rattenherzen (s.v.) zeigen, daß in der mit Q10 behandelten Gruppe die Herzfunktionen nach induziertem oxidativem Streß deutlich bessere Werte aufwiesen als in der Placebogruppe.

Judy et al. (1993) (18) stellten bei Herzoperationen am Patienten die positive Auswirkung einer zusätzlichen Verabreichung von Q10 fest. 10 Patienten erhielten das Nahrungsergänzungsmittel Q10 in einem Zeitraum von 14 Tagen vor und 30 Tagen nach einer Operation am Herzen. Schon während der Operation war die Herzfunktion signifikant verbessert gegenüber der Kontrollgruppe aus 10 Patienten. Die Autoren stellten einen höheren ATP-Wert und eine höhere Q10 Konzentration in der Gruppe, die Q10 erhielt, fest. Q10 ist somit wesentlicher Energie- und Schutzfaktor für das Herz.

  • C) vaskulären Schädigungen vorbeugen

Yokoyama, Whitman et al. (1996) (32) untersuchten an Rattenherzen den Einfluß von Q10 nach Ischämie und Reperfusion. Die Autoren zeigten, daß Q10 die Membranelastizität aufrecht erhält, die Erweiterung von Koronargefäßen unterstützt und somit vaskulären Schädigungen vorbeugt.

Herzog et al.(1995) (17) stellten in diesem Zusammenhang an Schweinen fest, daß Q10 einer Thrombozytenaggregation (Anhäufung von Blutplättchen entgegenWirkt und so einer Gefäßverengung vorbeugt.Landi et al. (1987) (22) wiesen nach, daß Q10 „antiatherogen" wirkt: Es verhindert die Oxidation der Lipoproteine geringer Dichte (LDL); oxidierte LDL sind beteiligt an der Bildung arteriosklerotischer Veränderungen, indem sie Blutplättchen und verschiedene Zellen des Abwehrsystems anlocken, die eine sogenannte Plaquebildung bewirken. Plaques tragen zur Entwicklung von Atherosklerose bei.

D) die postoperative Phase kürzer und unkomplizierter verläuft

Judy et al. (1993) (18) stellten bei Herzoperationen am Patienten die positive Auswirkung einer zusätzlichen Verabreichung von Q10 bezüglich der postoperativen Genese fest. 10 Patienten erhielten Q10 in einem Zeitraum zwischen 14 Tage vor und 30 Tage nach einer Operation am Herzen. Die postoperative Phase war kurz (3-5 Tage) und unkompliziert, während sie in der Placebogruppe 15-30 Tage andauerte und kompliziert war. Der Q10-Gehalt und der ATP-Gehalt der Herzmuskulatur war in der mit Q10 behandelten Gruppe höher als in der Kontrollgruppe. Aus den Ergebnissen schließen die Autoren, daß Q10 ein wesentlicher Schutzfaktor für die Herzmuskulatur ist.

Klinisch wurden diese eindrucksvolle Verkürzung der Wiedererholungszeit des Herzens nach Reperfusion und die schnellere postoperative Genese auch von Prof. Willson, Eisenhower Hospital, Palm Springs (1994), bestätigt: "Wir operierten und waren erstaunt, wie schnell wir nach Einleitung der Reperfusion weiter operieren können und wie merklich wir die Hospitalisierungsphase verkürzen können. Entscheidend dabei ist jedoch eine hohe Dosierung von Q10 (180-240 mg) und eine ausreichende Vorbehandlungsdauer (2-4 Wochen)."

Am meisten gewinnt der Patient durch eine solche METOX-Vorbehandlung: das Operationsrisiko vermindert sich für ihn, seine Wiedergenesung verläuft meist wesentlich schneller.

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