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Ruscani et al. (25)
untersuchten an 10 Patienten den Q10 Gehalt der Haut. Die Autoren
entnahmen pro Patient zwei Proben: eine Gewebeprobe einer sonnengeschützten
Hautstelle und eine Probe von sonnenexponierter Haut. Während
der Q10 Gehalt zwischen den einzelnen Patienten sehr variabel ist,
kann bezogen auf jeden einzelnen Patienten ein signifikanter Unterschied
im Q10 Gehalt zwischen beiden Hautproben festgestellt werden. Der
Q10 Gehalt der sonnenausgesetzten Hautprobe ist signifikant höher
als der der geschützten Haut.
Dieses Ergebnis verdeutlicht, daß Q10 im Körper frei mobilisierbar ist und sich in den Geweben konzentriert, wo es vermehrt benötigt wird, beispielsweise für Abwehrfunktionen und Repairmechanismen. Am Tiermodell (N=80 Ratten) wiesen Daneryd et al. (9) nach, daß der Gehalt in der Skelettmuskulatur (im musculus tibialis) bei Ratten mit Tumoren in der Gruppe, die sich körperlich weitaus mehr bewegte im Vergleich zu der Tiergruppe mit beschränkter Bewegungsfreiheit signifikant erhöht war. Dieses Ergebnis interpretieren die Autoren wie folgt: Körperliche Bewegung führt zu einer erhöhten Stoffwechselrate und somit zu einem Anstieg der antioxidativen Kapazität speziell in der Skelettmuskulatur. Hierdurch wird das Abwehrsystem aktiviert. Für diese Erklärung spricht, daß das Tumorgewicht bei den Ratten mit mehr körperlicher Bewegung deutlich niedriger ist als in der Tumor-Vergleichsgruppe. Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie läßt sich ein Zusammenhang zwischen Q10 Gehalt im Körper und Aktivierung des Immunsystems annehmen. Auch dieses Studienergebnis weist auf die freie Mobilisierbarkeit von Q10 im Körper hin. Bei den Ratten mit mehr körperlicher Bewegung ist der Q10-Gehalt in der Skelettmuskulatur deutlich erhöht, während der Q10 Gehalt im Herzmuskelgewebe bei diesen Tieren entsprechend erniedrigt ist. Die stärkere körperliche Bewegung geht mit einer vermehrten Radikalbildung speziell in der Skelettmuskulatur einher. Der Körper begegnet dieser oxidativen Belastung, indem er Antioxidantien und hier speziell Q10 mobilisiert, um direkt an Ort und Stelle Radikale abzufangen. Hierfür wird ein stark erniedrigter Q10 Spiegel in den übrigen Geweben, beispielsweise in der Herzmuskulatur, in Kauf genommen. Diesem Defizit kann durch zusätzliche Verzehrung von Q10 erfolgreich begegnet werden. Bliznakov et al. (5) initierten bei Mäusen mittels krebserregender Substanzen Tumoren. Die Mäuse wurden zwei Gruppen zugeteilt: Mäuse, die Q10 erhielten und solche ohne Q10 Gabe. Die Autoren ermittelten die Häufigkeit einer Tumorausbildung, die Tumorgröße und die Sterblichkeitsrate in beiden Gruppen. Tabelle 1 zeigt die Unterschiede zwischen den Gruppen im einzelnen. Tabelle 1: Einfluß von Q10 bei Mäusen mit Tumoren (nach Bliznakov et al.) Einfluß von Q10 bei Tumorbildung
Unterschiede ergaben sich auch bei der erreichten Tumorgröße:
Die Mortalität unterschied sich auch eindrucksvoll:
Verschiedene experimentelle Studien (10, 11, 12) zeigen, daß bei Krebskranken die Q10 Spiegel deutlich erniedrigt sind. Folkers et al. (10) führten eine Studie an 83 Krebspatienten durch, die an 8 unterschiedlichen Krebsarten erkrankt waren. Insbesondere bei Brustkrebspatientinnen läßt sich ein hohes Q10 Defizit im Blut nachweisen, gefolgt von Lungenkrebspatienten. Bislang durchgeführte Untersuchungen bestätigen, daß durch die Verabreichung von Q10 positiv auf den Krankheitsverlauf Einfluß genommen werden kann. Nach zusätzlicher Q10 Zuführung steigt der Lymphozytengehalt und der Immunglobulin G-Gehalt des Blutes bei Krebspatienten (12). Eine Reihe von Studien zeigt, daß die klinischen Symptome von Tumorkranken durch Q10 Gaben deutlich reduziert werden können. In einigen Fällen konnte unter Behandlung von Q10 eine Rückbildung des Tumors beobachtet werden (11). Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen diesen positiven klinischen Ergebnissen bei Krebspatienten unter der Behandlung von Q10 und der zentralen Aufgaben von Q10 in der Zelle. Neben seiner antioxidativen Fähigkeit spielt Q10 als Coenzym der Atmungskette in den Mitochondrien eine wesentliche Rolle bei der Energiegewinnung in Form von ATP. ATP ist wesentlichster Energielieferant des Körpers. Über eine Mobilisierung dieser Energiereserven kann auch das körpereigene Abwehrsystem aktiviert werden, dem bei der Bekämpfung von Krebs zentrale Bedeutung zukommt (6), (21). In Tiermodellen konnte nachgewiesen werden, daß Q10 ein Makrophagen-aktivierender Faktor ist - somit das unspezifische Immunsystem positiv beeinflußt (13). An Patienten wurde festgestellt, daß unter Q10 Gabe der Ig G Spiegel erhöht ist (12). Dies spricht dafür, daß Q10 auch das spezifische Abwehrsystem des Menschen aktivieren kann. Der positive energetische Einfluß von Q10 auf gesunde Zellen läßt sich bei Tumorzellen nicht beobachten. Der Grund hierfür könnte darin zu sehen sein, daß in Tumorzellen das Enzym Katalase fehlt. Dieses Enzym baut in normalen Zellen H2O2-Verbindungen ab. H2O2 fällt bei der Energiegewinnung der Zelle vermehrt an und muß aufgrund seiner zellschädigenden Wirkung reduziert werden. Als Hypothese wird angenommen, daß Tumorzellen unter Q10 Gabe zwar auch vermehrt Energie bilden, sich aber im Zuge dieser Energiebildung H2O2 in der Zelle anreichert, was wiederum für die Zelle tödlich ist, da Katalase als Reduktionsmittel fehlt. Neuere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, daß Q10 auch im Golgi-Apparat vorkommt und hier die Vesikelproduktion positiv beeinflußt (6). Es werden im Golgi-Apparat verschiedenste Produkte für den Transport durch die Zelle verpackt, wie Enzyme oder Signalstoffe. Q10 könnte auch in diesem Zusammenhang einen Effekt auf Tumorzellen ausüben, allerdings sind hier noch weitere Untersuchungen notwendig. Aufgrund der Tatsache, daß Q10 in allen Zellmembranen nachgewiesen werden konnte (6), wird auch ein Zusammenhang zwischen Q10 und den membranalen Proteinen angenommen. Hier sind zwei Wirkmechanismen denkbar:
Auch dieser Aspekt könnte in der Onkologie Bedeutung haben: Ein wesentliches Merkmal von Krebszellen in Kultur ist, daß ihre Zellkontakte gestört sind und keine Kontaktinhibition mehr vorliegt. Die Zellen wachsen hier im Unterschied zu anderen Zellen in Kultur übereinander, d.h. in vielen Schichten ohne sich gegenseitig in ihrem Wachstum zu hemmen. Weitere Untersuchungen eines möglichen Einflusses von Q10 in diesem System wäre auch in diesem Zusammenhang interessant.
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