Coenzym Q10 bei Stauungsinsuffizienz und Herz-Muskel-Erkrankungen

Q10-Mangel als Ursache

II

Wie durch Myokardbiopsien (Gewebeentnahmen am Herzmuskel) dokumentiert wurde (Prof. Folkers et al., 1985), ist ein Q10 Mangel bei Herzpatienten weitgehend üblich. Da das Herz sehr stoffwechselaktiv ist und ständig ATP (Lieferant und Speicher der Zellenergie; wird für energiebedürftige Prozesse in der Zelle verbraucht und u.a. mit Hilfe von Q10 aus der Nahrung wieder aufgebaut) braucht, um zu schlagen, verbraucht es auch sehr viel Q10. Der Herzmuskel ist gleichzeitig die Hauptbedarfsquelle des Körpers für CoQ10, einem für die Behandlung von Herzkrankheiten vielversprechenden Nährstoff.

Forscher stellten einen erhöhten Q10 Mangel bei Patienten mit verschiedenen Herzkrankheiten und auch bei solchen, die gerade eine Bypassoperation hinter sich hatten, fest. Viele waren sogenannte ‘Klasse IV Patienten’.

Nach der New York Heart Association (NYHA) unterscheidet man zwischen vier Klassen von Herzpatienten: Bei der ersten Klasse stellen sich durch normale körperliche Belastungen keine Beschwerden ein. Patienten der Klasse II fühlen sich im Ruhezustand wohl, normale körperliche Aktivitäten führen aber zu Symptomen wie Erschöpfung, Herzklopfen, Kurzatmigkeit und Angina, über welche Patienten der Klasse III schon bei geringer physischer Belastung klagen. Klasse IV Patienten klagen sogar im Ruhezustand über die beschriebenen Symptome.

Es besteht eine starke Wechselbeziehung zwischen niedrigem Q10 Blut- und Q10 Gewebespiegel und der Heftigkeit von Herzstörungen jeder Art. Bewiesen ist, daß durch eine Zugabe von Q10 die Aktivität des Herzens verbessert, ein Krankenhausaufenthalt sogar verkürzt und die Lebensqualität entscheidend erhöht werden kann.

Die folgende Tabelle zeigt den großen Variantenreichtum beim Einsatz von Q10 in der klinischen Medizin.

Angina pectoris
unsichere Angina - Syndrome
Vorsorgemaßnahmen bei Herzmuskelerkrankungen
Stauungsinsuffizienz, diastolische Dysfunktion
Kardiotoxizität durch Adriamycin, (Form eines Chemotherapeutikums)
Bluthochdruck
Herzkammerarrhythmie (Rhythmusstörungen)
Mitralklappenprolaps (eine meist symptomlose Herzerkrankung)
Schutz vor LDL - Oxidation (LDL = low density lipoproteins; Lipoproteine sind aus Eiweiß bestehende Moleküle, die den Transport wasserunlöslicher Lipide [z.B. Cholesterin] im Blut garantieren.

Stauungsinsuffizienz

Sinatra (Q10-Forscher und Kardiologe) nennt die Behandlung von Herzmuskelerkrankungen einen seiner schlimmsten ‘Behandlungs-Alpträume’, da viele Patienten noch nicht einmal auf die höchstdosierten Medikamente ansprächen und andere die häufigen Nebenwirkungen nicht tolerieren könnten. Seine Erfahrung habe aber gezeigt, daß eine Kombination von konventionellen Mitteln (wie dem harntreibenden Diuretikum oder einer Digitalistherapie - einer Pflanze der Gattung Fingerhut) mit Mitteln wie Q10 eine Verbesserung bringt.

Die Vorteile von Q10 bei der Behandlung von Herzkrankheiten liegen u. a. in den folgenden Eigenschaften:

direkte Unterstützung von ATP in den Zellmitochondrien
stark oxidationshemmend
stabilisiert die Zellmembran

Diese Eigenschaften sind besonders wichtig für Patienten mit Stauungsinsuffizienz, bei welchen ein geringer Energieausstoß, oxidativer Streß und Herzrhythmusstörungen nachzuweisen sind.

Was ist Stauungsinsuffizienz?

Bei einer Stauungsinsuffizienz ist der Herzmuskel so schwach, daß er nicht mehr effektiv Blut in die verschiedensten Teile des Körpers transportieren kann. Patienten zeigen Erschöpfung und Kurzatmigkeit bei geringster Belastung. Es kann sich Flüssigkeit in der unteren Beinregion ansammeln oder in der Lunge stauen. Dies passiert, weil die Schlagkraft des Herzens von der Fähigkeit der Herzmuskelzellen abhängt, sich auszudehnen und zusammenzuziehen. Bei einer Stauungsinsuffizienz ist das Herz nicht stark genug, das Blut in den Körper zu pumpen, weshalb es zur Stauung kommt.

Die üblichsten Gründe für Stauungsinsuffizienz sind Erkrankungen der Koronararterien und Blockaden der Herzarterien, was zum Herzanfall führen kann. Andere Ursachen sind langanhaltender Bluthochdruck, toxische Drogen, Alkoholmißbrauch, Herzklappenfehler und verschiedene Viruserkrankungen.

Wieviel Q10 ist genug?

Die meisten klinischen Studien haben eine Tagesdosis an Q10 von 90 bis 150 mg täglich bestimmt, worauf aber nicht alle Patienten angesprochen haben.

Eine 1990 im American Journal of Cardiology veröffentlichte Studie, an der 126 Patienten im Alter zwischen 19 und 80 Jahren teilnahmen, die zu Beginn der Studie alle Medikamente gegen Herzbeschwerden nahmen, setzte die Tagesdosis auf 100 mg fest. Die Ejektionsfraktion (definiert die tatsächliche Herzauswurfleistung und liegt normalerweise bei etwa 65%) stieg von durchschnittlich 41% nach sechs Monaten auf 59% an. Genauere Einzeluntersuchungen zeigten, daß sich die Ejektionsfraktion bei 71% der Patienten schon nach drei Monaten verbesserte, bei weiteren 16% nach einem halben Jahr, bei 13% jedoch gar nicht.

Da hier jedoch keine Angaben über die Basiswerte an Q10-Gehalt im Körper gemacht wurden, läßt sich vermuten, daß die Dosis bei den Patienten, die erst spät oder überhaupt nicht auf die Therapie ansprachen, zu niedrig angesetzt war.

Die wohl größte Studie in diesem Zusammenhang wurde in Italien von E. Baggio et al. aufgestellt. An ihr nahmen 2.664 Personen teil. Sie erhielten über 90 Tage eine tägliche Dosis von 50-150 mg, wobei die Mehrheit von 78% 100 mg einnahm.

Bei 54% der Patienten konnten Verbesserungen bei wenigstens drei Symptomen festgestellt werden:

% der Verminderung Symptome

79
Ödeme
78
Lungenödeme
49
Lebervergrößerung
72
venöse Blutstauung
53
Kurzatmigkeit
75
Herzklopfen

 

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