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IX
Zur Gesamtfett-/feuchtigkeit
der Haut
Im wesentlichen sind es drei Faktoren,
die die Gesamtfett-/feuchtigkeit der Haut und damit den Hautzustand beeinflussen.
Es sind dies die Struktur der Hornschicht als auch die Zusammensetzung
der interzellulären Lipide und der Hydrolipidfilm (Wasser-Fett-Film
der Haut) mit dem natürlichen Feuchthaltefaktor (natural moisturizing
factor = NM-Faktor). Letzterer hat wiederum eine dreifache Funktion zu
erfüllen. Durch seine hygroskopische (wasseranziehende) Eigenschaft
nimmt er Feuchtigkeit in sich auf. Dadurch verringert er die Oberflächenspannung
der Haut. Zusätzlich reguliert er das normale Wasserabstoßungsvermögen
des Hornstoffs Keratin. Inhaltsstoffe der Hornschicht, wie der NMF und
die Hornschichtlipide vermögen Wasser auch in den Hornzellen zu binden.
Sie können geordnet reifen, bevor sie die Oberfläche verlassen
und abschilfern.
Eine gesunde Hornschicht vermittelt die
notwendige Barrierrefunktion. Darin liegt auch der starke Abfall des Wassergehaltes
der Hornschicht im Vergleich zur darunterliegenden Epidermis begründet.
Die Barrierefunktion wird vor allem durch Lipide verursacht, die zwischen
den Hornzellen eingelagert, aber auch mit der Hornhülle verbunden
sind. Schädigende Einwirkungen beeinflussen die Funktionsfähigkeit
der Barriere und den transepidermalen Wasserverlust.
Der Hydrolipidfilm setzt sich hauptsächlich
aus Lipiden des Talgdrüsensekrets, des Hornzellkitts, aus Schweiß
und durch die Oberhaut abgegebenem Wasser zusammen.
Abhängigkeiten
Eine gesunde Haut ist von den Ausscheidungen
der Haut in ihrem Fett- und Feuchtigkeitsgehalt abhängig. Da sind
zunächst einmal die Talgdrüsen zu nennen. Sie sind über
den ganzen Körper verteilt und gruppieren sich meist zu drei bis
fünf Drüsen um das Haar und münden dann als Einheit mit
dem Haar in den Follikel. Die Größe der Talgdrüsen ist
unterschiedlich; besonders ausgeprägt sind sie im Gesicht, auf der
Stirn, auf der Brust und auf dem Rücken. An ihrer Basis haben sie
eine Keimzellenschicht, die man Mutterzellen nennt. Sie entwickeln sich
wie normale Tochterzellen, d.h. sie verdoppeln und teilen sich. Die Tochterzellen
nehmen in größerem Ausmaß Fett in sich auf, sind aber
auch in der Lage, die Lipide selbst zu synthetisieren. Im Gegenzug geben
sie Zellflüssigkeit ab. Durch das Anwachsen der Fetteinlagerung drückt
der Zellkern immer mehr an die Zellmembran um dort schließlich mit
der gesamten Zelle abzusterben. Die Zellmembran löst sich auf und
der Hauttalg wird auf die Oberhaut gedrückt. Dort hat er die Funktion,
die Oberhaut geschmeidig zu erhalten und sie vor Austrocknung zu schützen.
Nach einer gründlichen Entfettung
der Haut wird die Talgproduktion stark angeregt. Es dauert in der Regel
3 - 6 Stunden, bis der ursprüngliche Fettfilm wiederhergestellt ist.
Ein vegetatives Rückkoppelungssystem bremst dann den Talgfluss ab.
Dies gilt für die normale Haut. Bei der seborrhoischen Haut versagt
dieser Automatismus und dadurch kommt es dann u.a. zur Komedobildung (Mitesser).
In der Pubertät ist die Talgbildung
normalerweise am höchsten; mit zunehmendem Alter nimmt sie dann ab.
Die Häufigkeit der Zellvermehrung wird von dem weiblichen und männlichen
Keimdrüsenhormon gesteuert, das damit wiederum für die Zellvermehrung
des Talgdrüsenepithels verantwortlich ist.

Hauttalg
Das Hautfett besteht im wesentlichen aus
Phospholipoiden, Sterinen, Provitamin D3, Cholesterin, freien und veresterten
Fettsäuren und einem unverseifbaren Teil und wird auf der Oberfläche
der Epidermis und Hornschicht gespeichert. Für die Wasseraufnahmefähigkeit
und die Wasserdurchlässigkeit der Haut spielt die biologische und
physiologische Zusammensetzung des Hauttalgs eine wichtige Rolle.
Welche Aufgaben hat nun der Hauttalg zu
erfüllen? Zum einen verhindert der Hauttalg eine zu starke Durchfeuchtung
der Haut. Dadurch wird sie vor atmosphärischen Schädigungen
geschützt. Zum anderen soll er dazu beitragen, die Eintrocknung der
Haut zu verhindern, indem er die natürliche Abdunstung der Haut einschränkt.
Ohne den Schutz des Talgfilms würde die Haut schnell trocken, schuppig
und gereizt aussehen.
Neben dem Hauttalg sind auch die Hornschichtlipide
an der Regelung des peripheren Wasserhaushaltes der Haut beteiligt. Ihre
Aufgabe ist es, die Hornschicht vor einer Auslaugung zu bewahren.
Der Hauttalg hat aber nicht nur eine Schutzfunktion,
sondern er wirkt auch durch seine Fähigkeit, von außen zugeführte
Stoffe zu verteilen und aufzulösen. Das geschieht teilweise indirekt
durch seinen Gehalt an emulgierend wirkenden Stoffen.
Wie Untersuchungen ergeben haben, ist
auch bei trockener, feuchtigkeitsarmer Haut die Talgproduktion der Talgdrüsen
nicht sonderlich vermindert. Dennoch kann die veränderte Oberflächengestaltung
zur verminderten Lipidspreitung des Hauttalgs führen, so daß
der Lipidfilm der Hautoberfläche nicht voll wirksam werden kann.
(Anm.: Spreitung ist die bei langkettigen organischen Molekülen zu
beobachtende Eigenschaft, sich auf der Oberfläche von Wasser zu einzelnen
nicht mehr zusammenhängenden Molekülen aufzulösen.) Die
Spreitung des Talgs ist auch abhängig von dem Gehalt an emulgierenden
und benetzungsfördernden Stoffen und auch von der Intensität
der Feuchtigkeitszufuhr durch die Schweißsekretion. Wir sehen also,
daß bei der Regulierung des Gesamtfeuchtigkeitsgehalts der Haut
auch die Schweißdrüsen eine wichtige Rolle spielen.
Die Bestandteile des Sebums und des Schweißes
wirken miteinander. Die Komponenten der veresterten und freien Fettsäuren,
der Wachse und Sterine, der emulgierenden, hygroskopischen und benetzungsfördernden
Stoffe, zusammen mit den Salzen, dem Harnstoff, der Harnsäure, dem
Allantoin und den Aminosäuren, sind im Idealfall fein aufeinander
abgestimmt. Das Zusammenwirken ist ausschlaggebend für den Fettgehalt
und den Feuchtigkeitsgrad der Haut und damit auch für die Wasseraufnahme
und die Wasserabgabe. Die Permeation, Adsorption und Resorption von Wirkstoffen
ist abhängig von einem harmonischen Zusammenwirken der dargestellten
Komponenten.
Grundsätzlich ist noch ergänzend
festzuhalten: Der Wasser-Fett-Mantel der Haut ist nicht immer gleich zusammengesetzt.
Individuell kann einer der Anteile überwiegen. Ist der Wasseranteil
gering und die Talgabsonderung stark, wird wenig Wasser von viel Fett
eingeschlossen und man spricht von einer Wasser-in-Öl-Emulsion (W/O-Thypus).
Äußeres Zeichen ist eine fettglänzende Haut. Bei der Öl-in-Wasser-Emulsion
(O/W-Typus) ist der Fettanteil und insbesondere auch der Anteil an feuchtigkeitshaltenden
Substanzen vermindert. Hier finden wir als äußeres Zeichen
trockene, schuppende Haut.
Nun sind es nicht nur die sich in der
Haut abspielenden Vorgänge, die den Feuchtigkeitsgehalt der Haut
bestimmen. Feuchtigkeitsverlust wird auch durch niedrige Luftfeuchte,
zum Beispiel im Winter, durch Hitze, Wind, Seewasser, durch heiße
Bäder oder Reinigungsmittel verursacht. Unter den genannten Bedingungen
wird das interzelluläre Lipidfeld, das weitgehend aus Ceramiden,
Cholesterin und freien Fettsäuren besteht, so verändert, daß
eine vermehrte Abdunstung bei reduzierter Wasserbindungsfähigkeit
möglich wird. Im Winter führt die trockene Luft zusätzlich
zu einer Erstarrung der physiologischen Lipidfluidität, wodurch die
Feuchtigkeitsregulation auch negativ beeinflußt wird.


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