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VII
Die Haut als...
.......als Speicherorgan
Die Haut ist aber auch Speicherorgan.
Neben Flüssigkeit, Salzen, Kochsalz und Zucker kann der Mensch im
Fettgewebe der Subkutis, also dem Unterhautzellgewebe, bis zu 15 kg Fett
speichern. Das Fett hat die Aufgabe, den Körper gegen mechanische
und physikalische Schädigungen zu schützen. Gleichzeitig ist
sie damit Fettreservoir.
.......als Wärmeregler
Das Wärme- und Kälteempfinden der Haut
wird über sogenannte Wärme- und Kältepunkte gesteuert,
die in die Haut eingelagert sind. Man weiß, daß es etwa die
zehnfache Menge der Wärmepunkte an Kältepunkten gibt. Dies erklärt
auch, warum sich eine kalte Hautstelle auch leichter lokalisieren läßt
als eine warme. Die Wärmerezeptoren sind bis zu zwei Millimeter tief
in die Lederhaut eingebettet, während die Kälterezeptoren ganz
dicht unter der Oberhaut angesiedelt sind. Hierin erklärt sich auch
die Tatsache, daß beleibte Menschen tiefe Temperaturen als ebenso
kalt empfinden als weniger beleibte. Ihre isolierende Fettschicht ist
erst im tiefer liegenden Unterhautzellgewebe gespeichert.
Bei der Wärmeregelung selbst zieht sich die
Haut in der Kälte zusammen. Dabei wird Talg ausgepreßt. Beide
Funktionen, also das Zusammenziehen der Haut und die damit einhergehende
Einfettung durch austretenden Talg, verhindern einen Verlust an Wärme.
Ist die Wärmeeinwirkung hingegen stark, dehnt sich die Haut aus;
die Gefäße erweitern sich also. Gleichzeitig werden die Schweißdrüsen
tätig. Die Verdunstungskühle des Schweißes vermindert
die äußere Körpertemperatur. Ein notwendiger Ausgleich
gegen eine Überhitzung des Körpers wird so geschaffen.
Diese stark vereinfachte Darstellung der Wärme-/Kälteregulierung
provoziert die Frage, wie der gesunde Körper es schafft, die Körpertemperatur
konstant bei 37 Grad zu halten?
Dabei spielen die oben bereits genannten Wärme-/Kältepunkte,
auch Thermorezeptoren genannt, als Temperaturfühler in Zusammenarbeit
mit dem Thermostat des Körpers die entscheidende Rolle. Dieser Thermostat
sitzt im Kopf und ist das Zentrum der Temperaturregulation im Zwischenhirn.
Hier werden die Meldungen der Wärme-/Kältepunkte eingespeist
und von diesem Thermostaten wird auch die Bluttemperatur gemessen. Werden
hier Abweichungen von der Norm festgestellt, wird das Kreislaufsystem
zu Gegenmaßnahmen veranlaßt. Bei erhöhter Körpertemperatur
erweitern sich die Arterien in der Haut. Es kann mehr Blut hindurchfließen
und mehr Wärme nach außen abstrahlen. Reicht das nicht zur
Regulierung aus, werden zusätzlich die arteriovenösen Anastomosen
"zugeschaltet". Es sind dies Geflechte aus kleinen Arterien
und Venen in der Haut, durch die im Normalfall nur etwa 100 Milliliter
Blut per Quadratmeter fließen können. Öffnen und erweitern
sie sich, können durch die gleiche Fläche etwa 2 Liter Blut
fließen. Dadurch kann entsprechend mehr Wärme abgestrahlt werden.
Sinkt hingegen die Temperatur im Körperinnern zu stark, ziehen sich
die Arterien zusammen, so daß die Durchblutung vermindert wird und
weniger Wärme abgegeben wird.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, werden
vom Regulationszentrum im Zwischenhirn andere Mechanismen in Kraft gesetzt.
Bei Kälte kommt es im Körper zu unwillkürlichen Bewegungen
der Skelettmuskulatur; der Mensch beginnt zu zittern. Der Grundumsatz
wird erhöht und die Wärmeproduktion des Körpers erheblich
gesteigert. Bei großer Hitze wird die Tätigkeit der Schweißdrüsen
angeregt. Die Verdunstung des Schweißes bringt dem Körper,
wie bereits dargestellt, Kühlung. Mehr als 2 Millionen Schweißdrüsen
sind gegebenenfalls hier beteiligt.
.......als Absonderungsorgan

Die Ausscheidung des Schweißes entlastet
die Tätigkeit der Nieren und viele körperfremde Stoffe werden
mit ausgeschieden. Die Schweißabsonderung entzieht dem Körper
auch Kalorien. Es wurde festgestellt, daß es exakt 580 Kalorien
pro Liter Schweiß sind. Der Schweiß selbst besteht zu 99 Prozent
aus Wasser. Den Rest machen Mineralstoffe wie Natrium, Chlor und Kalium
aus. Hinzu kommen einige organische Substanzen, von denen Harnstoff und
Milchsäure besonders zu erwähnen sind.
Der Schweiß selbst ist geruchlos. Erst wenn
Bakterien Substanzen des Schweißes auf der Haut zersetzen, entsteht
Körpergeruch, der individuell von Mensch zu Mensch verschieden ist.
Wird bei großer Hitze zu viel Schweiß
abgesondert, kann es durch den Verlust von Mineralstoffen zu Mangelerscheinungen
kommen. Weil dem Nerven- und Kreislaufsystem dann Natrium fehlt, kommt
es zu Müdigkeit verbunden mit Antriebsschwäche, Kopfschmerzen
oder sogar Muskelkrämpfen.
An einem zweiten Absonderungsprozeß des Körpers
sind die Talgdrüsen beteiligt. Der von ihnen gebildete Hauttalg fettet
die Oberhaut ein und hält sie damit geschmeidig. Außerdem wird
so die Haut vor Austrocknung geschützt. Zusätzlich wird durch
die Haut etwa 4 - 5 Prozent Kohlendioxyd ausgeschieden. Der weitaus überwiegende
Teil der Ausscheidung von Kohlendioxyd erfolgt über Atmung.
.......als Aufnahmeorgan
Eine weitere Funktion der Haut ist die eines Aufnahmeorgans.
Hierbei muß man die Konstitution der jeweiligen Stoffe unterscheiden.
Fettlösliche Stoffe durchdringen in Emulsionsform die Oberhaut leicht.
Dies gilt auch für gasförmige Substanzen.
Die Funktion als Aufnahmeorgan nutzt auch die Medizin
immer mehr. Denken sie nur an die transdermalen therapeutischen Systeme.
Das sind Pflaster, die auf die Haut geklebt werden und aus denen gleichmäßig
der Wirkstoff durch die Haut sickern und vom Blut weiter transportiert
werden kann. Dazu sind allerdings nur Substanzen mit guter Fettlöslichkeit
und geringem Molekulargewicht geeignet.
Wasser hingegen läßt die Haut nur oberflächlich
quellen. Vom gesamten Sauerstoffbedarf des Körpers nimmt die Haut
nur etwa 1 Prozent auf. Dadurch sind die Zellen der Epidermis von einer
Sauerstoffzufuhr über die Gefäße von innen heraus zum
Teil unäbhängig.
Ein anderes Transportmittel für Wirkstoffe
sind die Liposomen, deren Funktionsweise an anderer Stelle dieser Schrift
bereits besprochen ist.
Andere Möglichkeiten, die Haut als Aufnahmeorgan
zu nutzen, werden noch weiter erforscht seit man weiß, daß
die Haut Medikamente nicht nur passiv durchdringen können, sondern
daß sie aktiv durch die Mithilfe von Enzymen die Struktur einiger
Wirkstoffe verändern kann. Als Beispiel mag hier Kortison gelten.
Es wird bei Entzündungen aufgetragen und in der Haut zum physiologisch
bedeutsameren Cortisol umgewandelt.
.......als Stoffwechselorgan
Unsere Haut steht in einer permanenten Stoffwechselbeziehung
mit dem ganzen Körper. Der Stoffwechsel wird daher grundlegend und
maßgeblich vom altersbedingten Aufbau der Haut, von der Ernährung,
den enzymatischen und hormonalen Funktionen und vom vegetativen Nervensystem
beeinflußt. Gleiches gilt für die Reaktionslage, also die Lage,
die durch eine Gegenwirkung oder durch eine durch etwas hervorgerufene
Wirkung entsteht
.......als Bildungsort
von Antikörpern
Wie wir wissen, ist für die Entstehung von
Allergien die Fähigkeit der Haut ausschlaggebend, Antikörper
zu bilden. In den Kapiteln über "Die Haut als Immunsystem"
und die "Neurodermitis" sind diese Vorgänge eingehend geschildert.
.......als Empfindungsorgan

Die Haut ist in starkem Maße mit Nervenelementen
des zentralen und autonomen Nervensystems durchzogen. Die auf die Haut
wirkenden Reize werden durch die Rezeptoren (Reizempfänger) aufgenommen.
Etwa vier Millionen Rezeptoren sind es, die in der Haut Wärme, Kälte,
Berührung, Druck oder Schmerz wahrnehmen. Alle Empfindungen werden
gezielt zum Hirn weitergeleitet. Dort werden diese Meldungen empfangen
und ausgewertet, was zur entsprechenden Umsetzung führt; beispielhaft
seien spontane Reflexe der Muskulatur oder Steuersignale für die
Funktion anderer Organe erwähnt. Es ist also eine durchaus lebenserhaltende
Funktion, die diese Rezeptoren innehaben.
Zu den Rezeptoren gehören auch die freien
Nervenendigungen, die als sogenannte Nozizeptoren beispielsweise für
die Wahrnehmung von Schmerzen zuständig sind. Es sind hauchdünne
Nervenfasern von nicht einmal einem tausendstel Millimeter Dicke. Andere
Rezeptoren sind anders aufgebaut. Sie tragen die Namen ihrer Entdecker.
Einige Beispiele: Ruffinische Körperchen, Krausesche Endkolben; die
beiden sind für die Wärme- und Kälteempfindung zuständig.
Oder die Meissner-, Vater-Pacini-Körperchen und Merkel-Tastscheiben,
die als Mechanorezeptoren arbeiten und Druck- und Berührungsreize
empfangen und weitergeben. Manche der Rezeptoren scheinen allerdings ein
Doppelleben zu führen, d.h. sie scheinen für mehrere Empfindungsreize
zuständig zu sein.


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