XIII
Erkrankungen der Haut
Wundheilung
Wie wir wissen, ist die Haut ein Organ, das sich
das ganze Leben durch Zellneubildung hindurch regeneriert. Ständig
stirbt die oberste Zellschicht, verhornt und sodann schilfern die keratinisierten
Hautzellen ständig und normalerweise unsichtbar ab. Von unten rücken
dann neugebildete Hautzellen vor. Man weiß heute, daß pro
Tag eine Schicht kernloser Epidermiszellen von der Hornschicht abgestoßen
wird. Die Epidermis regeneriert sich danach in der Regel innerhalb von
30 Tagen. Grundsätzlich verläuft die Zellregeneration beim Menschen
in einem 24 Stunden-Rhythmus, wobei die Anzahl der Zellteilungen in der
Nacht am größten ist. Das hängt damit zusammen, daß
während der Nacht die Substanzverteilung und Energiegewinnung vorwiegend
für Regenerierungsprozesse - hier also zur Zellneubildung - benötigt
werden. Selbst die ständige Regeneration vermag allerdings das Altern
der Haut nicht zu verhindern.
Bei der Wundheilung wird die Haut in besonders
starker Weise gefordert. Durch diesen Prozeß kommt es auch hier
nach Verletzungen zur Regeneration der Haut. Hierbei kommt es nicht nur
zur Vermehrung von Bindegewebs- und Epithelzellen, sondern auch von Kapillaren.
Dies sind Vorgänge, die, soll sich der Prozeß schnell und reibungslos
vollziehen, starke Konzentrationen von Co Q10 im Wundbereich erfordern.
Ist nur die Oberhaut geschädigt, schlimmstenfalls noch die Papillenspitzen
der Lederhaut, kann es im Idealfall zu einer vollständigen Ausheilung
ohne besondere Narbenbildung kommen. Ist allerdings die Lederhaut tiefgehend
zerstört, kommt es zur Narbenbildung, da die ursprüngliche Oberflächenstruktur
der Haut nicht mehr hergestellt werden kann.
Nun hat sich gezeigt, daß bei Patienten,
die sich einem operativen Eingriff zu unterziehen hatten, die Wundheilung
wesentlich schneller vonstatten ging, wenn sie vor der Operation ihren
Co Q10-Spiegel durch die Einnahme von Q10-Kapseln anreicherten. Wurde
der Wundbereich dann zusätzlich mit der Q10-Liposomen-Creme behandelt,
zeigte sich, daß die Narbenbildung deutlich begünstigt wurde.
Die Narbe wurde kleiner, "unsaubere" Narbenränder bildeten
sich nicht aus.
Insbesondere bei älteren Menschen verzögert
sich die Wundheilung deutlich, denn "die Wundheilung selbst ändert
sich mit zunehmendem Alter in typischer Weise. Besonders anschaulich hat
dies Frau Doktor Martina Steinhardt in ihrem Buch "Altern - Seine
Ursachen und seine Biologie" beschrieben. Deshalb soll die entsprechende
Passage hier zitiert sein: "Bei einer Hautverletzung bilden sich
an der Wunde zunächst Wundränder, von denen aus die Regeneration
der Zellen und damit das Zuheilen erfolgt. Dieses geschieht ohne Narbenbildung,
sofern das darunterliegende Bindegewebe nicht mit verletzt wird, da dieses
nicht über dieselbe Regenerationsfähigkeit verfügt wie
das Hautepithel! Die Wundheilung wird über die Hormone der Nebenniere
gesteuert. Die Zellen brauchen hier also einen hormonellen Anreiz, um
sich zu teilen; die Wundheilung verläuft nicht gemeinsam mit dem
normalen Regenerationsprozeß. Das ginge ja auch viel zu langsam
und wäre für das Überleben nicht von Vorteil! Daher beschleunigen
Hormone diesen Prozeß. W.Doberauer (Anmerkung: in "Wundheilung
und Wundheilungskomplikationen im Alter") konnte hier einen typischen
Altersunterschied nachweisen: Während beim jungen Menschen oder jungen
Tier die Wundränder glatt gebildet werden, sind sie beim alten unregelmäßig,
und die Wunden heilen hier auch langsamer wieder zu. Manchmal bilden sich
Narben, die im jüngeren Alter nie aufgetreten wären. Was geschieht
hier?
Im jungen Organismus erfolgt auf die Verletzung
eine sofortige Meldung an die Nebenniere. Diese erhöht ihre Aktivität
umgehend und schüttet die notwendigen Hormone aus, die die Zellteilung
an der Wunde anregen sollen. Dann beginnen die Hautzellen mit der Bildung
der Wundränder und des neuen Gewebes, und die Wunde heilt zu. Und
was ist, wenn das Individuum älter wird? Im Prinzip geschieht immer
noch dasselbe, aber eben nur im Prinzip. Wird ein alter Mensch verletzt,
ergeht die Meldung an die Nebenniere. Der "Kurier" ist aber
nicht ganz so zuverlässig, er "trödelt" auf seinem
Wege. Die Nebenniere erhält somit viel später als im jungen
Organismus die Information. Und wenn sie sich schließlich "aufrafft",
Hormone zu produzieren, gerät sie plötzlich in "Panik":
Die Wunde muß ja schnellstens heilen! Sie "überschlägt"
sich also in der Hormonproduktion. Nun beginnen die verwirrten Zellen
an der Wunde mit der Bildung der Ränder: Hier teilen sie sich schneller
und besonders eifrig, dort mögen sie eigentlich gar nicht so gerne
- sie betragen sich wie ein schlecht rekrutiertes Heer, in dem die Meldungen
nicht exakt weitergeleitet und befolgt werden und jeder tut das, was er
für richtig hält. Die Folge: Die Wundränder sind unregelmäßig,
weil hier zuwenig und dort zu viele Zellen gewachsen sind. Bis sie sich
endlich geeinigt haben, daß die Wunde verschlossen werden muß,
ist natürlich mehr Zeit verstrichen als beim Jungen, uns es mag einige
weitere Pannen geben, die zur Bildung einer Narbe führen.
Im alten Organismus funktioniert die Zusammenarbeit
der Zellen nicht mehr so gut, die Informationsverarbeitung läßt
zu wünschen übrig. Das Teilungsvermögen selbst haben sie
indessen nicht eingebüßt: Wenn sie endlich auf den hormonellen
"Fußtritt" reagieren, "überschlagen" sie
sich sogar (Hypertrophie!)."

Phasen der Wundheilung
Die Wundheilung selbst verläuft in drei Phasen.
Die erste Phase wird als Latenzphase bezeichnet und reicht bis zum 3.Tag.
Man unterteilt sie in die exsudative Phase und die resorptive Phase. Erstere
dauert nur einige Stunden. Es kommt zu einem ersten vorläufigen Wundverschluß
durch die Gerinnung des Blutes und durch damit verbundene Schorfbildung.
Es bildet sich also eine Wunddecke aus geronnenem Blut und Wundsekret.
In der resorptiven Phase wandern Freßzellen (Phagozyten) ein und
beseitigen Gewebetrümmer und eingedrungene Bakterien.
Die zweite Phase wird als proliferative Phase bezeichnet.
Sie erstreckt sich etwa vom 4. bis zum 7.Tag. Während dieser Zeit
bildet sich Granulationsgewebe. Das ist ein gefäßreiches Bindegewebe,
indem Kapillaren und Bindegewebszellen in das Blutgerinnsel einwachsen.
Die Wunde wird durch ein Häutchen von Deckzellen verschlossen.
Die dritte Phase schließlich umfaßt
die Narbenbildung. Das Granulationsgewebe bildet sich in Narbengewebe
um. Es wird von den Wundrändern aus mit Epithelzellen bedeckt. Eine
Narbe bleibt sichtbar, weil das Granulationsgewebe nicht mehr den gleichen
Aufbau hat wie die Lederhaut zuvor. Haare, Talg- und Schweißdrüsen
werden nicht nachgebildet.
Der beschriebene Wundheilungsprozeß kann
durch bakterielle Infektionen, schlechte Abwehrlage und zugrundeliegende
Allgemeinerkrankungen verzögert werden.
Hautveränderungen, die über dem normalen
Niveau der Haut liegen

Akne (Akne vulgaris), Seborrhoe
Die Akne ist, solange keine entzündlichen
Reaktionen durch Infektion hinzukommen, nicht Krankheit im Sinne medizinischer
Diagnose. Die davon Betroffenen fühlen sich primär nicht als
krank, sondern vielmehr gestört in ihrem Aussehen. Der Blick in den
Spiegel wird für damit befallene Menschen zum Problem. Besonders
in der Pubertät befindliche junge Menschen leiden unter dieser an
sich "normalen", allerdings übersteigerten Hautfunktion.
Grundsätzlich wird zwischen der anlagebedingten
echten Seborrhoe und Akne und umweltbedingten akneiformen Effloreszenzen
(Hautunreinheiten allgemeinster Art) unterschieden, die durch klimatische
oder atmosphärische Einflüsse, durch Arzneimittel oder falsche
Ernährung u.a. verursacht werden.
Äußere Zeichen sind Hautunreinheiten,
Komedonen, Pusteln, kleine Unebenheiten und Erhebungen der Haut, die durch
gesteigerte Talgdrüsensekretion hervorgerufen werden.
Genetische Faktoren, hormonelle- und Umwelteinflüsse
können der Auslöser sein. Früher war die Meinung weit verbreitet,
daß mangelnde Hygiene des Betroffenen Schuld sei an seiner "unsauberen
Haut". Dieser Verdacht wird aber allein durch die Tatsache ad absurdum
geführt, daß heute junge Menschen oft "stundenlang"
das Bad belegen und extrem auf Sauberkeit bedacht sind. Und trotzdem ändert
das nichts an ihrem "Leiden", das primär ein psychisches
Leiden ist, stört es doch in erheblichen Maße das Selbstwertgefühl.
Wie wissenschaftliche Untersuchungen ergeben haben,
ist Akne und Seborrhoe in etwa 50 Prozent der vorkommenden Fälle
erblich bedingt. Vererbt wird zum einen eine Verhornungsstörung der
Haut und zum anderen bei der Seborrhoe die durch Vererbung der Follikelgröße
bedingte verstärkte Talgdrüsenabsonderung an den Haarwurzeln
(Follikel).
Die ölige Seborrhoe ist durch übersteigerte
Stoffwechselprozesse gekennzeichnet. Da sie eine Überfunktion der
Talgdrüsen bedeutet, führt sie zu einer Überfettung der
Haut. Sie ist mit einem dicken Fettfilm bedeckt, der sich insbesondere
im Gesicht, auf der Brust und auf dem Rücken feststellen läßt.
Der Hauttalg ist meist auch chemisch anomal zusammengesetzt. Oft zeigt
die Haut eine leichte Vergilbung. Bedingt durch die Verminderung des natürlichen
Säuregehaltes läßt die Haut meist eine gewisse Alkaliempfindlichkeit
erkennen. Durch die Verminderung des Säureschutzes einhergehend mit
einem fettfeuchten Milieu ist ein guter Nährboden für Bakterien
und Pilze gegeben. Eine erhöhte Infektionsmöglichkeit besteht,
die wiederum zu den verschieden Akneformen führen kann.
Die trockene Seborrhoe zeichnet sich durch die
Bildung kleieförmiger Schuppen aus, die das Gesicht und die Kopfhaut
trocken erscheinen lassen. Die gesteigerte Talgproduktion und Verhornung
stellen gesteigerte Degenerationsprozesse der Zellen dar. Sie sterben
bei diesen Vorgängen ab und hinterlassen als Ergebnis den Hauttalg
und die toten Hornlamellen.
Die Akne entsteht meist, wenn während der
Pubertät die Keimdrüsen mit ihrer Funktion beginnen. Hat sich
das Zusammenspiel der Hormondrüsen später normalisiert, klingt
sie fast regelmäßig wieder ab. Die für die Akne typischen
Hautveränderungen zeigen sich überwiegend in den seborrhoischen
Zonen, also dort, wo sich reichlich Talgdrüsen befinden. Das ist
die Stirn, die Nasen-Wangen-Gegend, der Bereich um den Mund, das Kinn,
die Wangenperipherie und am Hals. Die Akne entwickelt sich meist von der
Komedonen-(Mitesser)Akne über die papulöse Akne zur pustulösen
Akne und unter Umständen hin bis zur Acne indurata, bei der sich
tiefgehende, blaurote, oft schmerzhafte Knoten und Infiltrationen in tiefere
Gewebeschichten feststellen lassen.
Eine weitere Form ist die menstruelle Akne, die
gewöhnlich zwischen dem 15. und 30.Lebenjahr auftritt und in engem
Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht. Als letzte Form soll die
"Mallorca-Akne" nicht unerwähnt bleiben. Sie ist einer
Sonnenallergie nicht unähnlich. Die Bezeichnung Akne wird hier angewendet,
da die Follikelöffnungen befallen sind. Sie ist natürlich nicht
auf die Mittelmeerinsel beschränkt, sondern tritt infolge ungewohnt
starker Sonnenbestrahlung auf. Es entstehen Flecken und Knötchen
an den Haarfollikeln, manchmal sogar stark juckende Quaddeln, ähnlich
wie auch bei einer Akne. Sie zeigt sich besonderen am Dekolleté,
an den Schultern und den Oberarmen. Darunter zu leiden haben meist nur
Frauen, die auch in der Jugend stark unter Akne zu leiden hatten. Die
Betroffenen zeigen bei Sonnenbestrahlung eine Fettunverträglichkeit.
Als Ursachen für die Akne sind neben der oben
bereits erwähnten erblichen Veranlagung im wesentlichen Reizungen
und Überlastungen des Zentralnervensystems, Verdauungsstörungen
und falsche Ernährung und psychische Momente zu sehen.
Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris)
An der Schuppenflechte leiden in der Bundesrepublik
etwa 2 Millionen Menschen. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen
überhaupt. Die Hautveränderungen treten in Schüben auf,
die von erheblichen Hautveränderungen gekennzeichnet sind. Es kommt
zu scharf umrissenen, rötlichen Flecken, die von silbrigweißen
Schuppen bedeckt sind. Bevorzugt bilden sich die krankhaften Stellen an
Ellenbogen, Knie, Kreuzbeingegend und auf dem behaarten Kopf. Es können
juckende Herde auftreten. Werden durch vorsichtiges Kratzen die oberen
Schuppen abgelöst, so erscheint ein dünnen Psoriasishäutchen,
nach dessen Ablösung es zu dicht beieinanderliegenden, punktförmigen
Blutaustrittsstellen kommt.
Die Ursachen der Psoriasis sind immer noch nicht
vollständig erforscht. Eine weit verbreitete Meinung ist, daß
sie den Stoffwechselerkrankungen zuzurechnen ist. Ein erblicher Faktor
spielt sicherlich auch eine erhebliche Rolle. Allerdings soll nicht die
Krankheit als solche, sondert vielmehr die Bereitschaft der Haut vererbt
werden, psoriatisch zu reagieren. Dies bedeutet nicht anderes, als daß
bei genetisch veranlagten Personen andere Auslöser hinzukommen müssen.
Nach einer Mitte 1994 bekanntgewordenen Veröffentlichung
scheinen amerikanische Wissenschaftler dem Rätsel der Schuppenflechte
einen wichtigen Schritt näher gekommen zu sein. Denn Forscher aus
Dallas haben auf dem Chromosom 17 eine Erbanlage entdeckt, die den Ausbruch
der Krankheit begünstigen soll. Grundlage für die Untersuchungen
der Forschergruppe waren Personen aus Familien, in denen die Krankheit
überdurchschnittlich auftrat. Bei diesen Patienten fanden sie einen
Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Schuppenflechte und besonderen
Merkmalen in einem bestimmten Bereich auf Chromosom 17. Bei anderen Patienten
fand man keine Koppelung dieser Art. Die Forscher vermuten, daß
mehrere verschiedene Gendeffekte den Ausbruch der Krankheit begünstigen.
Fest zu stehen scheint, daß kein Zusammenhang zwischen der Krankheit
und der Ausstattung der Patienten mit bestimmten Gewebeantigenen besteht.
Aus früheren Forschungsarbeiten ist bekannt,
daß Patienten mit bestimmten Gewebemustern einem erhöhten Risiko
unterliegen, an Psoriasis zu erkranken. Da nun die Gewebeantigene bei
der Immunabwehr eine Rolle spielen, vermutete man, daß es sich bei
der Schuppenflechte um eine Autoimmunreaktion handele.
Bei dem oben erwähnten Forschungsergebnis
stellte sich nun heraus, daß der auffällige Bereich auf Chromosom
17 eine Erbanlage umfaßt, die bei der Aktivierung der an Abwehrreaktionen
beteiligten T-Zellen von Bedeutung ist. Das Gen bildet einen Eiweißstoff,
der die Erbanlage für den immunologischen Botenstoff Interleukin
steuert. Die Spekulation der Wissenschaftler geht dahin, daß dort,
wo das Chromosom 17 geschädigt ist, ein Defekt in dem Gen für
das Steuerungsmolekül vorliegt. Vermutlich sei es unplanmäßig
aktiv und erzwinge so eine übermäßige Produktion des Botenstoffes,
was wiederum den Entzündungsschub vorantreibt.
In und auf der Haut laufen bei einem Entzündungsschub
der Psoriasis die Vorgänge wie folgt ab: An den befallenen Hautstellen
teilen sich erheblich mehr Keratinozyten (das sind die Keratin-bildenden
Zellen der Haut). Sie entwickeln sich schneller als sonst üblich
mit der Folge, daß ungewöhnlich viele Schuppen abgestoßen
werden. Bei den Teilungsvorgängen verhalten sich die Keratinozyten
so, als würde die Haut von Erregern angegriffen. Sie senden Alarmsignale
an das Immunsystem, woraufhin eine Immunreaktion ausgelöst wird.
Da die vermeintlichen Erreger aber nicht auf der Oberhaut - und auf diese
konzentriert sich schlußendlich die Abwehrreaktion - zu finden sind,
kommt es zu Irritationen vor allem im Wechselspiel der T-Lymphozyten und
der Keratinozyten. Diese gegenseitige Beeinflussung mit Botenstoffen führt
dazu, daß die Hautzellen sich schneller teilen und auch schneller
als unausgereifte Hornzellen an der Hautoberfläche erscheinen um
als Psoriasis-Schuppen abgestoßen zu werden. In welchem Zeitabläufen
sich diese Vorgänge abspielen, ist daran erkennbar, daß die
Keratinozyten bei der Psoriasis nur 4 Tage benötigen, um von der
Basalschicht zur Hornschicht zu gelangen, während dieser Vorgang
bei der gesunden Haut 28 Tage dauert.
Da der Schuppenflechte ein multifaktorelles Geschehen
zu Grunde liegt, muß zu der erblichen Veranlagung ein äußerer
Impuls hinzukommen. Diese auslösenden Faktoren sind nun keineswegs
eng begrenzt, sondern können vielfältigster Natur sein. Besondere
klimatische Bedingungen, mechanische oder chemische Reizungen, Verbrennungen
oder sonstige Hautverletzungen, Kontaktallergien, Injektionen, Infektionen,
Stoffwechselstörungen, Beginn- und Ende der Menstruationszyklen,
Schwangerschaft, psychische Belastungen, Streß, gravierende Ernährungsänderungen,
u.ä. können der Auslöser sein.

Neurodermitis
Der Neurodermitis liegt eine angeborene Bereitschaft
zur chronisch entzündlichen Erkrankung der Haut zu Grunde. Es ist
eine allergische Erkrankung mit einer vererbten Basis, wobei nicht die
Krankheit selbst, sondern die Anlage dazu vererbt wird. Damit sie zum
Ausbruch kommt, müssen neben der Erbanlage weitere, schließlich
auslösende Faktoren hinzukommen. Diese können exogen, also von
außen, oder endogen, also von innen heraus wirken.
Da festgestellt wurde, daß die Neurodermitis
häufig von einem, meist erblich bedingten, Mangel eines bestimmten
Enzyms im Fettsäurestoffwechsel gekennzeichnet ist, neigt man in
neuerer Zeit dazu, sie auch den Stoffwechselerkrankungen zuzurechnen.
Bei der Stoffwechselstörung, die hier für das Entstehen einer
Neurodermitis verantwortlich gemacht wird, kann Linolsäure, eine
der essentiellen Fettsäuren, nicht weiter verarbeitet werden.
Andererseits weiß man, daß in den meisten
Fällen auch eine Fehlfunktion des Immunsystems der Haut vorliegt,
denn die Feststellungen haben ergeben, daß etwa 80 Prozent der Patienten
zu viele IgE-Antikörper im Blut haben. Das Immunglobulin E stammt
aus lymphatischem Gewebe, das direkt den Atemwegen und dem Magen-Darm-Kanal
anliegt. Es gelangt von dort direkt ins Blut. Es macht insgesamt nur 0.001
Prozent der Immunglobuline aus. Obwohl es nur in diesen kleinen Mengen
vom Körper gebildet wird, bringt dieser Antikörper über
90 Prozent aller allergischen Reaktionen zustande. Bei den Allergien vom
Soforttyp, darunter fallen etwa 90 Prozent aller Allergien, setzt beim
ersten Allergenkontakt eine übermäßige Produktion des
Immunglobulins E auf das Drei- bis Fünffache ein. Für diesen
Prozeß sind die B-Abwehrzellen durch die Allergene angeregt worden.
Die IgE-Antikörper koppeln sich an Mastzellen an und warten auf den
nächsten Allergenkontakt. Obwohl sich in diesem Stadium noch keine
Allergiesymptome zeigen, ist der Betroffene nunmehr sensibilisiert. Beim
nun folgenden nächsten Allergenkontakt arbeiten die B-Lymphozyten
wie kleine Antikörperfabriken und bewirken den Ausbruch der Hautreaktion.
Zwischen dem sichtbaren Ausbruch der Krankheit
und der stark gesteigerten IgE-Produktion sind noch mehrere Schritte geschaltet.
Hier haben die Mastzellen eine ausschlaggebende Bedeutung. Auf ihrer Oberfläche
koppeln IgE-Antikörper und können nun jeweils zu zweit Allergene
einfangen. Im Zeitpunkt der Sensibilisierung sind die Mastzellen nur mit
wenigen Antikörpern bestückt, aber die Wissenschaftler haben
nachgewiesen, daß zwischen 10.000 und 100.000 Antikörper auf
einer einzigen Zelle "andocken" können.
Die Allergene werden nun aber keineswegs von den
Freßzellen des Immunsystems vernichtet oder von Enzymen aufgelöst,
sondern sie verändern die Durchlässigkeit der Mastzellenmenbran.
Genau dies ist bedeutsam für den nächsten Allergenkontakt, bei
dem große Mengen IgE-Antikörper bei den Mastzellen ankoppeln.
Denn im großen Stil setzen jetzt die Mittlersubstanzen, wie Histamin,
aus dem Inneren ihre Bläschen frei. Diese wiederum rufen dann im
umliegenden Gewebe die Entzündungsreaktionen hervor.
Wie kommt es nun aber dazu, daß die Antikörper
ihrem Namen und ihrer eigentlichen Aufgabe hier nicht gerecht werden können?
Die häufigsten immunulogischen Störungen,
die zu Erkrankungen der Haut führen, sind allergische Reaktionen.
Das Immunsystem wirkt bei diesen Störungen im Prinzip so wie bei
der gesunderhaltenden Abwehr von Erregern. Allerdings sind die hier krank
machenden Unterschiede erst bei Betrachtung der Details auszumachen. Wie
bereits oben dargestellt sind die Antikörper mit Namen Immunglubin
E schuld.
Beim Eindringen des Allergens in den Körper
verhält sich das Immunsystem zunächst einmal so, als ob es von
einer Bakterie attackiert würde. Überwachende Makrophagen fangen
es ein und transportieren es in den nächsten Lymphknoten. Die dort
befindlichen T-Lymphozyten leiten sie zur Einleitung einer spezifischen
Abwehrreaktion weiter. Doch nun beginnt die verhängnisvolle Entwicklung.
Die T-Helferzellen, deren eigentliche Aufgabe es ist, andere Zellen des
Immunsystems zu informieren und zu aktivieren, reagieren auf das Allergen
nicht normal, vielmehr reagieren sie ungewöhnlich heftig. Auch die
T-Suppressorzellen, die die Stärke und Richtung der Immunabwehr kontrollieren,
können die Überreaktion der T-Helferzellen nicht einengen. Dies
ist der Grund, weshalb sich B-Zellen, die ebenfalls als unreife weiße
Blutkörperchen aus dem Knochenmark kommen, ungebremst in Plasmazellen
verwandeln können. Diese produzieren daraufhin große Mengen
von IgE-Antikörpern mit der Wirkung, daß nicht ein Schutz wie
gegen Bakterien einsetzt, sondern vielmehr eine Sensibilisierung gegen
das Allergen. Und hier setzt die oben beschriebene Hilfestellung der Mastzellen
beim Andocken der IgE-Antikörper ein. Unbehandelt nimmt so das Verhängnis
seinen Lauf.
Zusammenfassend ist also zu sagen: Der Körper
mobilisiert die eigene Abwehr wo es nicht nötig wäre und verteidigt
sich gegen Feinde, die keine sind. Außerdem besteht ein Ungleichgewicht
in der Regulation des unserer Willkür entzogenen vegetativen Nervensystems
(z.B. abnorme Schweißregulation). Die auffällige Trockenheit
der Haut beruht auf gesteigertem Wasserverlust und verminderter Talgproduktion.
Nach neuesten Feststellungen leiden in Deutschland
etwa drei Millionen Menschen unter der nicht ansteckenden Krankheit. Vor
allem bei Kindern steigen die Zahlen. Bei Mädchen tritt die Krankheit
häufiger auf als bei Jungen. Der Anteil der von der Neurodermitis
Betroffenen liegt bei den vor 1960 Geborenen bei zwei bis drei Prozent,
steigt allerdings bei den nach 1970 Geborenen auf das mehr als Fünffache
an. Vor allem in den modernen Industrieländern ist die Neurodermitis
keine seltene Krankheit mehr. Bei Millionen Menschen reagiert die Haut
auf die vielen Reizstoffe, oftmals nur für wenige Jahre, oft aber
auch lebenslang mit einem schrecklichen Juckreiz. Welchen Einfluß
die Umwelt ausübt, kann auch aus der Tatsache entnommen werden, daß
vielfach bei Erwachsenen besonders die Hautflächen betroffen sind,
die stärkeren Umweltreizen ausgesetzt sind.
Offensichtlich ist bei Neurodermitiserkrankungen
ein starkes Nord-Süd-Gefälle zu beobachten. In nordischen Ländern
wird diese Hauterkrankung erheblich häufiger beobachtet als in Mittelmeerländern.
Das Ekzem verläuft chronisch, schubweise und
insgesamt kaum berechenbar. Bei vielen Patienten gibt es eine deutliche
Abhängigkeit von Provokationsfaktoren. Nahezu unerträglicher
Juckreiz und trockene Haut stellen sich als die wesentlichsten Probleme
neben der psychischen Belastung dar. Bei jedem zweiten bis dritten Neurodermiker
stellen sich nach dem Hautbefall allergischer Schnupfen oder allergisches
Asthma ein.
Bei den Patienten ist die Reizschwelle der Haut
herabgesetzt. Sie reagieren auf alltägliche Umweltreize wie Staub,
Witterung, Seife oder das Scheuern der Bekleidung ebenso negativ, wie
auf den eigenen Schweiß mit starkem Juckreiz und Ausschlag. Oft
erschweren Infektionen mit Bakterien (Staphylokokken u.a.), Viren (Herpes,
Warzen u.a.) oder Pilzen (Hefe u.a.) das Krankheitsbild und verzögern
den Heilungsprozeß.
Als Hauptmerkmale der Neurodermitis gelten: Juckreiz,
typische Lokalisation, typische Hautveränderungen und andere allergische
Erkrankungen. Die Nebenmerkmale sind: Erkrankungsbeginn häufig im
Säuglings- und Kleinkindalter, trockene Haut, verdickte Haut, reizbare
Haut, schuppende Haut, häufige Hautinfektionen, Juckreiz durch Schwitzen,
Wollunverträglichkeit, kleine Einrisse an Mundwinkel oder Unterlippe,
Lippenentzündung, Ekzem um den Mund herum, Gesichtsblässe, gedoppelte
Unterlidfalte, Lidekzem, Schatten um die Augen, Blaßwerden der Haut
bei mechanischem Reiz, häufige Bindehautentzündung, Augenveränderungen
wie grauer Star, Schrunden an den Ohrläppchen, Brustwarzenekzem,
Ekzem an den Zehen, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Beeinflussung
durch Umwelt- und persönliche Faktoren, erhöhte Serum-IgE-Spiegel.
Die Hautprobleme der Neurodermiker sind die dünne
Hornschicht und die erhöhte Reizbarkeit der Haut. Sie ist im Vergleich
zur gesunden Haut extrem trocken und dadurch besonders empfindlich. Die
Ursache für die Trockenheit der Haut ist eine erhöhte Durchlässigkeit
der äußeren Hornschicht. Durch Verdunsten wird dem Körper
von außen mehr Flüssigkeit entzogen. Die Haut ist trotz Schweißbildung
trocken. So kommt es zu dem Eindruck, Patienten mit Neurodermitis könnten
nicht schwitzen. Die Wirkung der Hautkühlung, die durch Verdunstung
beim Schwitzen auftritt, kommt nicht zustande. Den Betroffenen ist es
oft zu warm. Die Talgproduktion ist vermindert.
Der Säureschutzmantel der Haut ist an vielen
Stellen nur schwach, beschädigt oder überhaupt nicht vorhanden,
weil die Fähigkeit zur Säureregulation beeinträchtigt ist.
Die Haut des Neurodermikers ist deshalb aggressiven Einflüssen von
außen relativ schutzlos ausgesetzt. Dies erklärt auch ihre
Empfindlichkeit gegen Reinigungsmaßnahmen.
Häufiges Waschen, Duschen oder Baden, dies
dann womöglich noch mit Seife oder austrocknenden Badezusätzen,
belastet die Haut und schädigt den empfindlichen, weil bereits geschädigten
Säureschutzmantel auf der Haut zusätzlich. Die ohnehin schon
trockene Haut trocknet weiter aus. Deshalb ist ein alkalifreies mit rückfettenden
und pflegenden Substanzen angereichertes Waschmittel zwingend geboten.
Detergentien (Seifenersatz) sollten auf keinen Fall bedenkenlos eingesetzt
werden. Neuere Erfahrungen zeigen nämlich, daß bei trockener
Haut schon nach kurzem Gebrauch der Hautzustand negativ verändert
werden kann. Was sind Detergentien? Es sind Stoffe, die die Oberflächenspannung
des Wassers verringern. Diese Stoffe können Emulgatoren, Surfactants,
Syndets, Tenside oder waschaktive Substanzen sein, die geeignet sind,
den Fett-Wasser-Film (Hydrolipidfilm) der Haut zu vermindern. Sie lassen
Irritationen der Haut auftreten. Da die Haut des Neurodermikers ohnehin
die Symptome einer verringerten Fettproduktion und eines verminderten
Wassergehaltes als Folge des gestörten Wasserbindungsvermögens
der Haut zeigt, ist also bei der Auswahl der Reinigungsmittel besondere
Sorgfalt notwendig. Äußerste Vorsicht ist auch bei parfümierten
Badezusätzen und stark duftenden Duschgels geboten. Die fettlöslichen
ätherischen Öle können die Haut reizen, röten und
Juckreiz auslösen. Dies auch dann, wenn die Mittel stark mit Wasser
verdünnt sind.
Generell ist zu sagen, daß der häufige
Umgang mit Laugen und schaumbildenden Lösungen zur Entfettung der
Haut führt. Viele Arbeiten in Haushalt und Beruf führen zu Kontakten
mit fettlöslichen und fettlösenden Stoffen, wie Mineralöle,
Farben Lösungsmitteln. Das geschieht, wenn man ein Fahrrad repariert,
Fenster putzt oder im Garten arbeitet. Erheblich vielfältiger sind
die Einwirkungen am Arbeitsplatz. Mechaniker, Installateure, Friseure
und eine Vielzahl anderer Berufe haben verstärkten Kontakt mit fettlösenden
Substanzen. Das sind mannigfaltige Gefahrenquellen insbesondere für
den Neurodermiker.
Ebenso ist zu warmes Wasser Gift für den Neurodermiker.
Höhere Wassertemperaturen verstärken den Juckreiz und fördern
den Entzündungszustand der Haut. Auch ist der Zeitpunkt der Ganzkörperreinigung
vom Körper selbst vorgegeben. Als idealer Zeitpunkt wurde der Morgen
zwischen 6 und 8 Uhr herausgefunden. Die Wassertemperatur sollte bei etwa
20 Grad liegen um einen Kältereiz auszuüben, denn bei dieser
Wassertemperatur und zu diesem Zeitpunkt wird der Körper zur Ausschüttung
des Hormons ACTH (Adreno-cortico-tropes Hormon) angeregt. Dieses Hormon
wirkt auf die Nebennierenrinde und setzt das körpereigene Kortison,
das auch als Streßhormon bezeichnet wird, frei. Es ist lebensnotwendig
für jeden Menschen und gilt deshalb als wichtigstes Hormon.
Es sei auch noch darauf hingewiesen, daß
der Neurodermiker darauf achten sollte, daß sich keine Waschmittelrückstände
in der Kleidung befinden. Sie reizen die Haut. Deshalb muß die Wäsche
gründlich gespült werden. Ins letzte Spülwasser kann man
einen Schuß Speiseessig geben. Weichspüler sollten keine Verwendung
finden. Empfehlenswert sind milde, phosphatfreie Waschmittel.

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