Grundüberlegungen
I
Es
wurden mehr als 850 Chemikalien ermittelt, die nachweislich neurologische
Verhaltensstörungen verursachen können. Dabei handelt es
sich hauptsächlich um Lösungsmittel, Pestizide, Metalle
oder Substanzen, durch die die normale Sauerstoffaufnahme und –versorgung
des Gehirns gehemmt wird, wie etwa Kohlenmonoxid. Die Hauptquelle
für Belastungen der Bevölkerung sind vermutlich Pestizide.
Sie kommen in den meisten Nahrungsmitteln, Bürogebäuden
und ackerbaulichen Nutzflächen vor. Die modernen Insektizide
wurden auf der Grundlage von chemischen Kampfstoffen mit dem Ziel
der Schädigung des Nervensystems entwickelt. Von allen neurotoxischen
Chemikalien sind diese Substanzen am schädlichsten.
Weiterhin sind in vielen Farben, Reinigungsmitteln und anderen Produkten Lösungsmittel enthalten, die je nach Dauer und Ausmaß der Belastung neurotoxische Wirkungen haben. Auch Brennstoffe, die auf kohlenstoffhaltigem Material basieren, können eine Gefahr darstellen. So entsteht beispielsweise bei der unvollständigen Verbrennung von Benzin und Heizöl das geruchs- und geschmacklose Kohlenmonoxid, das zu einer schwer festzustellenden und zu diagnostizierenden Vergiftung führen kann. Vielen Medizinern ist nicht bekannt, welche Langzeitfolgen eine akute oder chronische Kohlenmonoxidvergiftung haben kann. Benzin, das an sich schon neurotoxisch wirkt, kann mit weiteren Substanzen wie Blei oder Lösungsmitteln wie Benzol, Poluol und Xylol vermischt werden. Dabei sind Kraftstoffzusätze auf Alkoholbasis weitaus unbedenklicher. Eine ebenfalls neurotoxische Substanz ist Quecksilber in Zahnmetallen. Eine andere schädliche Substanz ist Formaldehyd, das als Klebemittel für Spanplatten, Faserplatten und Sperrholz dient. In der Textilindustrie wird Formaldehyd bei der Herstellung von knitterfreiem, feuerbeständigem und nicht einlaufendem Gewebe verwendet. |
Umweltgifte beeinflussen die HirnfunktionenWeltweit ist zur Zeit eine epedemieartige Zunahme von Erkrankungen durch neurotoxische chemische Substanzen zu verzeichnen. Bei einer plötzlichen Exposition gegenüber einer neurotoxischen chemischen Substanz in hoher Konzentration ist der Zusammenhang zwischen Erkrankung und Belastung möglicherweise offensichtlich. Bei chronischer, langfristiger, geringfügiger Exposition gegenüber multiplen neurotoxischen Substanzen kann es hingegen zu heimtückischen Wirkungen kommen, die schwer nachzuweisen und diagnostizieren sind. |