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Streß


Was unter dem Begriff Oxidativer Streß zu verstehen ist, ist bereits hinreichend erläutert worden. Prof. Karl Folkers hat auf dem 7. Internationalen Symposium über die biochemischen und klinischen Aspekte von Ubichinon Q10 am 18./19. September 1992 in Kopenhagen deutlich gemacht, daß Streßfaktoren in hohem Maße Q10 verbrauchend sind und damit, wenn die Streßfaktoren nicht eingedämmt werden, zu Q10-Mangel führen.

Streß geht mit einem beschleunigten Stoffwechsel einher. Streßhormone sind hierbei die Einpeitscher. Sie erhöhen den Sauerstoffumsatz, und das bedeutet stets erhöhte Radikalbildung. Darüber hinaus können Streßhormone im Stoffwechsel selbst zu Radikalen werden.

Aber nicht nur Q10 ist hier gefragt, sondern auch die anderen Schutzfaktoren des Lebens. Werfen wir einen Blick auf das Vitamin C. Prof.Bodo Kuklinsky (80) stellt fest:

"Die heutigen Erkenntnisse über den Vitamin C-Bedarf sind in diesem Zusammenhang beachtlich und verblüffend. Die potentiell radikalbildenden Streßhormone werden in der Nebennierenrinde gebildet. Zum eigenen Schutz enthält diese Drüse die höchste Vitamin-C-Konzentration des Körpers. Vitamin C wirkt hier als Radikalfänger, und bei sinkender Vitamin-C-Konzentration ist das Anwachsen von oxidativem Streß bereits meßbar, noch bevor organische Schäden auftreten."

Er geht weiter davon aus, daß der Mensch in der modernen Industriegesellschaft nicht in der Lage ist, ausreichend Vitamin C über die Nahrung aufzunehmen. Er nennt die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die eine tägliche Aufnahme von 75 mg dieses Vitamins empfiehlt, vor diesem Hintergrund geradezu hilflos.

Streßfaktoren bestimmen den Alltag

Das Schrillen des Weckers am frühen Morgen (Streß!) unterbricht jäh die nächtliche Ruhe- und Erholungsphase und schaltet sämtliche Organsysteme des Körpers auf Alarm. So wird von den meisten Menschen der industrialisierten Welt bereits das Aufwachen als gefahrvoll (streßvoll) empfunden, als Gefahr, zu spät zur Arbeit zu kommen.

Seien wir ehrlich zu uns selbst, wer gönnt seinem Körper nach dem Aufstehen eine "Aufwärmphase", beispielsweise in Form eines entspannten und gesunden Frühstücks? "Das kann ich mir zeitlich gar nicht leisten (Streß!)", werden Sie nun sagen, "meine Arbeit beginnt um 8.00 Uhr (Streß!) und wenn ich an das allmorgendliche Verkehrschaos denke (Streß!), dann kriege ich sowieso keinen Bissen runter." Selbst Schulkinder sind solchen Streßfaktoren bereits ausgesetzt.

Doch die morgendliche Hetze zum Arbeitsplatz oder zur Schule (Streß!) ist nur der Anfang Ihres Alltags. Die wenigsten Mitmenschen sehen in ihrem Arbeitsplatz eine Oase der Ruhe und Entspannung, im Gegenteil. Anmaßende Vorgesetzte (Streß!), verunsicherte Untergebene (Streß!), konkurrierende Kollegen (Streß!), unerfüllbare Verbraucherwünsche (Streß!), säumige Lieferanten (Streß!), zahlungsunwillige Kunden (Streß!), übertriebene Behördenforderungen (Streß!), Termindruck und Leistungsdruck (Streß!); auf den betroffenen Menschen wirkt jeder einzelne dieser Vorgänge wie ein Alarmsignal. Der Mensch empfindet Gefahr für sich, für seine Gruppe, für sein Unternehmen.

Der Körper reagiert auf solche Vorgänge mit der Ausschüttung von Streßhormonen. Streßhormone veranlassen den Organismus, sich mit der "gefahrvollen" Situation auseinanderzusetzen. Der Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem werden durch Streßhormone schlagartig in Alarmbereitschaft versetzt. Kampf oder Flucht ist die Frage, die in Sekundenschnelle entschieden werden muß. Erst nach erfolgtem Kampf oder nach erfolgreicher Flucht wird der Streß abgebaut, der Organismus geht wieder zur Normalität über.

Für den Menschen der Urzeit war die Streßreaktion des Körpers bei Gefahr überlebenswichtig, wie aber soll der Mensch von heute seinem Körper im Verkehrschaos, bei Termin- und Leistungsdruck, oder bei beruflichen oder familiären Schwierigkeiten durch Kampf oder Flucht wieder zur inneren Ausgeglichenheit verhelfen? Bei der physiologischen Auseinandersetzung mit gefahrvollen Situationen von heute hat die Evolution den Menschen in der Urzeit zurückgelassen. Der Mensch von heute "kompensiert" dauerhaften Streß mit Magengeschwüren, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt.

Selbst nach der Arbeit wird der Mensch mit Streßfaktoren konfrontiert, denen nicht so leicht zu entrinnen ist. Finanzielle Probleme (Streß!), Sorge um den Arbeitsplatz (Streß!), Sorge um die Familie (Streß!), Unverständnis beim Partner (Streß!), beengte Wohnverhältnisse (Streß!), Lärm (Streß!), Umweltverschmutzung (Streß!), Drogen (Streß!), Gewalt (Streß!). Von diesen Streßfaktoren sind viele Menschen täglich und direkt betroffen. Selbst über den Äther kommen die Sorgen und Nöte der Menschheit "live" in jedes Wohnzimmer. Über Kriege, Bürgerkriege, Naturkatastrophen, Massenkarambolagen, Flugzeugabstürze, Gewalt und Mord wird über Satellit aus den entferntesten Winkeln der Welt ohne Verlust an Aktualität berichtet und der Organismus wird aufs neue in Alarmbereitschaft versetzt.

Wissenschaftlich erwiesen ist, daß Streß die Aktivität des Immunsystems unterdrückt. Streßhormone der Nebenniere zerstören die Erbsubstanz der T-Lymphozyten (siehe ausführl. a. Ende d. Kap.) des Immunsystems und rufen deren Zelltod hervor. Je schwächer das Immunsystem ist, desto zerstörerischer wirken sich die Streßhormone aus. Andererseits konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt werden, daß der Zelltod nicht stattfand, wenn genügende Mengen des Immunmodulators Interleukin-2 vorhanden waren. Dies bedeutet, daß ein gestärktes und voll funktionsfähiges Immunsystem die zerstörerische Wirkung von Streßhormonen zu einem gewissen Grad kompensieren kann.

Die Natur scheint also gewußt zu haben, daß bei physischer und psychischer Betriebsamkeit natürliche Schadstoffe anfallen. Deswegen erhielten die Lebewesen ein raffiniertes und lernfähiges Abwehrsystem. Im Prinzip funktioniert es perfekt, aber es ist nicht grenzenlos belastbar. Die meisten Krankheiten stellen das letzte Glied einer langen Reihe von krankmachenden Faktoren dar, sind sozusagen die "rote Karte", weil die "gelbe Karte" von uns selbst ignoriert wurde.

T-Lymphozyten

Vom Thymus abhängiger Träger der zellvermittelten Immunität; Killer-Lymphozyten.
T-Lymphozyten spielen bei Abwehrprozessen eine überaus wichtige Rolle. Sie sind direkt an der Abwehr von Krankheitserregern und Tumorzellen beteiligt und koordinieren darüber hinaus die gesamte zelluläre Abwehr. Dabei teilen sich die T-Helferzellen und zytotoxische T-Zellen die Arbeit: Werden die Helferzellen durch Antigene aktiviert, so setzen sie Zellbotenstoffe (Zytokine) wie Interleukine und Interferon frei, die wiederum andere Immunzellen -B-Zellen und Makrophagen- aktivieren; Freßzellen und die aus B-Zellen freigesetzten Antikörper können nun mit der "Abräumarbeit" beginnen. Zytotoxische T-Zellen produzieren dagegen nur im geringen Umfang Zytokine. Statt dessen zerstören sie verschiedene als "schädlich" erkannte Zellen, wie virusinfizierte Zellen, Tumorzellen und transplantierte Fremdzellen. Die Zytotoxizität kommt dadurch zustande, daß diese T-Zellen durch Aktivierung in die Lage versetzt werden, Porenproteine (sog. Porphysine, Enzyme) auszuschütten. Mit diesen Waffen stanzen sie Löcher in die Membran der Zielzelle. Zytotoxische T-Zellen sind darüber hinaus in der Lage, Abwehrreaktionen durch die Lyse antigenpräsentierender Zellen zu beenden. Diese Fähigkeit hat ihnen die oft synonym gebrauchte Bezeichnung "Suppressorzelle" eingebracht.