
Ubiquinon Q10
Der Schlüssel zur Mitochondrialen Medizin
Q10 existiert schon so lange, wie es Sauerstoff gibt.
Q10 wurde 1955 von Fred Crane als orangegelbe,
extrem lipophile und nur in Hexan lösliche Substanz
entdeckt. 1957 klärte Karl Folkers die chemische Struktur auf. Für
die Beschreibung des Q10-Zyklus erhielt Peter Mitchell 1978 den Nobelpreis
für Chemie. Damit war die Bedeutung von Q10 für die mitochondriale
Zellatmung und folglich für die Energiebildung gesichert.
Q10 wird in den Mitochondrien
und in den Zellen aus Tyrosin, Methionin und Mevalonsäure biosynthetisiert.
Auch mit der Nahrung werden je nach Zusammensetzung 1-3 mg Q10 täglich
zugeführt.
Im unbelasteten Organismus liegt Q10 weitestgehend
in reduzierter Form als Ubihydroquinon vor; das Verhältnis von oxidiertem
zu reduziertem Q10 sollte 10/90 sein. Oxidativer Stress jeglicher Art,
insbesondere verursacht durch Entzündungen, kann dieses Verhältnis
bis zur Atemlosigkeit, sprich Zelltod, verschieben. Als Hydroquinon übt
es eine starke antioxidative Schutzwirkung aus. Dabei muss es sich allerdings
opfern, was zu einem Q10-Mangel führen kann: zu einem Bioenergetischen
Defizit (BED).
Der Vater der Mitochondrialen Medizin (MitoMed),
Rolf Luft, entdeckte 1962, dass Mitochondriopathien nicht nur maternal
vererbt werden, sondern vorrangig im Laufe des Lebens erworben werden.
Die mt Erbanlage ist nicht wie die Kern-DNA durch Histone geschützt.
Außerdem weisen die Mitochondrien geringe mt DNA-Reparaturenzymaktivitäten
auf, damit addieren sich die sogenannten hits. Ab einem bestimmten Schwellenwert
( 60-80% geschädigter Mitochondrien) treten Störungen im betroffenen
Organ auf. Wir altern und erkranken daher vor allem in den Mitochondrien.
Ziel der MitoMed ist es, die Mitochondrien intakt
und funktionsfähig zu halten, und zwar in allen Organen. Dadurch
eröffnet sich ein enorm breites Präventiv- und Therapiespektrum.
Da Ubiquinon Q10 sich zentral innerhalb der mt
Atmungskette befindet und auch die gesamte Membrandynamik bestimmt, kommt
dieser Ursubstanz ein zunächst unvorstellbares präventives wie
therapeutisches Potential zu.
Zur energievermittelnden und antioxidativen Wirkung
kommen noch zahlreiche Biofunktionen hinzu: Wachstumskontrolle, programmierter
Zelltod (Apoptose), Steuerung der Ionenkanäle,
der Wasser- und Vitamin C-Pumpen, der Gap-Junctions, der Proteinfaltung
(-S-S-Brücken), der Vesikelbildung und -migration sowie die Sekretionskontrolle.
Untermauert wird diese Wirkungsvielfalt von Q10
durch Untersuchungen zur Gen-Expression von F. Döhring et al. In
einer Zellkultur von CaCo-2-Zellen (gastrointestinale Zellen) wurde untersucht,
wie viele Gene von etwa 10.000 Genen bei einer Q10-Gabe angeschaltet werden
und welche Proteine exprimiert
werden. Es wurden etwa 600 Gene angeschaltet, 80% der exprimierten
Proteine sind für die Signalverarbeitung, 60% für den Metabolismus
und 50% für die Vesikelbildung verantwortlich.
Dosierung und Sicherheit
von Coenzym Q10
Die Mitochondriale Medizin erfordert, dass die
eingesetzten Substanzen auch die Mitochondrien erreichen oder dass die
Bildung dieser physiologischen Substanzen in den Mitochondrien erfolgt.
So hat J. Schoenen et al 1998 (Neurology) gefunden, dass das mt BED von
Migräne-Patienten erst mit 400 mg Riboflavin behoben werden kann.
Die Resorptionsrate, die Halbwertzeit, die galenische
Formulierung, die Verbrauchsrate und die Verträglichkeit bestimmen
die Dosierung von Q10. Hinzu kommt noch, wie schnell man das mt BED beheben
muss. Will man Prävention betreiben oder muss akut gehandelt werden,
wie z.B. bei der Wiederbelebung nach Herzstillstand (M. Damian et al,
Circulation 2004).
Das Dosierungsspektrum erstreckt sich von 1 bis
12 mg/kg KG. Therapeutisch sind Q10-Nüchtern-Blutspiegel von mindestens
2,5 µg/ml notwendig. Der normale Blutspiegel liegt bei 0,85µg±0,15
µg/ml.
Oda konnte an 608 Kindern mit Herzklappenvorfall
die wirksame Q10-Blutkonzentration von 2,5 µg/ml mit einer Dosis
von mindestens 3 mg/kg KG erzielen.
Körpergewicht, physische und psychische Belastungen,
inflammatorische Prozesse, Diabetes, Statine, Chemotherapeutika, Bestrahlung
und Umweltgifte erhöhen den endogenen Verbrauch und damit den exogenen
Bedarf. Anfangs sollte mit einer höheren Dosis begonnen werden, damit
die Membranen mit Q10 gesättigt werden. Die Erhaltungsdosis kann
ermittelt werden, wenn nach einer Dosisreduktion 8 - 10 Tage weiter beobachtet
wird; die Halbwertzeit von Q10 liegt bei 30 bis 33 Std.
Da bei der MitoMed hohe Dosierungen der Substanzen
notwendig sind, ist die Verträglichkeit und Unbedenklichkeit der
Substanzen zu prüfen.
Folgende Anforderungen sind zu stellen:
biologische Herstellung
hoher Reinheitsgrad (HPLC)
Toxikologie (LD5O> 4.000 mg/kg Ratte; Maus)
Teratologie (> 600 mg/kg Ratte; Maus)
Stabilität
Vom jeweiligen Präparat sollte eine Human-Kinetik
vorliegen.
Bei den Hilfsstoffen sollte auf nicht-physiologische Emulgatoren
verzichtet werden.
Eine im Ringversuch getestete Q10-Blutbestimmungsmethode
sollte genutzt werden.
Q10 gilt bei diesen Voraussetzungen als äußerst
sicher und relativ wenig interaktiv mit Arzneimitteln. Ausgenommen sind
Thyroxin, Gerinnungs-hemmende Arzneimittel und Antiarrhythmika; hier empfiehlt
es sich, die Dosierung zunächst niedrig zu halten und dann zu steigern.
Da Q10 kaum metabolisiert wird, d.h. wieder intakt über den Stuhl
ausgeschieden wird, kann es auch bei Erkrankungen der Leber und Niere
angewandt werden.
Q10 wurde bereits 1974 in Japan und 1984 in Italien
als Arzneimittel für Herzinsuffizienz zugelassen. Bei angeborener
Mitochondriopathie wird es schon lange von Kinderärzten in hohen
Dosen (10 mg/kg KG) eingesetzt. Inzwischen wird es breit als Nahrungstherapeutikum
erfolgreich zur Prävention und begleitenden Therapie eingesetzt.
Durch sorgfältige klinische Evidenz-basierte Studien gewinnt Q10
immer mehr an Bedeutung für die Salutogenese.
Wer mit dieser Ursubstanz verantwortungsvoll umgeht,
wird die Bedeutung der Mitochondrien-Aktivierung und des Mitochondrienschutzes
für die Gesundheit ermessen können.

Prävention
Ziel sollte es sein, die Mitochondrien vor absehbaren
und unabsehbaren Schäden an der mt DNA und nuklearen DNA, an den
Proteinen und besonders an den Lipiden (Membranen) zu schützen. Hierzu
sind Q10-Reserven zu bilden. Dazu benötigt man 1-2 mg/kg KG ständig
oder ein bis zwei Wochen vor einer Belastung.
Leistungssport
Hierbei steht nicht die Leistungssteigerung im
Vordergrund, sondern der Schutz der Mitochondrien und die schnelle Regenerationsfähigkeit.
Bereits 1969 konnten Folkers und Enzmann bei Leistungssportlern
wie Marc Spitz stark erniedrigte Q10-Blutspiegel feststellen, die oft
eine hohe Infektanfälligkeit nach sich zogen. Im Wettstreit stehende
Athleten benötigen oft eine schnelle Q10-Bereitsstellung, z.B. mit
Nano-Q10.
Herz-Kreislauf
Es ist bedauerlich, dass Q10 in diesem
Bereich noch sehr selten richtig eingeschätzt und angewandt wird,
obwohl ausreichend Daten vorliegen, sogar Zulassungen.
Schroeder konnte zeigen, dass Q10 das Endothel ähnlich gut schützt
wie Statine (Cardiology 2005). Reperfusionsschäden nach Herzoperationen
können durch Vorbehandlung mit Q10 gemildert werden. (Rosenfeldt;
J Thorac Cardiovasc Surg 2005).
Eindrucksvoll konnte Damian et al (Circulation
2004) in einer doppelblinden Studie zeigen, dass sich die Überlebensrate
bei wiederbelebten Patienten nach Herzstillstand unter Nano-Q10 gegenüber
Placebo verdoppelte, nämlich 68% statt 29%.
Ein Hinweis auf den neuroprotektiven Effekt war
die Unterdrückung der S100- Anstiege unter Q10.
Statine und Q10
Die Cholesterin- und Q10-Biosynthese läuft
über die Mevalonsäure. Statine sind Mevalonsäureblocker
und können damit auch die Q10-Biosynthese hemmen. Dies konnte durch
Q10-Blutspiegelsenkungen gemessen werden. Obwohl die Statine selten zu
Nebenwirkungen führen, könnten doch Myalgien, Fatigue oder Rhabdomyolyse
auf einen Q10-Mangel zurückgeführt werden. Es wäre empfehlenswert,
den Q10-Blutspiegel unter Statinen abzuklären und gegebenenfalls
mit Q10 zu supplementieren (Look; AVP Arzneiverordnung in der Praxis 2004)
Neuroprotektion
Q10 erfüllt bereits fünf von sechs Anforderungen
an eine neuroprotektive Substanz, nämlich: Erhöhung der mitochondrialen
Atmung und der antioxidativen Kapazität, Hemmung der Glutamin-Excitotoxizität
und Hemmung der Ca++ und K+-Ionenkanalaktivität. Inwieweit Q10 auch
den Protein-Müll entsorgt, ist noch ungeklärt. Allerdings zeigt
eine Studie an Tieren, denen ein Herzinfarkt beigebracht wurde, dass unter
Q10-Gabe vermehrt Ubiquitin gebildet wird, das über die Proteosomen
Proteine wegräumt . Auch bei ischämischen Situationen sorgt
Ubiquitin über den Protein-Abbau für die schnellen Bereitstellung
von Aminosäuren, die für die Neubildung von Proteinen dringend
benötigt werden.
Migräne-Prophylaxe
J. Schoenen (Univ. Lüttich) postulierte, dass
der Migräne ein mt BED zugrunde liegen kann. Nachdem er mit Vitamin
B2 (Riboflavin ist ein Substrat für den mitochondrialen Komplex II)
bereits eine Wirkung nachweisen konnte, führte er zusammen mit Sandor
(Univ. Zürich) eine doppelblinde Studie mit 300 mg/d Nano-Q10 über
3 Monate durch. Es wurde eine signifikant überlegene Responderrate
(Halbierung der Anfallshäufigkeit) von 48% unter Nanoquinon (flüssiges
Q10) gegenüber 14% unter Placebo gefunden (Neurology 2005).
Altersbedingte Macula-Degeneration
(AMD)
Eine mitochondriale Fehlfunktion wird angenommen.
Richter (Univ. Zürich) entdeckte, dass durch eine Licht-induzierte
chemische Reaktion eine positiv geladene Verbindung gebildet wird, die
die Cytochrom-C-oxidase blockiert. Dadurch wird das Cytochrom C nicht
abgebaut, gelangt in die Zelle und setzt eine Apoptose in Gang. Diese
Blockade der Mitochondrien der Macula konnte er durch negativ geladene
Substanzen wie Cardiolipin oder durch negativ geladenes Nano-Q10 wieder
aufheben. Eine klinische Studie zu diesem aufregenden Befund legte Feher
et al vor (Opthalmologica 2005). Die Sehleistung verbesserte sich unter
einer
Kombination von Q10, Acetyl-Carnitin und Omega-3-Fettsäuren.
Mit Nano-Q10 konnte in Einzelfällen eine deutliche Verbesserung des
Visus erzielt werden, ein bisher für unmöglich gehaltener Effekt
und eine große Hoffnung für viele Betroffene.
Parodontitis, Aphthen
Schon 1969 fand G.P. Littarru einen Q10-Mangel
bei Gingivitis und Parodontitis. Durch Nano-Q10, das durch seine Partikelgröße
von nur 50 nm überall im Mund gut hingelangt, lässt sich folgendes
erzielen: eine geringere Blutungsneigung, eine schnellere Entzündungshemmung,
eine Taschentiefen-Verringerung, eine Zahnfestigung und schnelle Abheilung
von Aphthen und Wunden.
Krebs
Q10 dient der Operationsvorbereitung, die Wundheilung
wird beschleunigt.
Nebenwirkungen von Chemotherapeutika und Bestrahlung
können stark abgeschwächt werden; der Cardiotoxizität oder
Ototoxizität kann mit Q10 vorgebeugt werden.
Q10 fördert auch die Wasserstoffperoxid-Bildung
in den Krebszellen, die nur relativ wenig Katalase zur Abwehr bilden können.
Ein neuer Ansatz ist eine Redifferenzierung von Tumorgewebe über
den Einfluß auf die Mitochondrien der Krebszellen (Tallmann 2006).
Diabetes mellitus
Diabetes mellitus führt zu diabetischen Spätschäden,
zu Schäden in den Mitochondrien der betroffenen Organe: Nieren, Augen,
Herzmuskel, Gefäße und Nerven. Diese Schäden werden durch
eine übermäßige Bildung von Sauerstoffradikalen verursacht,
die durch eine latente Pseudohypoxie oder durch den inflammatorischen
Prozess einer Adipositas in Gang gehalten wird. Die Glykosilierung der
antioxidativen Enzyme SOD, GPx und Katalase reduziert die antioxidative
Kapazität zusätzlich.
Ein entstehendes Defizit von funktionsfähigen
Mitochondrien begünstigt wiederum die Insulinresistenz (Nair: Am.
J. Clin. Nutr. 2005). Auch das Ausbleiben der frühen Phase der Insulinsekretion
beim Metabolischen Syndrom wird als postprandiale Erkrankung angesehen.
Nach neuesten Erkenntnissen wird der ATP-getriebene K+-Ionenkanal, der
metabolische Sensor, durch mitochondriale Dysfunktion bei einer Diabetes-
oder Parkinson-Erkrankung aktiviert.
Somit wäre es sinnvoll, auch bei Diabetes
die Mitochondrien zu stärken und zu schützen. Die Insulin-Vesikelbildung
ließe sich durch Q10 verbessern, damit die frühe Insulin-Sekretionsphase
wieder einsetzt.

Weitere Möglichkeiten der
Q10-Anwendung
Q10 kann bei folgenden Erkrankungen eingesetzt werden:
Entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn)
Multiple Sklerose
Rheuma
Fibromyalgie
Entzündliche Hautkrankheiten (Neurodermitis, Psoriasis, Akne)
Nephropathien
Tinnitus
Zusammenfassung
Unsere Zellen werden vorrangig in den Mitochondrien
geschädigt. Die chronische Entzündung - welcher Ursache auch
immer - führt zu einem überdrehten Immunsystem und stellt somit
für die Mitochondrien eine große Gefahr dar. Die Energiegewinnung
für die Signalverarbeitung, für den Metabolismus oder die Vesikelbildung
läuft über Ubiquinon Q10. Es opfert sich zum Schutz der Gene,
Proteine und Membran-Lipide. Ein Q10-Defizit führt zum Bioenergetischen
Defizit (BED) und damit zu degenerativen Prozessen.
Mit nur wenigen physiologischen, mitochondrial
wirksamen Substanzen lassen sich Prävention und Therapie erfolgreich
durchführen.
Ubiquinon Q10 ist die bedeutendste der mitochondrial wirkenden Substanzen.
Wichtig sind die Dosierung und der Blutspiegel von Q10.


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