
Die klinische Anwendung von
Statinen und die damit verbundene
Verarmung an essentiellem Coenzym Q10
Eine
Überprüfung der Eignung für Menschen und Tiere
Peter
H. Langsjoen and Alena M. Langsjoen
1107 Doctors Drive, Tyler, Texas 75701, USA
Das Ausmaß
der Verarmung von essentiellem, d.h. für den Körper lebensnotwendigem
Coenzym Q10 (CoQ10) bei Patienten, die ein zunehmend beliebtes, cholesterinsenkendes
Arzneimittel erhalten, das als HMG-CoA-Reductase-Hemmer (Statine) bezeichnet
wird, hat von anfänglicher Sorge inzwischen zu einem Stadium geführt,
das es notwendig macht, Alarmsignale zu geben.
Durch immer stärkere Statin-Medikamenten und deren höhere Dosierungen,
dies mit dem Ziel, den LDL-Cholesterin-Spiegel zu senken, wird die steigende
Verbreitung und der zunehmende Schweregrad von CoQ10-Defiziten immer deutlicher
sichtbar.
Nach neuesten Schätzungen sind inzwischen 36 Millionen Amerikaner
Kandidaten für eine Statin-Behandlung. Statininduzierte CoQ10-Verarmungen
sind in 15 Tier-Studien dokumentiert worden und zwar bei sechs verschiedenen
Tierarten. Es wurde nachgewiesen, daß die ATP-Produktion des Körpers
abnahm (1), ischämische Reperfusionsschädigungen zunahmen (2)
und die Mortalitätsrate deutlich anstieg (3).
Inzwischen
liegen auch 15 veröffentlichte Studien bezüglich statininduzierter
CoQ10-Verarmung beim Menschen vor. Von diesen 15 Studien waren neun sog.
kontrollierte Studien; in acht dieser Studien wurde eine signifikante
statininduzierte Q10-Verarmung nachgewiesen.
Eine statininduzierte
CoQ10-Verarmung korreliert mit Einschränkungen der links ventrikulären
Funktion (4), einer Erhöhung des Verhältnisses Lactat (Salz
der Milchsäure; entsteht z.B. bei Muskelarbeit und Sauerstoffmangel)
gegenüber Pyruvat (Salz der Brenztraubensäure,
einem Endprodukt der Glykolyse) (5) und einem Verstärkungseffekt
der LDL-Cholesterin-Oxidation (6).
Die gegenwärtigen
Daten über diastolische Dysfunktionen bestätigen die klinische
Relevanz dieser Interaktion, die durch das Medikament (Statin) verursacht
werden (7).
Eine statininduzierte
CoQ10-Verarmung ist bei Menschen und Tieren gut dokumentiert; die abträglichen,
weitreichenden kardialen Folgen wurden sowohl beim Menschen als auch bei
Tieren hinreichend bewiesen. Das arzneimittelinduzierte Q10-Defizit ist
dosisabhängig (8) und zeigt sich insbesondere bei älteren Personen
(1) und bei Patienten, die unter einer Herzinsuffizienz (4) leiden.
Die durch
die Statin-Medikamente herbeigeführte Q10-Verarmung mit den beschriebenen
Folgen ist völlig vermeidbar durch die ergänzende Supplementierung
von Coenzym Q10 (4, 9); die cholesterinsenkende Wirkung (9) und die entzündungshemmenden
Eigenschaften der Statin-Medikamente (10) werden dadurch nicht beeinflußt.
Wir befinden
uns gegenwärtig im Zentrum "einer dekompensierten Herzinsuffizienzepidemie"
in den Vereinigte Staaten (11), deren Ursache oder Ursachen noch weitgehend
unklar sind.
Als Ärzte
ist es unsere Pflicht unbedingt sicher zu sein, daß wir nicht versehentlich
unseren Patienten Schäden durch den quasi Entzug der Substanz Coenzym
Q10 zufügen, die ungemein wichtig ist für eine normale Herzfunktion.
Literatur
1.
Diebold BA, Bhagavan NV, Guillory RJ. Influences of lovastatin administration
on the respiratory burst of leukocytes and the phosphorylation potential
of mitochondria in guinea pigs. Biochim Biophys Acta 1994 Jul 6;1200(2):100-8.
2. Satoh K, Yamato A, Nakai T, Hoshi K, Ichihara K. Effects of 3-hydroxy-3-methylglutaryl
coenzyme A reductase inhibitors on mitochondrial respiration in ischaemic
dog hearts. Br J Pharmacol1995Sep;116(2):1894-8.
3. Marz W, Siekmeier R, Muller HM, Wieland H, Gross W, Olbrich HG. Effects
of lovastatin and pravastatin on the survival of hamsters with inherited
cardiomyopathy. J Cardiovasc Pharmacol Ther 2000 Oct;5(4):275-9.
4. Folkers K, Langsjoen P, Willis R, Richardson P, Xia LJ, Ye CQ, Tamagawa
H. Lovastatin decreases coenzyme Q levels in humans. Proc Natl Acad Sci
U S A 1990 Nov;87(22):8931-4.
5. De Pinieux G, Chariot P, Ammi-Said M, Louarn F, Lejonc JL, Astier A,
Jacotot B, Gherardi R. Lipid-lowering drugs and mitochondrial function:
effects of HMG-CoA reductase inhibitors on serum ubiquinone and blood
lactate/pyruvate ratio. Br J Clin Pharmacol 1996 Sep;42(3):333-7.
6. Palomaki A, Malminiemi K, Metsa-Ketela T. Enhanced oxidizability of
ubiquinol and alpha-tocopherol during lovastatin treatment. FEBS Lett
1997 Jun 30;410(2-3):254-258.
7. Silver MA, Langsjoen PH, Szabo S, Patil H, and Zelinger A. Statin Cardiomyopathy?
A Potential Role for Co-Enzyme Q 10 Therapy for Statin-Induced Changes
in Diastolic LV Performance. (Abstract printed elsewhere in this volume)
8. Watts GF, Castelluccio C, Rice-Evans C, Taub NA, Baum H, Quinn PJ.
Plasma coenzyme Q (ubiquinone) concentrations in patients treated with
simvastatin. J Clin Pathol 1993 Nov;46(11):1055-7.
9. Bargossi AM, Battino M, Gaddi A, Fiorella PL, Grossi G, Barozzi G,
Di Giulio R, Descovich G, Sassi S, Genova ML, et al. Exogenous CoQ10 preserves
plasma ubiquinone levels in patients treated with 3-hydroxy-3-methylglutaryl
coenzyme A reductase inhibitors. IntJ Clin Lab Res 1994;24(3):171-6.
10. Wong B, Lumma WC, Smith AM, Sisko JT, Wright SD, Cai TQ. Statins suppress
THP-1 cell migration and secretion of matrix metalloproteinase 9 by inhibiting
geranylgeranylation. J Leukoc Biol 2001 Jun;69(6):959-62.
11. McCullough PA, Philbin EF, Spertus JA, Kaatz S, Sandberg KR, Weaver
WD. Confirmation of a heart failure epidemic: findings from the Resource
Utilization Among Congestive Heart Failure (REACH) study. J Am Coll Cardiol
2002 Jan 2;39(1):60-9.

Sponsorenlink |