Spirulina
platensis - weitaus mehr als nur Biomasse
für Sie gefunden in Naturheilpraxis
1. Vitamin- und Mineralstoffmangel trotz Überfluß: Warum
die Nahrung oft nicht ausreicht!
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Umfeld der Menschen grundlegend
gewandelt. Die veränderten Lebensbedingungen gehen vielfach mit negativen
Einflüssen auf unsere Gesundheit, bzw. mit einem erhöhten Krankheitsrisiko
einher. Der Bedarf an Mikronährstoffen, die im Stoffwechselgeschehen
z.B. als Cofaktoren von Enzymen und, im speziellen, im Rahmen der Abwehrmechanismen
eine Rolle spielen, ist heutzutage aufgrund der Vielfachbelastung erhöht.
In den Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr (Deutsche Gesellschaft
für Ernährung) wurden bislang nur Werte angegeben, die zur Verhütung
der klassischen Vitamin- bzw. Nährstoffmängel notwendig sind.
Die Zufuhrempfehlungen beziehen sich nur auf gesunde Personen und berücksichtigen
keine Risikogruppen. Die empfohlenen Tageswerte für eine optimale,
also über den Grenzwert eines Mangels hinausgehende Zufuhr bestimmter
Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind dagegen höher anzusiedeln.
Jedoch werden vielfach noch nicht einmal die DGE-Zufuhrempfehlungen realisiert.
Beispielsweise werden diese von den Bundesbürgern im Durchschnitt
bei der Folatzufuhr um 30% und beim Calcium und Zink um 20% unterschritten.
Die
DGE empfiehlt in ihren "zehn Regeln" für vollwertiges Essen
einen täglichen Verzehr von insgesamt 400 Gramm Gemüse, Salat
und Obst. Das nationale Krebsforschungszentrum und die Weltgesundheitsorganisation
WHO raten zu täglich 5 Portionen Obst und Gemüse. Von der Einhaltung
solcher Ernährungsempfehlungen ist der durchschnittliche Bundesbürger
weit entfernt:
Verzehrstudien
haben ergeben, daß Männer und Frauen im Schnitt 240 bis 250
Gramm Obst und/oder Gemüse konsumieren, womit die DGE-Empfehlung
um ca. 40% unterschritten wird.
Die
VERA-Studie (Verbundstudie Ernährungserhebung und Risikofaktorenanalytik,
1992), an der mehr als 2000 Erwachsene teilgenommen hatten, machte deutlich,
daß 10 bis 15% der Bundesbürger und 5-10% der Bundesbürgerinnen
nur selten Obst und Gemüse essen.
Wenn
man der Aufforderung des Rates im Bundesgesundheitsblatt von 1990 nachkommen
möchte, sich "saisongerecht" zu ernähren, also Obst
und Gemüse nur dann zu verzehren, wenn sie unter den Klimabedingungen
unserer Breiten erzeugt wurden, wird die Einhaltung dieser Empfehlung
besonders im Winter erschwert. Ein weiterer Aspekt, der die Versorgung
via Nahrung erschwert, betrifft ebenfalls die veränderte Umweltsituation:
die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Böden einerseits und
die Auswaschung derselben durch den sauren Regen andererseits haben dazu
geführt, daß unsere Nahrungsmittel an Mikronährstoffen
verarmt sind und eine optimale Zufuhr an Vitaminen, Mineralstoffen und
Spurenelementen auch aufgrund dieses Sachverhaltes nicht mehr gewährleistet
ist.
Eine
Supplementierung mit Nährstoffen ist besonders bei Fehlernährung,
Streß, bestehenden Risikofaktoren und außergewöhnlichen
Belastungen angezeigt. In diesem Zusammenhang ist die Mikroalge Spirulina
zu erwähnen, die sich durch ein reichhaltiges Spektrum an Vitaminen,
Mineralstoffen, Spurenelementen und einen hohen Eiweißgehalt auszeichnet.

2.
Spirulina - eine bemerkenswerte Mikroalge
Die
helixartig gedrehte, fadenförmige, bis zu 1 mm große blaugrüne
Spirulina platensis zählt zu den ältesten heute noch existierenden
Lebewesen. Sie gedeiht in stark alkalischen Seen (pH-Wert bis 11) in heißem,
subtropischem Klima, wie beispielsweise in Afrika, Asien und Mexiko. Sie
bevorzugt Wasser mit einer Temperatur von 32 °C bis 45 °C, kann
aber auch in einer Umgebung von 60 °C überleben und weist durch
diese extremen Wachstumsbedingungen, bei denen ansonsten kaum Lebewesen
existieren können, bereits auf ihre Einzigartigkeit hin. Die Spirulina
ist obligat photoautotroph, d.h., sie wandelt mit Hilfe des Sonnenlichtes
und ihren blauen (Phycocan) und grünen (Chlorophyll) Farbpigmenten
einfache Ausgangsstoffe wie Kohlendioxid und Wasser in organische, komplexe
Substanzen um. Durch diesen Prozeß versorgt sich die Alge selbst
mit der für die Stoffwechselvorgänge notwendigen Energie. Ihr
Wachstum ist, in Abhängigkeit von der Lichtintensität und der
Wärme, erstaunlich: innerhalb von zwei bis fünf Tagen kann sie
ihre Biomasse, die insgesamt ein komplexes Nährstoffspektrum aufweist,
verdoppeln. Für Spirulina läßt sich eine weit zurückreichende
Verwendung als Nahrungsmittel verfolgen: bereits die Azteken Zentralmexikos
schätzten vor mehr als 1000 Jahren die nährstoffreiche Algenkost.
Auch in unserem Jahrhundert wurde über den Verzehr der Mikroalge,
beispielsweise bei Angehörigen des Kanembustammes in Zentralafrika,
berichtet. Gegenwärtig ist die Mikroalge aufgrund ihrer Potenz zur
Massenkultivierung und ihres proteinreichen Nährstoffprofils als
Nahrungsmittel zur Bekämpfung des Hungers in der Dritten Welt in
der Diskussion.
3.
Hochwertiges, leicht verdauliches Eiweiß in konzentrierter Form
Proteingehalte (%) verschiedener Nahrungsmittel im Vergleich
Spirulina
65 - 70
Sojabohnen 33 - 39
Eier 10 - 25
Rindfleisch 18 - 20
Fisch 20
Weizen 6 - 10
Reis 5 - 10
Spirulina platensis weist mit bis zu 65% Protein einen hohen Eiweißgehalt
auf, wie er seinesgleichen in der Tier- und Pflanzenwelt sucht. Jedoch
auch die Qualität dieses Proteins entspricht allen Anforderungen,
die an ein hochwertiges Eiweiß zu stellen sind; dieses sollte möglichst
alle essentiellen (lebens- und zufuhrnotwendigen) Aminosäuren enthalten,
der Verdauung gut zugänglich sein und eine gute Verfügbarkeit
der Aminosäuren gewährleisten. Die blaugrüne Alge enthält
alle acht essentiellen Aminosäuren: Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin,
Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin und zeichnet sich somit durch
ein biologisch komplettes Proteinmuster aus. Zur Ermittlung der Proteinwertigkeit
wird üblicherweise der Wachstumswert (Protein Efficiency Ratio =
PER) im Tierversuch bestimmt. Die PER gibt die Massenzunahme eines wachsenden
Tieres im Verhältnis zum verfütterten Protein an. Eine weitere
Möglichkeit zur Qualitätsbeurteilung eines Nahrungsproteins
ergibt sich durch die Bestimmung der Nettoproteinverwertung (Net Protein
Utilisation = NPU), die als Quotient zwischen tatsächlich im Körper
zurückgehaltenen (Protein-) Stickstoff und der Stickstoffaufnahme
definiert ist.
Vergleichende
Untersuchungen mit anderen pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln
und der Vergleich mit hochwertigen Referenzproteinen (z.B. Casein oder
Hühnereiweiß) zeigen, daß die Alge Spirulina auch ohne
Vorbehandlung (z.B. Erhitzung) eine hohe ernährungsphysiologische
Proteinwertigkeit aufweist. Die gute Verdaulichkeit des Spirulina-Eiweißes
hängt eng mit dem biochemischen Aufbau der Mikroalge zusammen: anders
als bei anderen Algenarten besteht die Zellwand nicht aus unverdaulicher
Zellulose, sondern aus Muropeptidbausteinen. Dadurch können die Algen
im Verdauungstrakt leicht aufgeschlossen und die Algeninhaltsstoffe der
Resorption zugänglich gemacht werden.
Interessant
sind, im Rahmen ökologisch orientierter Überlegungen, auch Berechnungen
zum Energieaufwand und zum Wasserverbrauch für die Bereitstellung
an Proteinen. So müssen beispielsweise zur Gewinnung von 1 Kilogramm
tierischem Protein durchschnittlich 7 Kilogramm pflanzliches Protein aufgebracht
werden. Im Vergleich zum Energie- und Wasseraufwand für die Bereitstellung
vergleichbarer Eiweißmengen aus tierischen oder anderen pflanzlichen
Lebewesen schneidet die Spirulina bei weitem am besten ab, womit dieser
Mikroalge auch eine ausgezeichnete Umweltverträglichkeit bescheinigt
werden kann.
4.
Spirulina bietet eine Fülle an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen!
Spirulina platensis enthält die komplette Reihe der B-Vitamine sowie
Vitamin E und diverse Carotinoide. Bemerkenswerterweise kommt in dieser
Alge eine vergleichsweise große Menge an Vitamin B12 vor, das ansonsten
nur von Mikroorganismen synthetisiert werden kann. Die Diskussion um die
biologische Verwertbarkeit des Cobalamins aus Spirulina konnte mit der
direkten Nachweisbarkeit der Aktivität des Vitamin B12 beendet werden.
Die biologische Aktivität dieses Vitamins wurde beispielsweise für
die Spirulina platensis durch Professor Leitzmann, Universität Gießen
nachgewiesen. Besonders hervorzuheben ist auch der relativ hohe Gehalt
an natürlichem Beta-Carotin. Spirulina enthält, beispielsweise,
pro Gramm Trockengewicht zehnmal soviel Beta-Carotin wie die Karotte und
zählt damit zu den Beta-Carotin-reichsten auf der Erde verfügbaren
Nahrungsmitteln. Diese Substanz ist nicht nur als Provitamin A, sondern
auch als wichtiges Antioxidans von Bedeutung. Die Ergebnisse einer Vielzahl
epidemiologischer Studien weisen auf eine inverse Korrelation zwischen
der Herz-Kreislauf-Inzidenz und nahezu allen Krebsarten hin. Einzelne
Studien lassen allerdings an einer sinnvollen Supplementierung von reinem,
synthetischem Beta-Carotin Zweifel aufkommen. Die aktuelle Empfehlung
lautet daher Beta-Carotin im natürlichen Carotinoidverband zuzuführen.
Die vom Nationalen Krebsinstitut in den USA empfohlene Zufuhrdosierung
von 6 mg Beta-Carotin/ Tag wird üblicherweise bei weitem nicht erreicht.
Hier kann auch die Bioverfügbarkeit des Provitamins aus Obst und
Gemüse eine Rolle spielen. So wird beispielsweise das Beta-Carotin
aus rohen Möhren nur zu knapp 10% vom Körper aufgenommen, da
die Wurzelzellen der Karotten aus unverdaulichen Zellulosemembranen bestehen
und die Carotin-Kristalle im Inneren von den Verdauungssäften nicht
erreicht und damit unverändert ausgeschieden werden.
Spirulina
platensis ist ebenso reich an Mineralstoffen, vor allem Calcium, Magnesium,
Phosphor, Zink und Kalium. Eisen liegt in dieser Mikroalge nicht wie bei
pflanzlicher Kost sonst üblich in der schlecht verwertbaren dreiwertigen,
sondern in der sehr viel besser bioverfügbaren zweiwertigen Form
vor.
Ein
Vergleich mit handelsüblichen Eisenpräparaten im Tierversuch
ergab für das Spirulina-Eisen eine um 60% erhöhte Resorptionsrate.
Eine Studie mit Frauen, die an einer Eisenmangel-Anämie litten, zeigte
ebenfalls innerhalb weniger Wochen einen Erfolg. Schließlich sind
in der blaugrünen Alge auch Spurenelemente wie Mangan oder Selen
enthalten, die für den Organismus als Bestandteil von (z.B. antioxidativ
wirksamen und entgiftenden) Enzymen notwendig sind.
Als
weitere Spirulina-Inhaltsstoffe wären die Glyko- und Sulfolipiden
zu erwähnen, die aufgrund ihrer antiviralen Wirksamkeit in der AIDS-Forschung
Beachtung gefunden haben. Ebenso sollte noch der relativ hohe Gehalt an
Linolsäure und Gamma-Linolensäure hervorgehoben werden, die
nicht nur gefäßprotektive Effekte aufweisen, sondern auch als
Ausgangsstoffe für die Synthese von Entzündungsmediatoren vonBedeutung
sind.

5.
Spirulina in der Forschung
Mittlerweile
weisen mehrere Studien auf protektive bzw. therapeutische Effekte hin!
1983 wurde erstmals über eine Senkung des Gesamtcholesterinspiegels
durch Spirulina berichtet. Mehrere Untersuchungen folgten, die diesen
Effekt bestätigten. 1988 wurde in Japan eine Studie durchgeführt,
die bereits nach einer vierwöchigen Substitution mit Spirulina auf
eine Reduktion des LDL-Cholesteringehaltes und eine deutliche Verbesserung
des atherogenen Index hinwies. In Zusammenhang mit einer möglichen
krebspräventiven Wirkung sind in erster Linie die Spirulina-Carotinoide
und das Farbpigment Phycocyanin zu nennen. Erstere spielen nicht nur als
Radikalfänger eine Rolle, sondern sind auch im Bereich der Zell-Zell-Kommunikation
von Bedeutung: Carotinoide aktivieren die genetische Expression bestimmter
Proteine, die über sog. "gap junctions" den Austausch von
Signalen und Botenstoffen benachbarter Zellen gewährleisten und damit
das Wachstum der Zelle kontrollieren. Phycocyanin, eines der ältesten
Farbpigmente der die Erde bewohnenden Lebewesen, gilt, aufgrund einiger
Studien, als Immunstimulans. So erwies sich in einer japanischen Untersuchung
die Verabfolgung des aus Spirulina isolierten Phycocyanins an tumorbefallene
Tiere im Vergleich zu einer Kontrollgruppe als lebensverlängernd.
Die mit Phycocyan behandelten Tiere zeigten außerdem bereits nach
wenigen Wochen eine höhere Lymphozytenaktivität als die nichtsubstituierten
Tiere.
Aufsehenerregende
Hinweise auf eine strahlenprotektive Wirkung durch Spirulina erbrachte
eine Untersuchung mit Tschernobyl-Kindern, die in den Jahren 1996 und
1997 in Weißrußland durchgeführt wurde. An der Untersuchung
nahmen Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren teil, die ständig die
in dieser Region produzierten radioaktiv verseuchten Nahrungsmittel konsumieren,
wodurch besonders deren Gastrointestinaltrakt einer permanenten niedrigen
Strahlenbelastung ausgesetzt ist. Die Kinder litten demzufolge vielfach
an chronischer Gastritis oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren.
Außerdem wiesen alle Probanden Immunschwächen, fast 95% Schilddrüsenerkrankungen
und 53% Veränderungen im Blutbildungssystem auf. Während einer
Studiendauer von 21 Tagen wurden in zwei Gruppen Spirulina platensis bzw.
Spirulina platensis in Kombination mit Selen/Spirulina (hefefrei)zugeführt.
Im
Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die substituierten Kinder eine Normalisierung
der immunologischen Parameter und eine erhöhte renale Ausscheidungsrate
radioaktiver Elemente. Gleichzeitig wurde eine Verbesserung der Nahrungsverdauung
und -verwertung und mittels endoskopischer Untersuchungen ein Abklingen
der Magen- Darm-Entzündungen beobachtet. Die Kinder der Verum-Gruppe
wiesen außerdem ein besseres Allgemeinbefinden und eine gesteigerte
Gedächtnisleistung und Lernfähigkeit auf.
Positive
Effekte durch Spirulina sind auch in bezug auf Diabetes, Übergewicht
und Bluthochdruck publiziert worden. Ebenso wurde in Zusammenhang mit
nephrotoxischen Substanzen (Schwermetalle, Medikamente) ein Schutz vor
Nierenschädigung durch Spirulina beschrieben.
Abschließend
ist festzuhalten, daß für Spirulina eine ganze Reihe interessanter
Studienergebnisse vorliegen, die auf therapeutische Wirksamkeiten schließen
lassen. Diese sollten Anlaß für weitergehende Untersuchungen
sein. Mit Sicherheit bietet diese Mikroalge allerdings eine sinnvolle
Nahrungsergänzung bei einseitiger oder Fehlernährung, Fastenkuren
und Diäten, in der Rekonvaleszenz und bei Umweltbelastung und versorgt
den Organismus mit wichtigen Mikronährstoffen, deren ausreichende
Zufuhr auch aufgrund von Lebensmittelverarbeitungs- und -zubereitungsprozessen
via Nahrung allein oft nicht mehr gewährleistet ist.


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