Die
Autorin der Studie "The importance of selenium to human health," (The
Lancet, Volume 356, Number 9225), Margaret Rayman, Professor of
nutritional medicine at the University of Surrey in Guildford, England,
begann sich vor mehreren Jahren intensiv mit Selen zu befassen, nachdem
sie erkannt hatte, daß niedrige Selenspiegel insbesondere bei schwangeren
Frauen ein gemeinsamer Nenner waren.
Ihre
Untersuchungen führten zu der Erkenntnis, daß in England und
im übrigen Europa der Selengehalt der Böden und die Körperselenspiegel
der Bevölkerung im allgemeinen extrem tief waren; dies verglichen
mit anderen Regionen auf der Welt. Rayman fand heraus, daß sich
die Selenaufnahme durch die normale Nahrung in den letzten zwei Jahrzehnten
um 50% reduziert hatte und daß dies offensichtlich mit den niedrigeren
Weizenimporten aus den Vereinigten Staaten (EU-Reglementierung)
zusammenhing.
Zusätzlich
zur Erkenntnis des Zusammenhangs einer niedrigen Selenaufnahme mit Fehlgeburten,
männlicher Infertilität, Gemütsproblemen, Schilddrüsenerkrankungen,
kardiovaskulären Erkrankungen und Arthritis entdeckte Rayman auch,
daß Selen eine Schlüsselrolle bei Virusinfektionen spielt.
Vor allem können höhere Selenspiegel helfen, die Vermehrung
des HIV-Virus zu verlangsamen. Sie fand als eines der Ergebnisse ihrer
Studie heraus, daß AIDS- Patienten mit Selentiefstwerten ein 20
mal höheres Risiko haben, an einer AIDS-gebundenen Erkrankung zu
sterben, als jene mit normalen Selenspiegeln.
Selenreiche Lebensmittel wie Nieren, Leber, Meeresfrüchte und
Nüsse können offensichtlich den Selenbedarf nicht ausreichend
abdecken. Die nordamerikanischen Böden hingegen sind selenreicher
und somit haben auch die Ernten, die dort eingebracht werden, höhere
Selengehalte.
In
den Vereinigten Staaten gilt als Empfehlung, maximal 400 Mikrogramm Selen
pro Tag aufzunehmen. In bestimmten Regionen der USA, so z.B. in den östlichen
Küstenbereichen, wird dies aber bei weitem nicht erreicht, so daß
eine zusätzliche Aufnahme von Selen als sinnvoll angesehen wird.
In
Bezug auf die Schilddrüse ist Selen Komponente eines Enzyms, das
notwendig ist, T4 in T3 peripher umzuwandeln, mit der Konsequenz, daß
Selenmagel die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt und Hypothyreoidismus
fördern kann. Nach den Ausführungen im New England Journal kann
ein Selendefizit zu einer Schilddrüsenfunktionsstörung und verminderter
Trijodthyronin-Produktion führen (reduzierte periphere
T3 Produktion). Einige Wissenschaftler haben belegt, daß
niedrige T3-Spiegel charakteristisch in Gebieten mit niedrigem Selenspiegeln
sind.
Verschiedene
Wissenschaftler vertreten die Auffassung, daß es eine virale Komponente
oder einen viralen Auslösemechanismus zu bestimmten Autoimmunbedingungen,
wie der Hashimotos Krankheit, gibt; dies macht Selen aufgrund seiner antiviralen
Eigenschaften noch interessanter, insbesondere im Zusammenhang mit der
Behandlung und Verhinderung von Schilddrüsenerkrankungen. Weiteren
in diese Richtung weisenden Forschungsergebnissen sollte man mit großem
Interesse entgegen sehen.
Schlußfolgerungen: Wichtig für Schildrüsenpatienten
ist, daß sie genug, aber nicht zuviel Selen bekommen. Es ist sinnvoll,
bei Schilddrüsenproblemen den Selenspiegel messen zu lassen. Ist
er unter dem Normalwert, sollte Selen als Nahrungsergänzung zugeführt
werden - nach Möglichkeit immer als organisches Selen (Selenomethionin)
und nicht als anorganische Form (z.B. Selenit).
Die Praxis hat gezeigt, daß normalisierte Selenspiegel die Schilddrüsenprobleme
in aller Regel wieder verschwinden lassen.