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Selen gegen Infarkt
und Krebs?
Selen beflügelt die Gesundheitsphantasien: Kann man sich mit einer
Extraration des beliebten Spurenelements tatsächlich vor Herzinfarkt
und Krebs schützen? Oder gefährdet eine solche Kostzulage gar
das Wohlbefinden? Ein Ernährungsexperte aus Paderborn verschafft
den Überblick.
Selen hat in den letzten Jahren einen enormen Wandel
durchgemacht: Während das Element 1930 noch für hoch toxisch
gehalten wurde, gilt es seit 1957 als essentielles Spurenelement, 1964
wurden ihm dann sogar antikarzinogene Eigenschaften zugesprochen. Biochemiker
haben mittlerweile insgesamt 14 Selenocystein-haltige Proteine identifiziert,
die über antioxidatives Potenzial verfügen, wie Professor Dr.
oec. troph. Helmut Heseker, Universität Paderborn, auf der 24. Würzburger
Fortbildungsveranstaltung Ernährung und Diätetik erklärte.
Senioren droht Mangel
Natürliche Selenquellen in unserer Ernährung
sind vor allem Fleisch (10 µg/100 g), Fisch
(20 bis 60 µg/100 g) und Eier. In Fleisch
und Eiern liegt es allerdings zu etwa 85% in der Form des anorganischen
Selens vor, da dies bei der Aufzucht zugefüttert wird. In Hülsenfrüchten
und Buchweizen ist natürliches Selen enthalten. Je höher der
Selengehalt des Bodens, um so mehr Selen enthalten die Pflanzen. Hier
zu Lande sind die Böden zwar deutlich selenärmer als in den
USA oder Kanada. Ein ausgesprochenes Selenmangelgebiet ist Deutschland
im Gegensatz zu Finnland, Neuseeland und Teilen Chinas aber noch nicht,
stellte Prof. Heseker klar.
Bei einer ausgewogenen Ernährung korreliert
die Selenzufuhr direkt mit der Energieaufnahme. Sinkt die Kalorienaufnahme
deutlich unter 2000 kcal/Tag, kann eine Unterversorgung eintreten. Ein
besonderes Risiko tragen Personen mit sehr einseitiger Ernährung
oder mit Absorptionsstörungen. Aber auch alte Leute, die wenig essen,
Dialysepatienten und parenteral Ernährte sind gefährdet.
Selen wird im oberen Dünndarm aufgenommen,
wobei die Absorption von organischem Selen mit ca. 95 % erstaunlich
hoch ist, so der Experte. Es gelangt in Leber und Nieren, der größte
Selenspeicher ist jedoch die Muskulatur. Dabei kann der Körper nur
Selenocystein verwerten. Anders, nämlich deutlich schlechter, steht
es mit der Verwertung von anorganischem Selen im Körper.
Höchstens 400 µg pro
Tag
Wie sieht es mit dem Selennachweis im Körper
aus? Man kann das Spurenelement im Serum oder - als Maß für
die langfristige Aufnahme - in Erythrozyten messen. Vor den beliebten
Haaranalysen zur Selenbestimmung warnte Prof. Heseker ausdrücklich,
da die Ergebnisse durch Tönen, Färben und Haarpflegemittel verfälscht
werden. Zum notwendigen Selen-Bedarf gibt es bisher nur Schätzwerte:
Für Erwachsene liegt der Wert bei 30 µg bis 70 µg Selen
pro Tag. Weil die zehnfach höhere Dosis bereits zu akuten Vergiftungserscheinungen
führen kann, hat man als Obergrenze 400 µg Selen/Tag festgelegt;
dies allerdings nur bei anorganischem Selen.
Wie eine Vergiftung konkret aussieht, konnten Kollegen
in Amerika beobachten: Eine Frau hatte 2,4 g Selen eingenommen und die
Intoxikation überlebt. Ab 3,2 mg kann bereits zu einer akuten Intoxikation
kommen, bei chronischer Einnahme können bereits 0,6 bis 0,8 mg Selen
(anorganisch) täglich zu Vergiftungserscheinungen
führen. Die Symptome reichen von knoblauchartigem Atemgeruch, Haarausfall,
Durchfall, und Verlust der Fingernägel bis hin zu Neuropathie Herzinsuffizienz
und Leberzirrhose.
Zwar weisen vielversprechende Untersuchungen
darauf hin, dass eine erhöhte Aufnahme von Selen vor Herzinfarkt
und Krebserkrankung schützt sowie Störungen im Immunsystem vorbeugt.
Doch fehlen bislang in Deutschland plazebokontrollierte Doppelblindstudien,
um die Wirksamkeit am Menschen zu belegen, bemängelte Prof. Heseker.(Anmerkung:
Amerikanische und japanische Studien liegen in ausreichender Zahl vor.)
Er empfiehlt daher die Einnahme von Selentabletten zur Zeit (noch) nicht
und warnt vor einer überhöhten Zufuhr des Spurenelements.
Bericht vom 24. Würzburger Fortbildungsveranstaltung
Ernährung und Diätetik
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Über die Bedeutung
dieses wirklich essentiellen Spurenelements in der heutigen Ernährung
und seine Bedeutung für Krankheit und Gesundheit, soll zunächst
die antikanzerogene Wirkung des Selen nachfolgend aufgezeichnet werden,
sodann die elementaren wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit
Literaturhinweisen in den beiden aufgezeigten "links".
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Antikanzerogene Wirkungen
von Selen
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Verlangsamung aller Phasen der Zellteilung
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Schutz der Zellmembranen und anderer Zellbestandteile
vor peroxidativen Schädigungen
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antimutagene Wirkungen durch Änderung
des Metabolismus von krebserzeugenden Verbindungen
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vor Strahlen schützende
Wirkungen
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Entgiftung toxischer bzw. krebserzeugender
Schwermetalle
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antivirale
Wirkungen
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Verbesserung der zellulären und humoralen
Immunabwehr
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Modulierung der Lymphozytenproliferation
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Leberschutzstoff
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Einwirkung auf den Glutathionstoffwechsel
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Wirkungen auf das endokrine System
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greift in den Methylgruppenstoffwechsel
ein
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Wirkungen auf die Produktion von Zytokinen
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Inaktivierung von onkogenen Gensegmenten
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Änderung der Oberflächeneigenschaft
der Zellen
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Normalisierung der Apoptoseeigenschaften
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prooxidative Wirkungen
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Computer animiertes
Modell der Glutathion-Peroxidase. Der gelbe Punkt zeigt das für
die Aktivität des Enzyms notwendige Selen.
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