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Schilddrüse
braucht Schutz vor gefährlichem Wasserstoffperoxid
Die
Schilddrüse produziert ein ganzes Leben lang das Zellgift Wasserstoffperoxid,
weil sie nur mit dessen Hilfe die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone
bilden kann. Trotzdem bleibt sie normalerweise intakt und erfüllt
bei ausreichender Jodversorgung ihre Funktion reibungslos. Wie aber schützt
sich die Schilddrüse vor dem gefährlichen Wasserstoffperoxid?
Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Universität Würzburg
nach.
Im
Mittelpunkt der Untersuchungen, die das Team um den Hormonforscher Prof.
Dr. Josef Köhrle in der Abteilung für Molekulare Innere Medizin
der Medizinischen Poliklinik durchführt, stehen die so genannten
Selenoproteine. Von rund 50 bei Säugetieren vermuteten Proteinen,
die das lebenswichtige Spurenelement Selen als zentrales Funktionsprinzip
enthalten, sind bislang nur 15 genauer bekannt.
Die
menschliche Schilddrüse hat von allen Organen den höchsten Selengehalt.
Ein gleichzeitiger schwerer Mangel an Jod und Selen führt gleich
nach der Geburt zu einer stark ausgeprägten Wachstums- und Entwicklungsstörung.
Diese ist auf eine Vernichtung des Schilddrüsengewebes durch Wasserstoffperoxid
zurückzuführen, denn das Zellgift wird bei großem Jodmangel
in der Schilddrüse verstärkt gebildet. Normalerweise wird es
dann unter anderem durch selenhaltige Enzyme zerstört, doch wenn
dem Körper zu wenig Selen zur Verfügung steht, kann der Überschuss
an Wasserstoffperoxid nicht abgebaut werden.
Neben
den Enzymen, die das Wasserstoffperoxid vernichten, bildet die Schilddrüse
noch mindestens vier weitere Selenoproteine. Prof. Köhrle: "Offensichtlich
kann nur das koordinierte Zusammenspiel dieser Proteine mit der durch
die Hormone der Hirnanhangsdrüse sehr fein und exakt regulierten
Produktion von Wasserstoffperoxid die lebenslange Synthese von Schilddrüsenhormonen
garantieren und die Zerstörung der Schilddrüse verhindern."
Mit
den molekular- und zellbiologischen Mechanismen, die hieran beteiligt
sind, befassen sich Prof. Köhrle und sein Team im Rahmen eines neu
eingerichteten Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG). Ihre Untersuchungen führen die Würzburger Wissenschaftler
an Zellkulturmodellen und an Präparaten durch, die bei Kropf- und
Schilddrüsentumor-Operationen gewonnen wurden. Nach Aussage von Prof.
Köhrle gibt es bereits Hinweise darauf, dass eine unzureichende und
nicht ausgeglichene Versorgung mit den Spurenelementen Jod und Selen an
der Entstehung der häufigsten Tumore hormonbildender Drüsen,
nämlich der Schilddrüsenkarzinome, und auch an der Entwicklung
von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse beteiligt ist.
Prof.
Köhrle empfiehlt daher dringend, auf eine ausreichende Jodversorgung
zu achten: Man solle zwei Mal pro Woche Meeresfrüchte oder Seefisch
essen und ausschließlich jodiertes Speisesalz verwenden. Dieser
Rat gelte vor allem Personen, die sich mit Vollwertkost oder vegetarisch
ernähren und die, so der Professor, "vermeintlich gesundes"
Meersalz verwenden: Dieses enthalte viel zu wenig Jod, und eine nicht
ausreichende Jodversorgung führe zu einer "oxidativ gestressten"
Schilddrüse: Diese verbrauche mehr Selen, wachse und werde stärker
durchblutet, bleibe daher nicht so lange funktionsfähig und werde
eher durch Wasserstoffperoxid zerstört.


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