
Kombination
von Hypothermie mit Coenzym Q10 erhöht
Überlebensrate nach Herzstillstand
M.S.Damian,
D.Ellenberg, R.Gildemeister, J.Lauermann, G.Simonis, W.Sauter, C.Georgi
Centre for Neurosciences, University of Melbourne, Australia, Departments
of Neurology,
Cardiology, Cardiothoracic Surgery, University of Dresden, Germany
Einführung:
Die kardiopulmonäre Reanimation (CPR) wird pro Jahr ca. 375.000
mal in Europa durchgeführt (1). Nur etwa ein Drittel der CPR verläuft
erfolgreich. Hauptsächlich wegen zerebraler Hypoxie und Reperfusionsschädigungen
können weniger als 10% der Überlebenden ihren Lebensstil in
gewohnter Weise fortführen. In zwei neueren Studien wurde gezeigt,
dass therapeutisch angewandte Hypothermie die Überlebensrate nach
CPR erhöhen kann (2,3). Versuche, mit pharmakologischen Mitteln
eine Neuroprotektion zu erreichen, waren bisher nicht erfolgreich (4,5,6,7).
Das gut verträgliche Coenzym Q10 (CoQ10) hat bei neurodegenerativen
Erkrankungen protektive Wirkungen hervorgerufen (8,9,10). Wir untersuchten,
ob die Kombination einer sanften Hypothermie mit hochdosiertem CoQ10
die Überlebensrate nach abseits des Krankenhauses eingetretenem
Herzstillstand erhöhen kann.
Methoden:
In der Zeit zwischen Januar 2000 und Juni 2001 wurde nach Einverständnis
durch das zuständige Ethikkomitee an der Universität Dresden
eine placebokontrollierte, randomisierte klinische Doppelblind-Studie
durchgeführt. Einschlusskriterien waren: Alter zwischen 18 und
80 Jahren, bestätigter Herzstillstand, Koma nach Wiedererlangen
der spontanen Perfusion, Absenz bekannt gewordener neurologischer Erkrankungen
sowie Schwangerschaft, Hospitalisierung innerhalb von 6 Stunden nach
CPR. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einer Behandlungsgruppe
mit Hypothermie und CoQ10 oder Hypothermie und Placebo zugeteilt.
Eine sanfte Hypothermie bei einer Kerntemperatur von 35 Grad Celsius
wurde über 24 Stunden durchgeführt. Entweder flüssiges
CoQ10 (Sanomit®) oder Placebo wurden zunächst mit einer Startdosis
von 100 Tropfen (= 250 mg CoQ10) mittels Nasen-Schlund-Sonde verabreicht,
gefolgt von einer Erhaltungsdosis von 60 Tropfen (= 150 mg CoQ10) t.i.d..
Neurologische Untersuchungen erfolgten an den Tagen 0, 1, 3 und 5 sowie
90 Tage nach CPR und schlossen klinische Untersuchungen, EEG, evozierte
Potentiale (SSEP) sowie neuropsychologische Test ein.
Das Serum S100-Protein wurde am Tag 0, 1 und 5 bestimmt. Die statistische
Auswertung erfolgte mittels SPSS 10,0 nach gepaartem und ungepaartem
t-Test sowie der Varianzanalyse. Hierbei wurden in der Verum- und Placebo-Gruppe
die Überlebensrate auf der Intensivstation und nach 3 Monaten,
der sogenannte Glasgow Outcome Scale (GOS) nach 3 Monaten, SSEP-Befunde,
S100-Spiegel sowie der arterielle Blutdruck und die Katecholamindosen
am Tag 0 und 5 verglichen.
Ergebnisse:
Von insgesamt 50 Patienten nach dem Zufallsprinzip gleichmäßig
auf die Behandlungsgruppen verteilten Patienten wurden 49 in die statistische
Auswertung einbezogen; ein Patient wurde wegen Prüfplanverletzung
ausgeschlossen. Beide Gruppen waren hinsichtlich ihrer Ausgangswerte
(Alter, Geschlecht, Vorerkrankung, Etiologie des Herzstillstandes, Bedingungen
der CPR, Schweregrad der Hypoxie) vergleichbar.
Im Zusammenhang mit der Studienmedikation traten keinerlei Nebenwirkungen
auf. In den Gruppen gab es keine Unterschiede in der Katecholamindosierung,
mit Ausnahme einer höheren Gabe in der CoQ10-Gruppe am Tag 3, keine
Unterschiede im MAP während der Behandlung.
Den Aufenthalt auf der Intensivstation überlebten in der CoQ10-Gruppe
21 der 25 Patienten (85%), in der Placebo-Gruppe 17 von 24 Patienten
(70%). Die Überlebensrate nach 3 Monaten unterschied sich drastisch.
Sie betrug 17 von 25 (68%) in der Q10-Gruppe, aber nur 8 von 24 (33%)
unter Placebo. Von den CoQ10-Patienten überlebten 9 die CPR mit
gutem neurologischen Befund bzw. waren neurologisch unversehrt (GOS
4 oder 5), im Unterschied zu lediglich 5 Placebo-Patienten. S100-Serum-Spiegel
waren in der CoQ10-Gruppe am Tag 1 signifikant geringer (0,47 vs. 3,5
ng/ml). Bei den unversehrt Überlebenden (GOS 4 oder 5) war in der
CoQ10-Gruppe das durchschnittliche N20/NB 13 Amplitudenverhältnis
am Tag 5 signifikant erhöht.
Schlussfolgerung:
CoQ10 scheint eine neuroprotektive Wirkung zu entfalten, die die
Überlebenschance erhöht und den neurologischen Status der
Überlebenden bessert, wenn es unmittelbar nach CPR zusammen
mit einer sanften Hypothermie verabreicht wird. Biochemische und elektrophysiologische
Befunde legen nahe, dass CoQ10 Reperfusionsschäden nach Hypoxie
vermindert und neuronale Schäden verzögert, ohne das Risiko
von Nebenwirkungen. In Zukunft sollte bei Intervention nach CPR neuroprotektiven
Ansätzen ein grösseres Gewicht beigemessen werden.
| |
Placebo |
Sanomit®-Q10 |
| keine/minimale
Behinderung |
4 |
7 |
| mässig
behindert |
1 |
1 |
| schwer
behindert |
1 |
1 |
| persistierende
Behinderung |
2 |
1 |
| verstorben |
16 |
8 |
Literatur:
1. de Vrede-Swagemakers JJ, Gorgela AP, Dubois-Arbouw WI, et al. J Am
Coll Cardiol 1997; 30: 1500-1505
2. Bernard SA, Gray TW, Buist MD, et al. N Engl J Med 2002; 346: 557-563
3. Hypothermia After Cardiac Arrest study group, N Engl J Med 2002;
346: 549-556
4. Brain Resuscitation Clinical Trial I Study Group, N Engl J Med 1986;
314: 397-403
5. Jattrembi M, Sutton-Tyrrell K, et al. JAMA 1989; 262: 3427-3430
6. Brain Resuscitation Clinical Trial II Study Group, N Engl J Med 1991;
324: 1226-1231
7. Raine RO, Kaate M, Kirunen A, et al. Jama 1990; 264 : 3171-3177
8. Koroshetz WJ, Jenkins BG, Rosen BR, Beal MF. Ann Neurol 1997; 41:
160-5
9. Matthews RT, Yang L, Browne S, et al. PNAS 1998; 95: 8892-8897
10. The Huntington Study Group. Neurology 2001 Aug 14;57(3):397-404

Sponsorenlink