
Kritische
Stellungnahme zu den Aussagen von Cholesterinsenkungsstudien mit Cholesterinsynthesehemmern
und antioxidativen Mikronährstoffen
nach
Doz.Dr.sc.med. Bodo Kuklinsky, veröffentlicht
in Journal f. Orthomolekulare Medizin
In
jüngster Zeit gingen durch die Fach- und Laienpresse die Ergebnisse
von Cholesterinsenker-Studien bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit,
arteriosklerotischen Erkrankungen mit erhöhten und auch normalen
Blutcholesterinwerten. In den einzelnen Studien kamen auch antioxidative
Mikronährstoffe zum Einsatz. In diesen Studien wurde nachgewiesen
– so die Verfasser – daß bestimmte Mikronährstoffe und antioxidative
Vitamine wirkungslos seien oder sogar die Resultate mit erhöhten
Komplikationsraten der Erkrankungen verschlechterten. Gleichermaßen
waren die Aussagen, Vitamine seien wirkungslos, z.T. schädlich; dagegen
seien Cholesterinsenker bei erhöhten und auch normalen Cholesterinwerten
indiziert.
Diese
Aussagen bedürfen einer kritischen Beurteilung.
1.
Studie (veröffentlichtes Ergebnis):
In
einer Studie von Brown wurde doppelblind bei 160 Patienten mit koronarer
Herzkrankheit und niedrigem HDL-
und normalem LDL-Cholesterin
ein Cholesterinsynthesehemmer in Verbindung mit Nikotinsäure eingesetzt.
Als Kontrollgruppen dienten Patienten, die nur antioxidative Vitamine
einnahmen, des weiteren eine Gruppe mit Cholesterinsynthesehemmern (Simvastatin),
Nikotinsäure und antioxidativen Vitaminen sowie eine dritte Kontrollgruppe,
die ein Scheinpräparat einnahm.
Unter
der dreijährigen Dauer kam es in der Behandlungsgruppe mit Simvastatin
und Nikotinsäure zu einem Anstieg des HDL-Cholesterins um 26%, das
LDL-Cholesterin sank um 42% ab. Antioxidantien waren wirkungslos. Unter
Simvastatin, Nikotinsäure und antioxidativen Vitaminen war ein HDL-Anstieg
nicht nachweisbar, Placebo allein war wirkungslos. In den Endpunkten der
Studie nahmen die Stenosen
der Herzkranzgefäße unter Placebo um 3,9%, unter alleiniger
Gabe von antioxidativen Vitaminen um 1,8%, unter Simvastatin, Nikotinsäure
und Antioxidantien um 0,7% zu. Nur unter Simvastatin und Nikotinsäure
verringerten sich die Stenosen um 0,4%.
Seitens
der klinischen Ereignisse war das beste Resultat unter Simvastatin und
Nikotinsäure mit 3% an Akutereignissen nachweisbar. Unter Simvastatin,
Nikotinsäure und Antioxidantien bei 21% und unter Placebo bei 24%
der Patienten auf.
Stellungnahme
Prof. Kuklinsky:
In
ihrer Aussage postulieren die Verfasser der Studie, daß Statine
und Nikotinsäure das Herz schützen würden. Antioxidantien
(Vitamin E, Vitamin C, Beta-Carotin, Selen) seien wirkungslos und verhinderten
sogar einen HDL-Anstieg. Als Vitamin-E-Präparat wurde Alpha-Tocopherol
eingesetzt. Hierzu ist kritisch zu bemerken, daß Nikotinsäure
als Bestandteil von NADH und NADPH der stärkste antioxidative Mikronährstoff
ist, den der Körper über die Nahrung aufnimmt oder selbst herstellt.
Er hat eine sehr starke reduzierende Wirkung; sein Redoxpotential
liegt bei –430 mV. Diese Nikotinsäureverbindungen (Vitamin B3)
sind damit die stärksten Antioxidantien. Die Behauptung, daß
Antioxidantien nicht nur wirkungslos seien, sondern auch einen HDL-Anstieg
verhindern würden, ist folglich wissenschaftlich irreführend.
2.
Studie (veröffentlichtes Ergebnis):
In
der Heart-Protection-Studie (HPS-Studie, die im Jahre 2002 publiziert
wurde) wurde als Cholesterinsynthesehemmer Simvastatin eingesetzt. Als
Kontrollgruppen dienten eine Vitamingruppe sowie eine Placebo-Gruppe.
Es wurden pro Gruppe 10.269 Patienten, in der Placebo-Gruppe 10.267 Patienten
erfaßt. Deren Alter lag zwischen 40 bis 80 Jahre. Auch diese Studie
lief doppelblind randomisiert ab. An Vitaminen wurden verabreicht: 600
mg Vitamin E, 250 mg Vitamin C und 20 mg Beta Carotin.
Die
Schlußfolgerungen der Autoren waren: Eine Risikoreduktion von 30%
hinsichtlich kardiovaskulärer Komplikationen sei eingetreten. Es
lohne sich eine Cholesterinsenkungstherapie bei Frauen und Männern
unabhängig vom Alter und unabhängig von den Cholesterinwerten.
Signifikante Resultate wurden nur in der Cholesterinsenkergruppe erreicht.
Auch in dieser Studie kam für das Vitamin E das Alpha-Tocopherol
zum Einsatz.
Tabelle:
Resultate der HPS-Studie
| |
Simvastatin
n = 10.269
|
Placebo
n = 10.267
|
Vitamine
n = 10.269
|
Placebo
n = 10267
|
| Ereignisse
an koronarer Herzkrankheit |
577
|
701
|
661
|
617
|
| andere
vaskuläre Ereignisse |
214
|
242
|
234
|
222
|
| totale
Sterblichkeit an kardivaskulären Ereignissen |
791
|
943
|
895
|
839
|
| Prozent
|
7,7
|
9,2
|
8,7
|
8,2
|
| Krebserkrankungen
|
352
|
337
|
348
|
341
|

Stellungnahme
Prof. Kuklinsky:
Die
Resultate bedürfen einer genaueren Analyse, da ein Laie annimmt,
daß ein Drittel der behandelten Patienten quasi 33% von über
10.000 Patienten wären. Dies wäre das absolute Risiko. Die Autoren
nutzten jedoch das relative Risiko zwischen Statin-Gruppe (Cholesterinsynthesehemmer)
gegen Placebo-Gruppe. In beiden Placebo-Gruppen lagen die Gesamtereignisse
an koronarem Herztod und kardiovaskulären Komplikationen bei 9,2
bzw. 8,3%. In der Statin-Behandlungsgruppe lag die Summe aller tödlichen
Komplikationen bei 7,7% und in der Vitamingruppe bei 8,7%, und das nach
einer Behandlungszeit von 5 Jahren mit dem Cholesterinsenker.
Vergleicht
man die Statin-Gruppe mit 7,7% gegenüber der Vitamin-Placebo-Gruppe
mit 8,2%, lag die Differenz bei 0,5%. Das heißt, nach 5-jähriger
Behandlung von 1.000 Patienten wären bei 5 Patienten keine tödlichen
Komplikationen zu erwarten.
Betrachtet
man die Resultate der Simvastatin-Placebo- gegen die Verumgruppe,
lagen die Sterblichkeit bei 9,2% und in der Simvastatin-Gruppe bei 7,7%.
Die Differenz war 1,5%. In Absolutzahlen ausgedrückt bedeutet dies,
daß nach 5-jähriger Behandlung unter Cholesterinsenkung 15
Patienten weniger tödliche Ereignisse erlitten. Der Vergleich der
Vitamin-Gruppe mit 8,7% und der Simvastatin-Gruppe mit 7,7% ergab 1% Differenz.
Dies bedeutet, nach 5-jähriger Behandlung von 100 Patienten ist unter
Cholesterinsenkung ein Patient weniger von tödlichen Ereignissen
betroffen.
Aus
dem Vergleich der Absolutzahlen ergibt sich, daß es sich hierbei
also nicht um ein Drittel weniger Komplikationen handelt, sondern daß
die Differenzen wesentlich geringer ausfielen. Eindeutig geringer
waren die Komplikationen unter Simvastatin.
Betrachtet
man die Koronarkomplikationen während der Beobachtungszeit von 5
Jahren, waren diese in der Absolutzahl unter Simvastatin geringer, und
zwar unabhängig vom Cholesterinspiegel. Selbst Senioren bis zum 80.
Lebensjahr hatten geringere Ereignisse.
In
der Simvastatin-Gruppe brachen 15% der Patienten die Behandlung ab. Nähere
Gründe wurden nicht angegeben. Erwähnenswert ist der Fakt, daß
unter Cholesterinsynthesehemmern mehr Melanome
auftraten, jedoch statistisch noch nicht signifikant. Wir verweisen
darauf, weil diese Studie in Großbritannien, einem sonnenarmen Land,
durchgeführt wurde.
Auch
hier lautete eine Aussage, daß Vitamine wirkungslos seien oder sogar
unter ihrer Therapie die Zahl der Komplikationen höher gewesen sei.
Diese Aussage wollen wir nachfolgend kritisch beleuchten.
Seitens
der WHO
wurde im Zeitraum 1983 - 1994 das WHO-Monika-Projekt durchgeführt.
In 21 Ländern von 4 Kontinenten wurden mehr als 12 Millionen Teilnehmer
untersucht. In dieser größten Studie zur Erkennung von koronaren
und arteriosklerotischen Risikofaktoren (die nicht von der Pharma-Industrie
gesponsert wurde) stellte sich heraus, daß das koronare Risiko zu
70% von einem Vitamin-E-Mangel in der Nahrung, zu 12% von einem Vitamin-C-Mangel
und zu 3% von einem Vitamin-A-Mangel bestimmt wird. Das Gesamtcholesterin
spielte bei diesen Risikofaktoren nur zu 17% eine Rolle. Das heißt,
drei nahrungsabhängige Größen, nämlich Vitamine E,
A und C, machten insgesamt 85% des Risikopotentials aus.

In
einer zusammenfassenden Beurteilung aus dem Jahre 2002 in der renommierten
Zeitschrift Lancet wurde die Nullhypothese zur koronaren Herzkrankheit
bestätigt. Das heißt, es war kein Zusammenhang zum Rauchen,
zum Bluthochdruck und zum Cholesterin nachweisbar.
Einerseits
scheint folglich der mangelhaften Vitamin-E-Zufuhr über die Nahrung
eine wesentliche Bedeutung beizukommen, andererseits ergaben Studien mit
Koronarpatienten, daß die Gabe von Vitamin E sogar Resultate noch
verschlechterte. Ähnliche Resultate wurden auch in der Rotterdam-Studie
zur Alzheimer-Demenz gefunden. Bei 5.400 männlichen und weiblichen
Patienten im Alter von mehr als 55 Jahren wurde im Verlauf von 6 Jahren
festgestellt, daß eine Vitamin-E- und Vitamin-C-reiche Ernährung
vor Alzheimer-Verblödung schützt. Der protektive Effekt des
Vitamin E trat über die Nahrung auf, wenn mehr als 15,5 mg/Tag aufgenommen
wurde. Wirkungslos war dagegen die Einnahme von Alpha-Tocopherol.
In
einer weiteren Studie (Lancet, 1997) hinsichtlich des Sterblichkeitsrisikos
bei Senioren wurde dargelegt, daß die Sterblichkeit im höheren
Alter jeweils um 15% pro Millimol Cholesterinzunahme (entspricht ca. 40
mg/dl) geringer lag. Die Sterblichkeit an Krebs und Infektionskrankheiten,
also Immunschwäche-Erkrankungen, war signifikant geringer unter Patienten
mit den höchsten Cholesterinwerten.
In
einer weiteren Studie (Lancet, 2001) an über 3.500 Patienten mit
einer Beobachtungsdauer von 20 Jahren wurde ebenfalls nachgewiesen, daß
die Gesamtsterblichkeit höher war, je niedriger das Gesamtcholesterin
lag.
Nach
Erhebungen des Gesundheitsministeriums nahmen in Deutschland in allen
Altersgruppen die Cholesterinwerte im Blut zu. Analysen des Statistischen
Bundesamtes Wiesbaden von 1994 ergaben gleichzeitig ab den 80er Jahren
eine progrediente
Abnahme an Erkrankungen der koronaren Herzkrankheit bei der Zunahme der
absoluten Lebenserwartung. Die Sterbefälle an ischämischen
Herzkrankheiten pro 100.000 Einwohner sanken bei Männern und Frauen
wie in der folgenden Tabelle links dargestellt.
Die
Sterbefälle an akutem Myokardinfarkt
pro 100.000 Einwohner nach dem Statistischen Bundesamt Wiesbaden ergab
bei Männern und Frauen analoge Resultate, siehe nachfolgende Tabelle
rechts.
| Sterbefälle
an ischämischen Herzkrankheiten |
%
|
|
Sterbefälle
an akutem Myokardinfarkt |
%
|
| 30
- 40 Jahre |
-
32,9 |
|
30
- 40 Jahre |
-
35,1 |
| 40
- 45 Jahre |
-
35,3 |
|
40
- 45 Jahre |
-
38,4 |
| 45
- 50 Jahre |
-
45,9 |
|
45
- 50 Jahre |
-
48,4 |
| 50
- 55 Jahre |
-
47,2 |
|
50
- 55 Jahre |
-
51,6 |
| 55
- 60 Jahre |
-
42,6 |
|
55
- 60 Jahre |
-
49,4 |
| 60
- 65 Jahre |
-
28,7 |
|
60
- 65 Jahre |
-
38,8 |
| 65
- 70 Jahre |
-
28,4 |
|
65
- 70 Jahre |
-
39,0 |
| 70
- 75 Jahre |
-
22,7 |
|
70
- 75 Jahre |
-
38,6 |
| 75
- 80 Jahre |
+
0,3 |
|
75
- 80 Jahre |
-
14,1 |
| 80
- 85 Jahre |
-
1,0 |
|
80
- 85 Jahre |
+
9,0 |
| 85
- 90 Jahre |
+
10,9 |
|
85
- 90 Jahre |
+
5,0 |
| über
90 Jahre |
+
28,5 |
|
über
90 Jahre |
+
22,1 |
Dieser Trend hält unverändert
an, seit den 90er Jahren sinkt die Infarktsterblichkeit jährlich
um 2 bis fast 3%. Auch einer jüngsten Pressemitteilung war zu entnehmen,
daß im Jahre 2002 480.000 Personen in Deutschland an Herzinfarkten
starben. Gegenüber dem Vorjahr 2001 waren es mehr als 8.000 Personen
weniger, also wiederum eine Reduktion der Infarktrate um mehr als 1%.
Nur jenseits des 80. Lebensjahres steigt die Infarkttodesrate an.
Höhere
Lebenserwartung, höhere Cholesterinwerte und von Jahr zu Jahr weniger
Herzinfarktereignisse in Deutschland stehen im Widerspruch zur Cholesterinhypothese
der koronaren Herzkrankheit und den Studienergebnissen, daß eine
Senkung des Cholesterins letztendlich lebensverlängernd sei. Diese
Zahlen dürften wegen gleicher Lebens- und Ernährungsweisen auch
auf Österreich zutreffen.
Wenn
im gesegneten Alter von jenseits der 80er Lebensjahre Menschen sterben,
ist es legitim, an Schlaganfällen oder Herzinfarkten zu verscheiden.

Nachfolgend
wollen wir versuchen, die Diskrepanz zwischen den Herzinterventionsstudien
und den epidemiologischen Daten einschließlich des WHO-Monika-Projektes
zu erläutern:
Die
so genannten Cholesterinsynthesehemmer sind eigentlich keine reinen Cholesterinsenker,
sondern sie hemmen ein Enzym, die HMG-CoenzymA-Reduktase, und damit
die Mevalonatbildung aus Acetyl-Coenzym A. Mit dieser Mevalonathemmung
werden zahlreiche Stoffwechselprozesse beeinflußt, z.B. auch die
Bildung von Dolichol, Häm A, Coenzym Q10, farnesylierten Proteinen.
Die Cholesterinsynthesehemmung ebenfalls als Folge der Mevalonathemmung
beeinflußt dann zusätzlich eine verminderte Synthese von
cholesterinabhängigen Steroidhormonen, die Bildung von Vitamin
D, von Gallensäure und u.a. auch der cholesterinhaltigen Lipoproteine.
Schon
1990 wiesen Goldstein und Brown darauf hin, daß Unsicherheiten über
die Konsequenzen der CSE-Hemmer (Cholesterinsenker) bestehen. "Wie
werden sie das Wachstum normaler und maligner Zellen beeinflussen?"
Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet.
Durch
Eingriff in tiefgreifende metabolische Stoffwechselwege werden Transskriptionsfaktoren
und diverse Rezeptorfamilien gehemmt. Dies betrifft z.B. EGF-Rezeptorfamilie,
Insulinrezeptorfamilie (IgF 1), Fibroblasten-GF-Rezeptorfamilie, PDGF
und M-CSF-Rezeptorfamilie (Plättchenwachstumsfaktor und Makrophagen-Kolonie-stimulierende
Faktoren, zusätzlich auch farnelysierte Proteine (Ras, Lamin B u.a.).
Ras-Proteine
übertragen z.B. Signale von Wachstumsfaktoren (EGF, PDGF u.a.) auf
den Zellkern. Ras-Aktivierungen oder Mutationen (H- oder N-Ras) steigern
die Zellproliferationsraten in den Gefäßwänden (Fibroblasten,
glatte Muskelzellen). Die Cholesterinsynthesehemmer beeinflussen damit
Signalübertragungsmechanismen in der Zelle und damit Wachstum, Differenzierung
und Phospholipidumsatz in glatten Muskelzellen, Fibroblasten, Gliazellen,
Makrophagen und Melanozyten, den Melanin-produzierenden Zellen. Wir
erwähnten schon, daß in der HPS-Studie erhöhte Melanomerkrankungszahlen
auftraten. Die Beinflussung der Tyrosin- und Serinkinasen dürfte
hier von Bedeutung sein.
Die
Cholesterinsenkung durch CSE-Hemmer ist folglich nur ein Nebeneffekt.
Der Haupteffekt scheint eine Hemmung von Zellteilungen, u.a. in den Arterienwänden
zu sein. Dies ist auch der Grund, weswegen CSE-Hemmer Interesse in der
Krebsbehandlung finden. Selbst die Resultate der HPS-Studie sprechen dafür,
da die CSE-Hemmer auch bei Patienten mit völlig normalen und "idealen"
Cholesterinwerten wirkten.
Arterienverkalkende
Erkrankungen wie Koronarsklerose, periphere Arteriosklerose sind keine
Erkrankungen, die durch einfache Lipidablagerung ausgelöst werden.
Diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht haltbar, zu simplifiziert
und wird der Komplexität des Krankheitsgeschehens nicht gerecht.
Bei
der Arteriosklerose kommt es ja initial zu Endothelschäden
mit verstärkter Adhäsion von Zellen, Thrombozyten, Ausschüttung
von Plättchen-Wachstumsfaktoren mit Hochregulation von LDL- und Down-Regulation
von HDL-Rezeptoren an der Gefäßwand. Als Folge treten aktivierte
Monozyten in die Gefäßwand ein, die rezeptorunabhängig
LDL inkorporieren und als Fresszellen zu Schaumzellen werden. Chronische
Entzündungsprozesse mit Freisetzung von Interleukinen und Wachstumsfaktoren,
Aktivierung von Proteasen mit Abbau von Elastin und damit elastischen
Fasern, Freisetzung von freien Sauerstoffradikalen und Autoimmunprozessen
sind wesentliche Reaktionen. Wachstumsfaktoren stimulieren dann das Einwachsen
von glatten Muskelzellen von der äußeren Gefäßwand
in innere Arterienschichten.
Bei
der Arteriosklerose handelt es sich um eine chronisch-granulomatöse
Entzündung. CSE-Hemmer greifen in zu starkes Zellwachstum ein, hemmen
dieses und senken so die Komplikationsraten bei schon vorliegenden arteriosklerotischen
Erkrankungen. Die Effizienz der Behandlung ist jedoch gering, da nach
5jähriger Behandlung die Mehrheit der Patienten nicht davon profitiert,
auch nicht ein Drittel der behandelten Patienten, wie es die Aussagen
der MPS-Studie behaupten. Außerdem ist mit dem Einsatz der CSE-Hemmer
keine kausale Therapie erfolgt, da die Ursachen, die zu dieser Arteriosklerose
führten, nicht beeinflußt werden und folglich weiter wirksam
sind.

Betrachtet
man andere Studien, kommt man hinsichtlich Therapie, Prophylaxe und Ursachenklärung
der koronaren Herzkrankheit auf ein wesentlich komplexeres Geschehen als
es die Fokussierung allein auf das Cholesterin ermöglichen würde.
Als
ein wesentlicher Risikofaktor für arteriosklerotische Erkrankungen
und Sterblichkeit ergab sich der Spiegel an Homocystein. Homocystein ist
ein im Organismus entstehendes schwefelhaltiges Molekül, das insbesondere
bei Mangel an Folsäure (ein B-Vitamin), an Vitamin B6
und B12 ansteigt. Die Korrelation der Sterblichkeit war bei
über 2.100 Männern und 2.600 Frauen im Alter über 65 Jahre
eindeutig nachweisbar.
Unter
der Supplementierung mit Folsäure konnte nachgewiesen werden, daß
sich die endothiale Dysfunktion bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit
deutlich besserte. Wurden zusätzlich zu diesen 5 mg Folsäure
pro Tag 2 g Vitamin C und 800 I.E. Alpha-Tocopherol gegeben, war die Wirkung
geringer ausgeprägt als unter Folsäure allein, jedoch noch besser
als unter Placebo. Auch hier scheint die hochdosierte Gabe von Alpha-Tocopherol
kontraproduktiv zu wirken.
In
einer prospektiven doppelblinden randomisierten Studie an über 200
Patienten, bei denen mittels Katheder eine Erweiterung der Herzkranzgefäße
durchgeführt wurde, zeigte sich unter Supplementation mit 1 mg Folsäure,
400 µg Vitamin B12
und 10 mg Vitamin B6 in einer 6-monatigen Verlaufskontrolle
unter der Supplementation, daß die Restenose deutlich geringer ausfiel.
Diese therapeutische Dreierkombination dient der Senkung des Homocysteins.
Diese
Resultate werfen ein Licht auf ein bisher vernachlässigtes pathogenetisches
Krankheitsgeschehen und hieraus resultierender therapeutischer Möglichkeiten.
Es geht um die Vitamine der B-Reihe, Vitamin E und C u.a.
Der
Grazer Wissenschaftler und Biochemiker H.Esterbauer beschrieb die Zusammensetzung
von Membranen und auch von LDL-Partikeln. So werden danach 1.200 mol an
mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den LDL-Lipidpartikeln
durch 6 mol Alpha-Tocopherol, 0,53 mol Gamma-Tocopherol, 0,33 mol Beta-Carotin
und 0,18 mol Lykopin vor krankhafter Oxidation geschützt.
Vitamin
E kommt in der Natur nie als reines Alpha-Tocopherol vor, sondern stets
als Gemisch von 8 Vitamen, nämlich Alpha-, Beta-, Gamma- Delta-Tocopherole
und –Trienole. In den Studien wurden jedoch stets allein Alpha-Tocopherole,
z.T. in hohen Dosierungen, eingesetzt. Gegenüber Alpha-Tocopherol
ist Gamma-Tocopherol in der Lage, ebenfalls wie CSE-Hemmer
die Cholesterinsynthese über die HMG-CoA-Reduktase zu hemmen. Außerdem
ist Gamma-Tocopherol als einziges Vitamin in der Lage, Stickstoffradikale
zu neutralisieren. Gamma-Tocopherol verhindert die Bildung von Nitrosaminen
im Verdauungstrakt aus nitrat-, fetthaltigen Lebensmitteln (Wurst, Fleisch)
als auch Stickstoffradikale im Organismus. Da
die Endothelzellen der Arterien in Herz, Hirn und in den Beinen NO-Radikale
bilden, ist eine Verdrängung von Gamma-Tocopherol durch hochdosiertes
Alpha-Tocopherol stets außerordentlich bedenklich. Da
Alpha-Tocopherol in der Natur und im Organismus in höherer Konzentration
als die Gamma-Form vorkommt und wissenschaftlich die Wirkung des Alpha-Tocopherols
am meisten untersucht wurde, wurde die Anwendung von Alpha-Tocopherol
stets mit der Anwendung von Vitamin E gleichgesetzt. Hier wurde also nicht
beachtet, daß Gamma-Tocopherol eigene spezifische Wirkungen hat
und sich die Tocopherole, wie sie natürlich vorkommen, stets in ihren
Wirkungen ergänzen. In den Studien wurde Alpha-Tocopherol allein
gegeben. Aus biochemischer Sicht ist es bei Erkrankungen kontraindiziert,
in denen Stickstoffradikale auftreten.

Das
Gleiche betrifft die Carotinoide. Hier wurde Beta-Carotin, weil am meisten
untersucht, als das Carotin bezeichnet. Daß andere Carotinoide
ebenfalls im Stoffwechsel erforderlich sind, blieb unbeachtet. Daß
diese eine Bedeutung besitzen, zeigt schon der Sehfleck auf der Netzhaut,
in dem die Corotinoide Lutein und Zeaxanthin wirksame Radikalfänger
sind und nicht Beta-Carotin.
Die
Zusammensetzung der LDL-Moleküle ist in den Zellwänden ähnlich,
nur daß hier auch noch Coenzym Q10-Moleküle
(Moleküle des Ubichinon Q10) vorkommen. Dieser Umstand und dieses
Wissen erklärt auch, daß bei großen Studien Vitamin E-Defizite
(die bei der Beurteilung alle 8 E-Vitamere umfassenen sollten) mit einem
erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheit oder Alzheimer-Demenz
einhergingen, die Alpha-Tocopherol-Gabe allein jedoch wirkungslos blieb
oder die Therapieresultate sogar verschlechterte. Schuld hieran ist die
einseitige Betrachtungsweise und Überbewertung des Alpha-Tocopherols
gewesen.
Die
B-Vitamine Folsäure, Vitamin B6 und B12 besitzen
eine große Bedeutung in der Gefäßprotektion. Größere
Studien ergaben, daß mit zunehmendem Alter die Defizite an B-Vitaminen
zunehmen. Ab dem 60. Lebensjahr weisen zwei Drittel, ab dem 80. Lebensjahr
mehr als 90% der Senioren einen Mangel auf. Diese Defizite kann man weniger
aus den Blutserumspiegeln erkennen, sondern durch Bestimmung von Metaboliten,
die ansteigen, wenn der Bedarf an diesen Vitaminen im Organismus nicht
gedeckt ist. So wird die Bedarfsdeckung an Folsäure durch Homocystein
und nicht durch Folsäurebestimmung im Serum festgestellt. Dieser
kann durchaus normal sein und trotzdem liegt Homocystein zu hoch, wie
auch Untersuchungen am Institut für Nährstofftherapie im Lungau
in St. Michael ergaben.
Ein
Mangel an Vitamin B6 ist nicht im Serum erkennbar, sondern
durch Bestimmung des Cystathionins im Urin. Ist dieses erhöht, liegt
ein Vitamin-B6-Defizit vor. Ein Mangel an Vitamin B12
wird durch erhöhte Ausscheidung von Methylmalonsäure im Urin
erkannt. Bestimmt man diese Parameter, zeigt sich, daß auch schon
bei jüngeren Menschen Defizite vorhanden sind. Die ausgeprägtesten
Defizite an diesen B-Vitaminen haben kranke Senioren, da sowohl pathologische
Prozesse, geringere Nahrungsaufnahme, aber auch Medikamente Defizite an
Vitaminen verstärken können. Ein Umstand, der zu wenig bedacht
wird. So führt z.B. Cortison-Anwendung stets zu einer Vitamin-B6-Verarmung.
Die
tägliche Aufnahme an Folsäure ist in der gesamten Population
zu gering, wie langjährige Untersuchungen in Deutschland ergaben.
Die Mindestmenge von 400 µg pro Tag wird bei 90% der Bevölkerung
nicht erreicht. Folsäure ist luftanfällig, Vitamin B6
lichtanfällig, so daß eine längere Lagerung von Nahrungsmitteln
zu deutlichen Verlusten führt. Untersuchungen zur Genstabilität
durch Mikronährstoffe an gesunden Personen ergaben, daß eine
Genstabilität tägliche Folsäuremengen von 400 – 700 µg
bedürften, eine Menge, die heutzutage irreal ist. Die Homocysteinspiegel
sollten dann konstant < 7,5 µmol/l liegen. Nach wie vor geben
diverse Labors die Normwerte für Homocystein noch bis 20 µmol/l
an.
Bei
Entzündungsprozessen, wie es die Arteriosklerose ist, werden stets
freie Sauerstoffradikale freigesetzt. Treten immer wiederkehrende Ischämien
auf, die sich z.B. als Angina-pectoris-Syndrom äußern, entstehen
in der Reperfusionsphase verstärkt Superoxidradikale. Diese werden
sehr rasch durch durch die Superoxiddismutase im Zellplasma, also im wässrigen
Milieu entgiftet. Die SOD benötigt ausreichend Kupfer und Zink. Fehlen
diese Spurenelemente, ist die Entgiftung verzögert.
Wir konnten in intrazellulären Analysen nachweisen, daß der
Zinkmangel mit zunehmendem Alter sehr häufig wird.
Schon die Verordnung von Saluzsäurehemmern führt zu einer verminderten
Aufnahme von Zink. Sehr hohe Superoxidradikal-Konzentrationen sind dabei
weniger bedeutsam, da sich diese dann gegenseitig entgiften. Sie haben
bei einer Konzentration von 10 hoch-4 mol nur eine Lebensdauer
von 0,05 Sekunden.

Klinisch
bedeutsamer sind niedrige Konzentrationen an SOD. In einer Konzentration
von 10 hoch-10 mol leben die Superoxidradikale 14 Stunden (!).
Durch die Wirkung der Superoxiddismutase entsteht Wasserstoffperoxid,
das ebenfalls durch Katalasen, Glutathion-Peroxidasen und Glutathion-S-Transferasen
entgiftet wird. Katalasen benötigen ausreichend Eisen, Glutathion-Peroxidasen
bedürfen ausreichend Glutathion, das B-Vitamin- und Magnesium-abhängig
gebildet wird, und ebenfalls ausreichend Selen. Die Glutathiontransferasen
entgiften zahlreiche Schadstoffe, wie chlororganische Biocide, Lösemittel
und PCB. Sie entgiften auch toxische Aldehyde,
wie sie aus der Verbrennung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren
entstehen, wie 4-Hydroxynonenale, weiterhin Cholesterin-Epoxide, toxische
Verbrennungsprodukte aus Nahrungsmitteln, wie sie beim Grillen, Frittieren
und Braten entstehen, z.B. Acrolein, Acrylamid und oxidierte Stresshormone,
die hochtoxische Quinone darstellen, u.a. Substanzen.
Nun
ist bekannt, daß von den 4 Familien der Glutathion-S-Transferasen
50% der weißen Rasse keine µ-Transferase
aufweisen, d.h. das Enzym ist genetisch nicht angelegt, 25% genetisch
keine T-Transferase besitzen und 19% nur eine schwach aktive Pi-Transferase
haben. Nun gibt es Personen, denen 2, 3 Enzyme gleichzeitig fehlen oder
schwach ausgebildet haben. Aus der Literatur ist bekannt, daß Alpha-Tocopherol
dosisabhängig die Pi-Transferase
hemmt. Bei unphysiologisch hohen Dosierungen, wie bei mehreren 100 mg
pro Tag, ist dieser Effekt zu erwarten, aber auch schon bei geringeren
Dosierungen, wenn eine schwach aktive Glutathion-Pi-Transferase vorliegt.
Ein Zinkmangel senkt die Bildung der Glutathion-S-Transferase
µ. Haben Superoxidradikale eine zu starke Verweildauer, nähern
sie sich den fetthaltigen Phospholipidmembran-Grenzschichten. Diese haben
einen um 3 Einheiten niedrigeren ph-Wert. Als Folge kommt es zu einer
Bildung von Peroxidradikalen. Diese Peroxidradikale wirken außerordentlich
stark oxidativ, sie haben ein Redoxpotential von + 1.000 mV. In diesen
Membrangrenzschichten wirken sie Superoxiddismutasen nicht mehr, sondern
nur noch die fettlöslichen Radikalfänger wie Tocopherole, Carotinoide
und Coenzym Q10.
Fehlen
z.B. Glutathion, Selen, Glutathiontransferasen, können die höchsttoxischen
4-Hydroxynonenale nicht abgebaut werden. Sie oxidieren SH-Gruppen und
damit auch Glutathion, und verbrauchen diesen wichtigen intrazellulären
Schutzfaktor, der auch für die Aggregationsneigung von Thrombozyten
eine große Bedeutung hat. Je höher der Anteil oxidierten Glutathions
desto höher das Gerinnselrisiko durch Thrombozytenaggregation und
desto niedriger die endotheliale NO-Synthese. NO entsteht aus Arginin
unter Beteiligung von Glutathion. Mit Verschiebung dieses Redoxstatus
in Richtung Oxidation werden SH-haltige Enzyme aktiviert und inaktiviert.
Aktiviert werden v.a. Eiweiß-abbauende Enzyme wie Elastasen, Proteasen,
Kollagenasen. Damit verliert die Arterie an Stabilität. Gehemmet
werden durch solche oxidierenden Metabolite antientzündliche Enzyme,
die Antiproteasen, z.B. a -1-Antitrypsin u.a.
Treffen
Superoxidradikale auf NO-Radikale, wie sie in der Gefäßwand
normalerweise gebildet werden, entsteht ein tödlicher Cocktail. Es
bildet sich aus Superoxid und NO Peroxinitrit mit einem Redoxpotential
von + 1.300 mV. Peroxinitrit kann nur durch g -Tocopherol neutralisiert
werden. Treten also immer wiederkehrende Reperfusionsphänomene mit
verstärkter Superoxidausschwemmung auf, kommt es zu einer chronischen
Belastung mit Peroxinitritradikalen. Sie schädigen die Zellwand und
führen letztendlich zu erhöhten Kalziumeinströmen in die
Zelle. Aus Tierversuchen weiß man, daß bei solchen Reperfusionsphänomenen
Alpha-Tocopherol die Schädigungen steigert. Genau das ist mit
der Gabe von Alpha-Tocopherol bei arteriosklerotischen Erkrankungen passiert.
Daß
auüßerdem freie Radikale und Lipidhydroperoxide den Circulus
vitiosus steigern, drückt sich unter anderem auch in der Hemmung
der LCAT (Plasmalecithin-Cholesterin-Acyltransferase-Aktivität) aus.
Als Folge sinkt die Cholesterinveresterungsrate und der Cholesterinrücktransport
von der Peripherie zur Leber wird blockiert.
Faßt
man die Wirkungen der Tocopherole nochmals zusammen wie Hemmung der Cholesterinsynthese,
dosisabhängige Hemmung der Glutathion-Pi-Transferase durch Alpha-Tocopherol
und Unvermögen von Alpha-Tocopherolen, Nitritradikale zu quenschen
und im Gegenteil das wirksame Gamma-Tocopherol aus Zellmembranen zu verdrängen,
ist hieraus erklärbar, daß bei chronisch-entzündlichen
Erkrankungen der Arterienwände, insbesondere wenn schon Durchblutungsminderungen
auftreten, Alpha-Tocopherol allein kontraindiziert sein muß.

Wenn
der Verfasser dieser Zeilen in einer 32 Millionen-Dollar-Studie mit Cholesterinsynthesehemmern
nachweisen wollte, daß Vitamin E nicht wirkt oder sogar schädliche
Wirkungen entfalten kann, würde er schon in der Planungsphase Alpha-Tocopherol
bei arterio- und/oder koronarsklerotischen Erkrankungen empfehlen. Die
biochemischen Grundlagen waren ja schon jahrelang hinsichtlich der unterschiedlichen
Wirkungsweisen bekannt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Chronische
Vitamin-B6-Defizite führen zu einer mangelhaften Serotonin-
und damit auch zu einer reduzierten Melatoninsynthese. Bei Serotoninmangel
ist das limbische
System des Hirns beeinträchtigt, depressive Zustände
sind folglich häufiger. Wenn seitens des Fachgebiets Psychiatrie
behauptet wird, daß Depressionen ein erhöhtes Risiko für
Koronarerkrankungen haben, sind dies unseres Erachtens zwei Seiten einer
Medaille. Beide haben eine gemeinsame Ursache, den Vitamin- B6-Mangel.
Auch Melatonin wirkt als Antioxidans gegen Hydroxyl- und Peroxidradikale
sowohl im wässrigen als auch im lipidhaltigen Milieu, also dem Zellinneren
und den Zellwänden. Es hemmt oder verhindert DNA-Schäden, die
Lipidperoxidation und unterdrückt sie Sympathicusaktivität.
Bei
chronischem Vitamin-B6-Mangel können ebenfalls die Omega-3-mehrfach
ungesättigten Fettsäuren nicht synthetisiert werden. Der Organismus
wäre sonst hierzu in der Lage. Diese Fettsäuren sind für
die Hemmung der Blutgerinnselbildung mit verantwortlich, da sie die Flexibilität
der Zellwände erhöhen. Das Risiko für einen plötzlichen
Herztod bei derartigen Fettsäuremängeln ist bekannt. In einer
Studie an mehr als 22.000 Ärzten über 20 Jahre ergab sich die
negative Korrelation. Je höher der Omega-3-Polyenfettsäurespiegel,
desto geringer ist das Risiko. Bei hohem Omega-3-Fettsäurenspiegel
ist das Risiko um 81% niedriger als gegenüber Personen mit niedrigen
Spiegeln.
Bei
Anflutung toxischer Sauerstoffradikale, erst recht bei Auftreten von Peroxinitritradikalen,
Peroxidradikalen, toxischen Fettsäurealdehyden und oxidierten Stresshormonen
wie Adrenochrom, Dopachrom, Noradrenochromen, werden Aminosäuren,
Cholesterin, LDL, SH-Gruppen, Vitamin C oxidiert. Transkriptionsfaktoren,
die die Signalkaskade verstärken, werden aktiviert. Bei arteriosklerotischen
Erkrankungen ist die Peroxinitritkonzentration stets höher als bei
gesunden Personen. Hohes Homocystein aktiviert ebenfalls Sauerstoffradikale,
die Chemotaxis und Adhäsivität von Zellen an die Blutgefäßwand.
Die
Vernetzung von Kollagenen und elastischen Fasern hängt von einem
Enzym, der Lysyloxidase, ab. Dieses benötigt Vitamin-B6.
Wir erwähnten schon, daß auch Glutathion Vitamin-B6-abhängig
gebildet wird, wozu aber auch die übrigen B-Vitamine, Magnesium und
Zink benötigt werden.
Bei
Mangel an B-Vitaminen ergeben sich häufig Abbaustörungen primärer
Amine wie Histamin, Dopamin. Sehr häufig finden sich erhöhte
Spiegel an freiem Histamin bei Patienten. Histamin wirkt über Rezeptorbindung
stets Blutdruck senkend, führt jedoch zu Herzjagen. Beta-Blocker
werden dann in der Regel nicht vertragen. Ist infolge mangelhafter Vitamin-B-Versorgung
der Methionin-Cystein-Metabolismus gestört, kann neben Glutathion
auch nicht ausreichend Carnitin, Taurin und Kreatinphosphat gebildet werden.
Carnitin ist für die Beta-Oxidation der Fettsäuren (Transport
durch die innere Mitochondrienmembran) mit verantwortlich. Taurin kommt
in hoher Konzentration u.a. im Herzmuskel vor, es wirkt hier als Kalziumantagonist
und verhindert zu hohe Spiegel an freiem Kalzium.

In
der Pathogenese der koronaren Herzkrankheit wurde der chronisch überaktive
Sympathicotonus
bisher zu wenig beachtet. Zahlreiche Studien schon aus den 80er Jahren
bis zur Gegenwart belegten, daß erhöhte Ruhepulsraten mit einer
frühzeitigen Mortalität korrelierten. Viele Menschen leiden
an wiederkehrenden Sympythicusattacken nachts, aber auch tagsüber
in Form von erhöhtem Ruhepuls, Herzjagen, Angstzuständen, Blässe
und Stresshypertonie. Der chronische Sympathicusstress, verstärkt
durch äußere Einflüsse, z.B. Lärmexposition, Psychostress,
Distress, stellt einen ausgeprägten Risikofaktor für koronarsklerotische
Erkrankungen dar. Der Stressverhaltenstyp A nach Friedman gilt als Risikofaktor
für einen akuten Myokardinfarkt. Er wurde schon 1971 beschrieben.
Er dürfte für die s.g. vasospastischen Herzinfarkte insbesondere
bei jüngeren Menschen verantwortlich sein. Bei ihnen sind in der
Regel trotz Infarktes regelrechte Koronararterien angiografisch nachweisbar.
Chronischer Stress führt stets zum ATP- und Magnesium-Verlust. Wir
fanden in intrazellulären Analysen besonders mit zunehmendem Altersgang
sehr häufig Magnesiumdefizite, die stets mit Kaliumdefiziten vergesellschaftet
waren. Damit entstehen intrazellulär Azidosen,
bei Magnesiummangel können B-Vitamine besonders Vitamin B6,
intrazellulär ihre Wirkung nicht entfalten, da die Rephosphorylierung
als Voraussetzung zur Wirksamkeit kinasenabhängig und damit magnesiumabhängig
abläuft. Mit intrazellulären Magnesiumdefiziten ist die Kreatinphosphatssynthese
eingeschränkt. Außerdem erhöht sich die elektrische Instabilität
des Herzmuskels, die Neigung zu Extraschlägen nimmt zu.
In
einer großen französischen prospektiven Studie über 25
Jahre wurde festgestellt, daß das Auftreten belastungsabhängiger
ventrikulärer Extrasystolen auch bei völliger klinischer Beschwerdefreiheit
mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko einhergeht, das genau so
hoch liegt, als ob bei den Patienten schon koronarsklerotische Erkrankungen
vorliegen würden.
Ständig
erhöhte oder immer wiederkehrend erhöhte Katecholaminspiegel
können bei Vitamin-C-Mangel außerordentlich
toxisch wirken, da sie zu Adrenochrom oxidiert werden. Die Autoxidation
zu diesen toxischen o-Chinonen wird durch Vitamin C gehemmt.
Dies ist auch der Grund, weswegen in den Vesikeln der Katecholaminspeicher
und in den Nebennieren hohe Vitamin-C-Konzentrationen vorkommen. Der Bedarf
an Vitamin C ist folglich bei chronisch rezidivierendem
Sympathicusstress erhöht. Daß Vitamin C diesen
Stress dämpft, wurde bei Studenten im Prüfungsstress, aber auch
bei der reflektorischen Dystrophie,
dem Morbus Sudeck, nach Handgelenksfrakturen in einer randomisierten Doppelblindstudie
nachgewiesen.
Sowohl
Vitamin-C- und Vitamin-E-Verarmungen als auch Glutathiondefizite, wie
sie besonders in den Wintermonaten, aber auch bei chronischem Stress auftreten,
führen zu einer Aktivitätsminderung der hepatischen 7-alpha
-Hydroxylayse. Diese wandelt Cholesterin in Gallensäuren um. Damit
führt chronisch rezidivierender Sympathicusstress auch zur Cholesterinämie,
quasi zum Rückstau. Sympathicusstress erhöht aber auch die de-novo-Synthese
von Cholesterin. Ein Anstieg der Herzfrequenz korreliert stets mit einer
erhöhten, sofort einsetzenden Isoprensynthese, messbar in der Ausatemluft
oder auch im Blut. Wir messen selbst Isopren in der Ausatmungsluft. Je
höher der Ruhepuls ist, um so höher sind die Isopren-Konzentrationen,
d.h. die Cholesterinsynthese. Isopren ist die Seitenkette für
Cholesterin und Coenzym Q10. Diese Sofortreaktion unter Sympathicuseinfluß
mit erhöhter Cholesterin- und Coenzym Q10-Synthese
ist sicherlich eine sinnvolle adaptive Reaktion des Organismus zum Schutz
vor stressinduzierten Chinonwirkungen autoxidierter Katecholamine und
zur Absicherung eines erhöhten Sauerstoffumsatzes in der Zellatmungs-Zytochromkette.
Bei
Mangel an S-Adenosylmethionin infolge Folsäure-, Vitamin-B6-
und/oder Vitamin B12-Mangels kann nicht ausreichend 3-O-methyldopamin
gebildet werden. Dieses ist gemeinsam mit Melatonin ein außerordentlich
effektiver Radikal-Scavanger und wichtig für den Schutz vor radikalischen
Reaktionen. Daß auch Fasten schon innerhalb einer Woche Cholesterin
um fast 80 mg/dl steigern kann, hängt sicherlich mit der Verarmung
an den Mikronährstoffen Vitamin C und Glutathion
zusammen. Chronische Hyperglykämien bei Zuckerkrankheit führen
zum Auftreten von Schiff´schen Basen, Amadori-Produkten und AGE (advanced
glycation end products). Diese AGE-Produkte sind reaktiv toxisch, ihre
Struktur noch weitgehend unbekannt. Glukose ist letztendlich auch ein
Aldehyd und weist eine Affinität zu den NH2-Gruppen von
Eiweißen, Enzymen auf. Sie werden als glykosyliertes Hämoglobin
routinemäßig bei Diabetikern gemessen. Derartige Zuckeranlagerungen
erhöhen das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall.
AGE-Produkte
können auch über die Nahrung nach starkem Erhitzen, Frittieren,
Braten, Grillen aufgenommen werden.

Vitamin
B1 und B6 haben eine größere Affinität
zu den Aminogruppen von Eiweißen als Glukose. Hierin besteht die
schützende Wirkung dieser Vitamine auf Proteine. Sind ausreichend
Vitamin B1 und B6 vorhanden, können die Zuckeraldehydgruppen
nicht an die Eiweiße binden.
Chronischer
Stress erhöht nicht nur den Blutdruck und das Cholesterin, er erzeugt
auch das metabolische
Syndrom, da kontrainsulinäre Hormone ausgeschüttet werden.
Die kensekutive Hyperinsulinämie induziert eine Übergewichtigkeit,
da Insulin lipogen wirkt. Jede verfügbare Kalorie wird in Fett umgewandelt.
Es sind die Personen, die auch bei täglicher Hungerkost von 1.300
bis 1.500 kcal an Gewicht zunehmen. Eine Gewichtsabnahme durch Kalorienrestriktion
ist praktisch unmöglich. Hier hilft nur Sympathicusdämpfung
(Magnesium, Kalium, Vitamin C, autogenes Training) und
Kohlenhydradabstinenz zur Senkung des Insulinspiegels. Sympathicusstress
aktiviert die Lipolyse. Freie Fettsäuren steigern die Insulinresistenz,
so daß sich der Diabetes mellitus zu Übergewicht, Bluthochdruck
und Cholesterinämie gesellt. CSE-Hemmer beeinflussen in
keiner Weise diese pathologischen Auslenkungen des Sympathicusstresses.
In
den oben dargelegten Ausführungen ging es nur um einen kurzen Überblick
und die Bedeutung der Mikronährstoffe (Anmerkung der Redaktion: ...deren
Bedeutung von den Autoren der eingangs erwähnten Studien als wirkungslos
angesehen werden) für arteriosklerotische Erkrankungen mit ihren
Komplikationen. Sie sollten verdeutlichen, wie komplex dieses Krankheitsgeschehen
ist und welche Möglichkeiten heute zur Prophylaxe und Therapie als
auch in der ärztlichen Ausbildung ungenutzt bleiben.
Vor
der Therapie steht jedoch die Diagnose! Eine routinemäßige
Verordnung von CSE-Hemmern ohne Beachtung der Risikofaktoren, die zur
Entstehung der akteriosklerotischen Erkrankung führten, bleibt als
Langzeittherapie bedenklich. Erst recht, weil diese Therapie als "Evidence
based" eingeordnet wird.
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