Dieser
Zustand beeinträchtigt die Lebensqualität und wird von vielen
Patienten als das meist belastende Symptom der Krebserkrankung empfunden,
sogar noch vor Schmerzen, sagte Professor Volker Diehl aus Köln bei
dem vom Unternehmen Janssen-Cilag unterstützten Internationalen Symposium
"Fatigue und Krebs". Der Umgang mit dieser Symptomatik wird noch dadurch
erschwert, weil die Patienten nicht darauf hingewiesen werden. Und das
liegt daran, daß viele Ärzte über die Zusammenhänge
nicht informiert sind, so Diehl. Mit der quälenden Unsicherheit,
ob sich damit schon ein Rezidiv ankündigt, sehen sich die Betroffenen
in einem "schwarzen Loch", wie es eine Brustkrebspatientin beschrieb.
Mangels
anderer Erklärung geben sich die Patienten oft selbst die Schuld,
zumal diese Erschöpfung auch noch Monate nach einer erfolgreichen
Krebstherapie auftreten kann. Da den Patienten für diese zunächst
schwer faßbare Erscheinung ein Name fehlt, wagen sie erst gar nicht,
ihren Arzt darauf ansprechen.
Fatigue
kommt bei Strahlen- und Chemotherapie besonders häufig vor. Die Strahlentherapeutin
Professor Petra Feyer aus Köln hat bei über 300 Patienten mit
Tumoren im Mund-Hals-Bereich, die eine kombinierte Radiochemotherapie
erhalten hatten, festgestellt, daß eine ausgeprägte Fatigue-Symptomatik
bei 24 Prozent bereits vor der Behandlung bestand, nach Therapie allerdings
bei 55 Prozent.
Diese
vorerst Cancer-Fatigue getaufte Symptomatik hat nichts mit dem Chronic
fatigue syndrome (CFS) zu tun, wenngleich es kein einfaches Differenzierungsmerkmal
gibt. Ein praktischer Unterschied besteht nach Erfahrung von Diehl darin,
daß CFS-Patienten im Gegensatz zu Krebspatienten kaum bereit sind,
wegen ihrer Beschwerden einen Psychiater zu konsultieren.
Manchmal
lassen sich körperliche Ursachen wie Anämie, Hypotonie oder
Hypothyreose finden. Letztere tritt nicht selten erst spät nach einer
Strahlentherapie auf. Auch die Krankheitsbewältigung selbst kommt
als Auslöser infrage. Denn es könne kaum überraschen, daß
eine Lebenskrise wie Krebs sehr viel Energie (Anm.: Coenzym Q10) verbraucht,
erläuterte Dr. Agnes Glaus aus St. Gallen.
Da
gezielte Forschung erst seit fünf Jahren stattfindet, gibt es keine
fertigen Therapiekonzepte, wie der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie
der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., Privatdozent Dr. Joachim Weis aus
Freiburg sagte. Besteht eine Anämie, können Wachstumsfaktoren
wie Erythropoetin rasch zur Besserung führen. Neben kognitiver Verhaltenstherapie
und dem Begleiten der Patienten in der Krankheit kommen sportmedizinische
Aktivierungsprogramme infrage.