Gesunde Ernährung!
…?
Kompetenz zur Beurteilung gesundheisrelevanter Faktoren
Gesunde Ernährung ist einer der wesentlichsten Parameter in Bezug auf die
Gesunderhaltung unseres Körpers – zudem können wir selbst intervenieren.
Doch was gesunde Ernährung eigentlich beinhaltet, darüber gehen die
Meinungen auseinander.
Mit »light«-Produkten »leicht« zunehmen
Obwohl eine Übertragung der Erkenntnisse aus Tierstudien
auf den Menschen oft problematisch ist, liefern die Forschungen von David Pierce
und seinen Mitarbeitern von der University of Alberta in Kanada erste Ansätze
über Zusammenhänge zwischen dem Konsum von »Diät«-Lebensmitteln
und Übergewicht. Im Versuch fütterten die Wissenschafter über
16 Wochen lang alte und junge Ratten mit »light«-Produkten. Im Anschluss
erhielten die Tiere die gleichen Nahrungsmittel in der normalen Kalorienvariante.
Das Resultat: Besonders die jungen Ratten nahmen weit über ihren Bedarf
hinaus Kalorien zu sich und somit an Gewicht zu. Als Grund vermuten die Forscher
die Veränderung der natürlichen Hunger- und Sättigungsregulation.
»Diät«-Lebensmittel bevölkern schon seit Jahren die Regale
der Supermärkte und lassen den Verbraucher mit Beinamen wie light, extra
leicht, zero, lineé, légère oder mit Wellness-Versprechungen
wie active, balance, extrafit, fitness, vital oder bio in dem Glauben, seiner
Gesundheit etwas Gutes zu tun. Doch was bedeutet eigentlich »light«?
Der Begriff »light«, also »leicht«, kann neben fettarm
beziehungsweise fettreduziert auch leicht bekömmlich, leicht verdaulich
oder luftig und locker ausdrücken. Übertragen auf die Lebensmittelindustrie
bedeutet light, fettreiche Lebensmittel oftmals im Austausch mit beträchtlichen
Zuckermengen als fettreduziert anzubieten oder zuckerreiche Lebensmittel mit
Zuckeraustauschstoffen anzupreisen.
Was zum einen gut klingt, birgt auch Nachteile. Einerseits kann ein zu hoher
Konsum an gesüßten Lebensmitteln die geschmacklichen Vorlieben und
demzufolge das Verlangen nach Süßem verändern, unabhängig
davon, ob reiner Zucker oder Süßstoffe zum Einsatz kommen. Andererseits
besitzen Fette sättigende Effekte, folglich ist bei »light«
Varianten ein Mehrverzehr vorprogrammiert (siehe Untersuchung »Soft-Drinks«).
Dies bedeutet jedoch nicht, dass von »light«-Produkten generell
abzuraten ist. Für übermäßige Kaffeetrinker kann Süßstoff
eine durchaus sinnvolle Alternative zum Zucker oder zuckerfreier Kaugummi in
puncto Karies sein. Jedoch sind kalorienarme »light«-Produkte keine
Garantie fürs Schlankbleiben oder ein Konzept zum Abnehmen, wenn eine Ernährungsumstellung
ausbleibt.
Soft-Drinks und Diätgetränke
Mehrere groß angelegte Studien sowohl in den USA, wie auch in Europa bestätigen den ständig steigenden Konsum von zuckerhältigen Soft-Drinks bei Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen. Einige Untersuchungen stellten dieses Konsumverhalten auch in direkte Korrelation zur ständig steigenden Adipositas-Epidemie, der zunehmenden Diabetes-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen sowie der Hypertonieentwicklung im Erwachsenenalter. Zusätzlich wurde auch der Zusatz von Süßstoffen zu den Softdrinks für einen Anstieg der Triglyzeride verantwortlich gemacht, wobei dies noch kontroversiell diskutiert wird. Ursächlich kausale Faktoren für die Adipositasentwicklung und steigende Insulinresistenz sind einerseits die gesteigerte Kalorienzufuhr, andererseits das geringe Sättigungsgefühl sowie der generelle Effekt der Zufuhr von raffinierten Kohlenhydraten nach Aufnahme dieser alkoholfreien Getränke. Im Rahmen einer weiteren vor kurzem publizierten prospektiven Studie erfolgte die Evaluierung der Hypothese eines gesteigerten Risikos der Einzelkomponenten des Metabolischen Syndroms nach Zufuhr von Soft-Drinks bei Erwachsenen mittleren Alters. Im Rahmen der groß angelegten Framingham Heart Study wurde die tägliche Aufnahme von Softdrinks mittels standardisierter Fragebögen bei jedem Durchgang jeweils von 1987 bis 1991 und 1995 bis 1998 erhoben, wobei keine Differenzierung zwischen der Zufuhr von normalen vs. Diät-Drinks gemacht wurde. Diese Information konnte jedoch von anderen Diätfragebögen aus den Jahren 1992 bis 1995 erhoben werden. Insgesamt konnten 6.039 Nachkommen des ursprünglichen Patientenkollektives der Studie im Rahmen einer Cross-sectional-Analyse eingeschlossen und ausgewertet werden. Nach Anpassung an Alter und Geschlecht wiesen jene Personen, die mehrere Softdrinks/Tag konsumierten, eine signifikant höhere Adipositas-Prävalenz, höheren Blutdruck, häufigere Glukoseintoleranz, niedrigere HDL-C-Spiegel sowie Hypertriglyzeridämie auf. Das Gesamtcholesterin sowie LDL-Spiegel und die körperliche Aktivität waren zwischen den untersuchten Gruppen nicht unterschiedlich. Personen, die mehr als 1 Soft-Drink/Tag konsumierten, wiesen eine 48% höhere Prävalenz des Metabolischen Syndroms auf, verglichen mit jenen, die unter 1 Drink/Tag zuführten. Es zeigte sich nach dem ersten 4-Jahres-Follow-up eine signifikant gesteigerte Prävalenz des Metabolischen Syndroms in jener Gruppe, die über 1 Soft-Drink/Tag zu sich nahm. Interessanterweise konnte aber auch gezeigt werden, dass Personen mit mehr als einem Diätgetränk pro Tag ebenfalls eine 1,8-fach erhöhte Prävalenz für die Entwicklung eines Metabolischen Syndroms aufwiesen. Die Zufuhr von mehr als einem Soft-Drink am Tag war zusätzlich assoziiert mit einem erhöhten Adipositasrisiko, erhöhter WHR (waist-hip-ratio), erhöhter Nüchtern-Glukose, höherem Blutdruck sowie einer Hypertriglyzeridämie und erniedrigtem HDL. Die Autoren dieser Studie konnten somit belegen, dass die gesteigerte Zufuhr von Soft-Drinks nicht nur mit den Einzelkomponenten des Metabolischen Syndroms signifikant assoziiert, sondern die Gesamtprävalenz des Metabolischen Syndroms signifikant gesteigert ist. Interessant ist, dass auch die Zufuhr von Diätgetränken zu einem erhöhten metabolischen Risiko führten, sodass angenommen werden muss, dass eventuell kompensatorisch eine gesteigerte Kohlenhydratzufuhr erfolgt, aber weiterführende Studien den wirklich kausalen Zusammenhang noch klären müssen.
Dosis oft nicht ausreichend: Arzneimittel für fettleibige Menschen
Die auf Packungsbeilagen genannten Dosierungen vieler
Medikamente gelten für fettleibige Patienten nur unter Vorbehalt. Die angegebenen
Mengen könnten unter Umständen für die gewünschte Wirkung
nicht ausreichen, mahnt der amerikanische Pharmakologe David Bearden aus Portland
in der Zeitschrift »Pharmacotherapy«. Bei chronischen Erkrankungen
hält der Mediziner die Gefahr einer mangelnden Dosierung aber für
gering, denn die Wirkung von Blutdruck- oder Cholesterinsenkern werde regelmäßig
etwa vom Hausarzt geprüft.
Dringlicher sei das Problem bei akuten Ereignissen wie etwa bakteriellen Infektionen.
Hier könne ein ausbleibender Effekt von Antibiotika gefährlich werden.
„Sehr fettleibige Menschen bekommen manchmal vielleicht nur die Hälfte
der erforderlichen Menge eines Arzneimittels wie einem Antibiotikum“,
betont Bearden. „Das kann nicht nur zum Versagen des Antibiotikums führen,
sondern auch die Resistenzbildung verstärken.“
Pharmaunternehmen haben die Problematik in jüngster Zeit aufgegriffen und
geben inzwischen auf manchen Packungsbeilagen Dosierungen in Relation zum Gewicht
an. Bei vielen älteren Präparaten fehle diese Information, bemängelt
der Pharmakologe.
Patienten sollten aber die Menge keinesfalls selbst hochrechnen. Adipöse
Patienten sollten darüber mit ihrem Arzt oder Apotheker sprechen.
Neues Testverfahren: Omega-3-Index
Der regelmäßige Verzehr von fetthaltigem Fisch
schützt vor dem plötzlichen Herztod. Diese Schutzwirkung von Fisch
wird zwei darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren zugeschrieben. Mit einem
Testverfahren lässt sich nun der Gehalt dieser essenziellen Fettsäuren
im Blut eines Menschen messen.
In Österreich sterben jährlich mindestens 10.000 Menschen am plötzlichen
Herztod. Zur Vorbeugung empfehlen Fachärzte den Konsum der beiden Omega-3-Fettsäuren
EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), die in fettreichen
Fischarten wie Lachs, Makrele oder Hering enthalten sind. Sie hemmen Entzündungen,
beugen Blutgerinnseln vor und wirken Herzrhythmusstörungen entgegen. Forscher
vermuten, dass die geringe Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa bei Japanern
auf deren fischreicher Diät beruht.
Mediziner der Universität München entwickelten nun den Omega-3-Index,
mit dem sich der Gehalt der beiden Fettsäuren in einem Menschen bestimmen
lässt. Der Index könnte nach Angaben der Wissenschafter helfen, das
persönliche Risiko für den plötzlichen Herztod zu ermitteln.
Bei einem zu niedrigen Index könnte die Einnahme der beiden Fettsäuren
die Werte steigern und damit das Risiko senken.
Der durchschnittliche Wert liegt den Angaben zufolge z.B. in Deutschland bei
etwa vier Prozent. Aber erst ab rund acht Prozent wird ein plötzlicher
Herztod deutlich unwahrscheinlicher. Zum Vergleich: In Korea liegen die Werte
im Mittel bei etwa neun, in Japan bei rund elf Prozent.
Regelkreis im Gehirn kontrolliert den Fettstoffwechsel
Das Gehirn kontrolliert die Fettspeicherung nicht nur
über die Wahrnehmung von Hunger und Sättigung, sondern auch direkt
und unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Dies ist das Ergebnis einer neuen
internationalen Studie, an der Wissenschafter des Deutschen Instituts für
Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke federführend beteiligt
sind. Wie die Forscher erstmals auf molekularer Ebene an Nagern nachwiesen,
reguliert das Melanocortin-System, ein neuroendokriner Regelkreis im Gehirn,
wie viel Zucker in Fett umgewandelt, in Fettzellen gespeichert oder im Muskel
verbrannt wird. Das System tut dies direkt, schnell und unbeeinflusst von der
Nahrungsaufnahme. Nach Aussage von Prof. Dr. Matthias Tschöp, Leiter der
Studie, könnte eine genaue Kenntnis der molekularen Zusammenhänge
neue Pharmakotherapien zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht ermöglichen
Info: Prof. Dr. Matthias H. Tschöp, Obesity Research Center
– Department of Psychiatry, University of Cincinnati, Genome Research
Institute, 2170 East Galbraith Road, Cincinnati, Ohio 45237, USA, Tel. (513)
558 8648, tschoemh@ucmail.uc.edu
Prof. Dr. Annette Schürmann, (Koautorin der Studie), Deutsches Institut
für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke (DIfE) – Abteilung
Pharmakologie, Arthur-Scheunert-Allee 114-116, D-14558 Nuthetal, Tel.: ++49
(0)33200 88 368, schuermann@dife.de